Ein Mähdrescher erntet am 15.08.2016 bei Pflummern (Baden-Württemberg) ein Weizenfeld ab. (Foto: picture-alliance / dpa, picture-alliance / dpa -)

Auswirkungen des Ukraine-Krieges

Baden-Württemberg ist unabhängig von Getreide aus Russland und Ukraine

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Die Versorgung mit Getreide wird wegen des Krieges in der Ukraine zu einem großen Problem für ärmere Länder. BW ist davon nicht betroffen. Allerdings werden die Preise steigen.

Der mögliche Einbruch beziehungsweise Wegfall von Getreidelieferungen aus Russland und der Ukraine wird sich in Baden-Württemberg voraussichtlich an steigenden Preisen, nicht aber der Versorgungssicherheit an sich bemerkbar machen. "Die Verbraucherinnen und Verbraucher brauchen keine Angst haben, die Versorgung mit Getreide ist dieses Jahr auf jeden Fall gesichert", sagte Landesbauernpräsident Joachim Rukwied der Deutschen Presse-Agentur. "Wir leben in einer sogenannten Gunstregion für den Getreideanbau und der Selbstversorgungsgrad in Baden-Württemberg, Deutschland und Europa liegt bei über 100 Prozent."

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Nur ein Bruchteil des Getreides für BW kommt aus der Ukraine und Russland

Das verdeutlicht auch der Blick auf die Zahlen des vergangenen Jahres. Wie das Statistische Landesamt am Dienstag mitteilte, importierte Baden-Württemberg im Jahr 2021 insgesamt rund 274.500 Tonnen Weizen. Davon stammen gerade einmal 126 Tonnen aus der Ukraine und eine knappe Tonne aus Russland. Wichtigster Lieferant war Frankreich. Das Nachbarland lieferte 72.500 Tonnen Getreide nach Baden-Württemberg.

Die Exporte lagen nach vorläufigen Ergebnissen der Außenhandelsstatistik bei 348.200 Tonnen, wovon das meiste Getreide in die Niederlande, nach Frankreich, in die Schweiz und nach Belgien ging.

Bereits in den vergangenen Monaten erhebliche Preissteigerungen

Allerdings mussten Verbraucherinnen und Verbraucher in Baden-Württemberg bereits in den vergangenen beiden Monaten höhere Preise hinnehmen. Diese müssen aber noch nicht in direkter Verbindung mit der russischen Invasion stehen. Mehl und Getreideprodukte seien im Februar um rund 15,6 Prozent teurer gewesen als noch im Februar des vergangenen Jahres, Butter kostete 19,1 Prozent mehr. Speiseöle pflanzlichen Ursprungs haben sich sogar um 30,7 Prozent verteuert, teilte das Landesamt mit.

Sorgen macht sich Rukwied hingegen um die Lage in Afrika und dem arabischen und asiatischen Raum. Dort sei die Ukraine ein wesentlicher Lieferant gewesen, nun seien Engpässe zu befürchten. "Auch Europa muss diesen Regionen zur Seite springen", forderte er. Auch Russland ist auf den afrikanischen und asiatischen Kontinenten wichtiger Produzent von günstigem Getreide, vor allem von Weizen.

Massive Preissteigerungen bei Getreide erwartet

Die beiden Länder liefern nach Angaben der EU-Kommission zusammen rund 34 Prozent des Weizens für die Weltmärkte. Importeure wie Jemen, Bangladesch, Pakistan, Sudan und Nigeria seien zum Teil bereits stark von Ernährungsunsicherheit betroffen. Störungen der Getreideausfuhr können nach Einschätzung von Expertinnen und Experten auch zu massiven Preissteigerungen auf dem Weltagrarmarkt führen.

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SWR