"Windgipfel" in Berlin Baden-Württemberg will "Südbonus" für Windenergie

Weil Windkraftwerke auf Bergen und Hügeln teurer sind als im Flachland, können baden-württembergische Anlagen nicht mit norddeutschen konkurrieren. Umweltminister Untersteller fordert einen Ausgleich.

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SWR Fernsehen BW

In Baden-Württemberg wurden im vergangenen Jahr nur 35 Windräder neu gebaut – viel weniger als im Jahr 2017. Die Windkraft macht zur Zeit gerade einmal 3,7 Prozent der Bruttostromerzeugung im Jahr aus. Der Wert soll aber auf mindestens 10 Prozent steigen. Im Bundesvergleich liegt Baden-Württemberg aktuell weit hinten.

Das Problem: Seit 2017 werden Windkraftanlagen zentral ausgeschrieben. Dabei gewinnt, wer seine Anlage am günstigsten betreibt, wer also am wenigsten Förderung benötigt. Baden-württembergische Anlagen können preislich nicht mit den norddeutschen mithalten, weil Kraftwerke auf dem flachen Land billiger sind als auf Bergen und Hügeln.

Baden-Württembergs Umweltminister Franz Untersteller sagte dem SWR, Vogelschutz spiele Windkraft aus:

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7:07 Uhr
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SWR2

Kritik an Vogelschutz gegen Windkraft

Baden-Württembergs Umweltminister Franz Untersteller (Grüne) will sich beim sogenannten Windgipfel in Berlin für einen "Südbonus" einsetzen, der den Standortnachteil ausgleicht. Im Gespräch mit dem SWR kritisierte er außerdem die langwierigen Genehmigungsverfahren und dass offenbar "alles Mögliche" wichtiger sei als die Windkraft. "Es kann nicht sein, dass immer dann, wenn ein Vogel auftaucht, ganze Windkraftprojekte neu geplant werden müssen", sagte er. Er habe den Eindruck, das Thema Vogelschutz werde gern genommen, um Windkraftanlagen zu verhindern.

Klagen von Bürgern befürchtet?

Beim "Windgipfel" in Berlin wollen Bundesregierung, Länder und Branchenvertretern heute nach Wegen suchen, wie der stockende Ausbau der Windkraft an Land wieder beschleunigt werden kann. Auch Betreiber wie die Energie Baden-Württemberg AG (EnBW) sind dabei. Die EnBW will neue Windräder auf der westlichen Alb und im Nordschwarzwald bauen - dort weht der Wind laut aktuellem Windatlas der Landesregierung kräftig. Statt der vorgesehenen vier bis sieben Monate dauerten laufende Genehmigungsverfahren schon Jahre, bemängelt Michael Soukup, der bei der EnBW für den Ausbau in Baden-Württemberg zuständig ist. Die Landratsämter würden nicht entscheiden und die Verantwortung an das Regierungspräsidium abgeben. Laufend würden neue Untersuchungen gefordert. "Wir mussten die Zauneidechse untersuchen, obwohl es an dem Standort keinen Nachweis gibt, dass es die Zauneidechse geben kann", nannte Soukup als Beispiel. Er vermute, dass die Behörden Klagen von Bürgern scheuen.

Untersteller will Kommunen stärker beteiligen

Um die Akzeptanz bei Anwohnern zu stärken, schlägt Untersteller vor, die Kommunen stärker finanziell zu beteiligen. Wenn Teile der Erträge in den kommunalen Haushalt fließen würden, um beispielsweise den Ausbau von Kindergärten zu bezahlen, sähe die Situation möglicherweise anders aus, so Untersteller.

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