LBBW, Landesbank Baden-Württemberg (Foto: picture-alliance / dpa)

Zehn Jahre nach der Lehman-Pleite LBBW-Rettung bis heute nicht abgeschlossen

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Vor zehn Jahren ging die amerikanische Investmentbank Lehman Brothers pleite. In Folge gerieten auch deutsche Banken ins Schlingern, darunter die Landesbank Baden-Württemberg.

Zehn Jahre ist es her, dass die amerikanische Investmentbank Lehman Brothers Insolvenz anmeldete. In Folge gerieten auch deutsche Banken ins Schlingern, die Wertpapiere von Lehman gekauft hatten – Wertpapiere, aus denen Schrottpapiere geworden waren. Die Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) war eine von ihnen – und sie musste, so hieß das damals, gerettet werden. Eine Rettung, die bis heute nicht abgeschlossen ist.

Zwei Milliarden Euro Verlust für die LBBW

Es war die Zeit, in der man sich daran gewöhnte, dass hohe Geldbeträge nicht mehr in Millionen gemessen wurden, sondern in Milliarden. Mehr als zwei Milliarden Euro Verlust - also zweitausend Millionen Euro machte die Landesbank in Folge von Lehman.

Die Eigentümer der Bank, das sind die Sparkasssen, das Land Baden-Württemberg und die Stadt Stuttgart, entschlossen sich ein eigenes Rettungspaket zu konstruieren. Damit die Verluste die LBBW nicht zum Einsturz brächten, stützten sie sie mit einer Kapitalspritze über fünf Milliarden Euro. Und sie gewährten der gefährdeten Bank eine Garantie über 12,7 Milliarden Euro, falls die Schrottpapiere tatsächlich ausfielen.

Grafik LBBW Finanzspritzen (Foto: SWR)

Hohes Risiko für Stadt Stuttgart und Land

Finanzexperte Bernd Nolte hat umgerechnet, was die Rettung für die Eigentümer der Bank - Baden-Württemberg und Stuttgart - hätte bedeuten können: Wenn die Finanzspritzen und Garantien in vollem Umfang benötigt worden wären, hätte man die Eigentümer in voller Höhe in Anspruch nehmen müssen. Das hätte das Land Baden-Württemberg pro Jahr rund 700 Millionen Euro gekostet. Das sei in etwa der doppelte Haushalt für das Wohnungswesen, so der Experte. Die Stadt wäre mit maximal 350 Millionen dabei gewesen. Das hätte bedeutet, dass man den Jahresetat für Bildung und Schulen riskiert.

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3.000 Mitarbeiter weniger

Für Kapitalspritze und Garantie musste die Landesbank ihren Eigentümern hohe Gebühren zahlen. Die Schrottpapiere loswerden, riskante Finanzgeschäfte einstellen, Beteiligungen verkaufen, die Bank schrumpfen. Das war die Auflage der Wettbewerbshüter in Brüssel. Heute ist ihre Bilanzsumme um 40 Prozent verringert, und die Bank um 3.000 Mitarbeiter ärmer.

Fast zehn Jahre hat es gedauert, bis die LBBW auf die zwölf Milliarden Garantie verzichten konnte – erst im vergangenen Jahr gelang es die letzten Schrottpapiere zu verkaufen, bis auf einen kleinen Rest. Nicht verzichten konnte die Bank auf die Kapitalspritze. Von den fünf Milliarden Euro Stütze von Sparkassen, Land und Hauptstadt hat die Bank vier Milliarden behalten.

Nicht bezahlt worden sind Ausschüttungen und Zinsen in Millionenhöhe, die vor der Krise in die Haushalte von Land und Stadt geflossen waren. Jede vierköpfige Familie, so die vorläufige Berechnung der Bundesregierung, hat bis heute 3.000 Euro für die Finanzkrise bezahlt.

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