2018 hat Porsche rund 256.000 Fahrzeuge ausgeliefert. (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/Marijan Murat/dpa)

Wirtschaft in Baden-Württemberg Trübt sich die Konjunktur ein?

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Analysten und Anleger sind kritisch, den Unternehmen im Land geht es je nach Branche unterschiedlich. Manche sorgen sich um ihre Arbeitsplätze, andere finden neue Nischen.

Die Autoindustrie ist besonders gebeutelt

In der Autoindustrie ist die konjunkturelle Abschwächung schon deutlich spürbar. Daimler hat in den vergangenen drei Monaten einen Milliardenverlust erlitten und innerhalb kurzer Zeit mehrere Gewinnwarnungen veröffentlicht.

Bei einigen Zulieferfirmen werden bereits Stellen gestrichen. Mahle beispielsweise will in Öhringen im Hohenlohe-Kreis ein Werk mit 240 Mitarbeitern schließen. Auch am Standort Stuttgart sollen knapp 400 Stellen wegfallen. Beim Autozulieferer Marquardt auf der Schwäbischen Alb sollen bis zu 600 Stellen ins Ausland verlagert werden. Die Belegschaft hat dagegen demonstriert.

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Hoffnungsträger mit Risiken und Nebenwirkungen: die Pharmabranche

Während die Autoindustrie schwächelt, boomt die Medizintechnik. Sorge bereitet der Branche allerdings eine neue EU-Verordnung, die insbesondere kleinere Unternehmen belastet. 30 Prozent der ansässigen Medizintechnikfirmen könnten wegen dieser EU-Verordnung aufgeben, befürchtet Medical Mountains, eine Initiative der regionalen Industrie- und Handelskammer im Schwarzwald. Dadurch könnten 20 Prozent der Arbeitsplätze vor Ort wegfallen, warnt Julia Steckeler von Medical Mountains.

Dauer

Tuttlingen lebt von der Medizintechnik. Aeskulap ist mit 3.500 Mitarbeitern das größte Medizintechnikunternehmen der Region und muss allein 250 Mitarbeiter für die Umsetzung der Verordnung abstellen. Auch zahlreiche kleinere Firmen leben von dieser wachsenden Branche.

"Wir opfern quasi einen Teil unseres Ertrages, den wir sonst in die Zukunft stecken würden, eben dieser Verordnung. Wir haben zum Glück die Ressourcen, uns das leisten zu können, aber es gibt viele Kleine, die sich das nicht ohne weiteres leisten können."

Joachim Schulz, Vorstandsvorsitzender Aesculap AG

Ehrenamtliche Solidarität zum Erhalt der Medizintechnik

Wie man die Krise um die EU-Verordnung auch als kleines Unternehmen meistern kann, zeigt Weber Instrumente. Die Firma stellt mit 65 Mitarbeitern chirurgische Handgriffe her. Diese sogenannten Weber-Griffe werden weltweit im OP verwendet.

Für die EU-gemäße Dokumentation aller Produkte hat das Familienunternehmen 15 Mitarbeiter abgestellt. Genau an dieser Dokumentation verdient Weber Instrumente, indem sie sie als Dienstleistung anbietet. Die Kunden nehmen das gut an. Der Umsatz ist im letzten Jahr um über 40 Prozent gewachsen.

Sowohl Weber Instrumente als auch Aesculap engagieren sich ehrenamtlich bei Medical Mountains, um andere Unternehmen bei der Umsetzung der EU-Verordnung zu unterstützen. So soll Tuttlingen als größte Medizintechnik-Region europaweit erhalten bleiben.

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