Bauarbeiter laufen am 21.07.2015 in Stuttgart an Neubauten vorbei (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/Marijan Murat/dpa)

Kampf gegen Wohnungsnot Baden-Württemberg hat mehr Bauland als gedacht

Fehlendes Bauland gilt als eine der Hauptursachen für die Wohnungsnot in Baden-Württemberg. Doch laut einer neuen Erhebung hat das Land genug Reserven. Eigentümerverbände wittern Augenwischerei.

Dem Land Baden-Württemberg fehlen bis Ende 2022 nur 500 Hektar Bauland, um den Flächenbedarf zu decken. Das hat eine Erhebung des Wirtschaftsministeriums bei Städten und Gemeinden ergeben, die dem SWR vorliegt.

Bis 2022 werden 354.000 neue Wohnungen gebraucht

Der zugrunde gelegte Flächenbedarf leitet sich aus einer Prognos-Studie von 2017 ab. Demnach werden bis 2022 in Baden-Württemberg 354.000 neue Wohnungen gebraucht. Dafür ist eine Fläche von rund 10.600 Hektar nötig - bei 2,1 Menschen pro Haushalt und einer Wohndichte von 70 Einwohnern pro Hektar.

35 Prozent der benötigten 10.600 Hektar könnten die Kommunen laut der neuen Erhebung durch Innenentwicklung erbringen, also durch die Nutzung innerörtlicher, bereits erschlossener Flächen. Übrig bleibt ein Bedarf von 6.890 Hektar. Der Umfrage zufolge stehen dem Land bis Ende 2022 rund 6.400 Hektar aktivierbares Bauland zur Verfügung.

"Haus und Grund" sieht Verantwortung bei den Kommunen

Ein Vertreter des Eigentümerverbands "Haus und Grund" kritisierte die Studie als Nebelkerze. Es sei erstaunlich, dass über Nacht Flächen gefunden worden seien, die es vorher nicht gab. Entscheidend für neues Bauland sei die Ausweisung als solches. Das liege in der Macht der Städte und Gemeinden. Dort sei die Ausweisung neuen Baulands in Ballungszentren aber politisch nicht erwünscht.

An der Umfrage, die das Wirtschaftsministerium in der ersten Jahreshälfte 2018 durchgeführt hat, nahmen 753 der 1.101 Kommunen im Land teil. Das entspricht einem Anteil von gut 68 Prozent. Der Rest wurde anhand von Stichproben geschätzt. Als größtes Hemmnis bei der Aktivierung von Bauland seien die Eigentumsverhältnisse genannt worden, so die Studie. Die Kommunen hatten zuletzt immer wieder fehlende echte Planungshoheit und zu viele bürokratische Hürden beim Wohnungsbau beklagt.

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