Zeremonie in Oslo Nadia Murad hat den Friedensnobelpreis bekommen

In Oslo hat am Montag Nadia Murad den Friedensnobelpreis entgegengenommen. Die Jesidin hat sich bei der Regierung von Baden-Württemberg bedankt, ihr einen sicheren Hafen geboten zu haben.

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Die vom IS monatelang gefangen gehaltene Murad bedankte sich in ihrer Rede vor dem Nobelpreiskomitee für die Ehre. Sie mahnte aber an, dass der einzige Preis, der die Würde der Jesiden wiederherstellen könne, Gerechtigkeit sei und die Verfolgung der Kriminellen.

Sie rief dazu auf, die Stimme für Frieden und Menschenrechte zu erheben.

"Die internationale Gemeinschaft hat nichts getan, den Völkermord an meiner Gemeinschaft zu stoppen."

Nadia Murad

Murad bedankt sich bei Kretschmann

Explizit bedankte sie sich bei der Regierung von Baden-Württemberg und "Mr Kretschmann" für die Unterstützung. Ohne sie würde sie sich ihrer Freiheit heute nicht erfreuen, so die 25-Jährige. Alle Opfer verdienten einen sicheren Hafen bis ihnen Gerechtigkeit widerfahre.

Viele Gäste brachen in Tränen aus

"Wenn wir wollen, dass sich diese Fälle von Vergewaltigung und Gefangenschaft gegen Frauen nicht wiederholen, dann müssen wir diejenigen zur Rechenschaft ziehen, die sexuelle Gewalt als Waffe eingesetzt haben." Viele der geladenen Gäste brachen bei den Schilderungen der jungen Frau in Tränen aus. Doch Murad sagte, sie wolle kein Mitleid mehr. Nun müssten Taten folgen.

Nadia Murad bei der Zeremonie (Foto: picture-alliance / dpa)
Nadia Murad und Denis Mukwege bei der Zeremonie

"Aufmerksamkeit auf die Leiden der Frauen gelenkt"

Die Vorsitzende des norwegischen Nobelkomitees, Berit Reiss-Andersen, ehrte Nadia Murad und den mit ihr ausgezeichnete kongolesische Arzt Denis Mukwege am Montag in ihrer Rede: "Denis Mukwege und Nadia Murad haben einen wichtigen Beitrag zur Bekämpfung dieser Art von Kriegsverbrechen geleistet, indem sie die Aufmerksamkeit auf die Leiden der Frauen im Irak, der Demokratischen Republik Kongo und überall sonst auf der Welt gelenkt haben, wo sexuelle Gewalt als Waffe eingesetzt wird". Beide verdienten voll und ganz Alfred Nobels Friedenspreis.

Mehrere Monate als Sklavin gehalten

Die 25-jährige Irakerin hat Schreckliches hinter sich. In ihrer Heimat war sie wegen ihrer Religion mehrere Monate lang von der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) als Sklavin gehalten und brutal missbraucht worden. Murad gelang die Flucht. Seitdem kämpft sie dafür, dass die Terroristen vor Gericht kommen. Als Sonderbotschafterin der Vereinten Nationen reist sie um die Welt und macht auf die Qualen der IS-Opfer aufmerksam.

Kretschmann: "Ein Beispiel für uns alle"

"Wenn solche starken Menschen ihr grausames Schicksal überwinden, dann ist das ein Beispiel für uns alle, auch in schweren Zeiten gegen Unrecht zu kämpfen", sagte Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) dem SWR. Auch er nahm an der Zeremonie in Oslo teil. "Ich hoffe, dass die Verleihung noch einmal einen Schub auslöst, dass auch andere Länder diesem kleinen bedrängten Volk mehr helfen als das heute der Fall ist", sagte er.

Das Land Baden-Württemberg hatte vor mehreren Jahren ein Aufnahmeprogramm für besonders Schutzbedürftige aus dem Nordirak gestartet und darüber insgesamt mehr als 1.000 von IS-Terroristen bedrohte jesidische Frauen und Kinder nach Baden-Württemberg geholt. Unter ihnen war auch Murad.

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SWR Fernsehen BW

Murad: "Habe in Baden-Württemberg eine zweite Heimat gefunden"

"Es war etwas ganz Besonderes, dass Baden-Württemberg uns in dieser schweren Zeit geholfen hat", sagte Murad. "Sonst hat uns niemand geholfen. Ich habe hier eine zweite Heimat gefunden und fühle mich sehr sicher." Sie hat bereits mehrere Jahre in Baden-Württemberg gelebt und will auch in Zukunft zumindest zum Teil dort leben.

Murad hofft, dass die Aufmerksamkeit für das Schicksal vieler Jesiden durch die Verleihung des Friedensnobelpreises steigt: "Ich habe die Bitte, dass wir nicht in Vergessenheit geraten und dass wir unterstützt werden. Vor allem darin, dass die Täter des IS zur Rechenschaft gezogen werden, und zwar jeder einzeln", sagte sie dem SWR.

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