Heller produziert CNC Werkzeugmaschinen und Fertigungssysteme (Foto: Pressestelle, Gebr. Heller Maschinenfabrik GmbH)

Wie spürbar ist der Abschwung? Der Maschinenbauer Heller stellt sich auf schlechtere Zeiten ein

Noch wächst das Geschäft, aber die Aufträge gehen zurück. Der Nürtinger Werkzeugmaschinenbauer hat deshalb Arbeitszeit und Lohn für einige Beschäftigte reduziert. Viele sorgen sich.

Das schwäbische Familienunternehmen baut CNC-Werkzeugmaschinen und Fertigungssysteme, unter anderem für die Autoindustrie und den Maschinenbau. Tina Kertos arbeitet in der Konstruktionsabteilung des Maschinenbauers Heller in Nürtingen. Seit Juli arbeitet die 39-Jährige nicht mehr 35 Stunden, sondern 3,5 Stunden weniger und bekommt weniger Geld.

Dauer

 „Wir sind alle ein bisschen verunsichert, was jetzt passiert. Wie tief wird die Delle wirklich? Ist es nur eine Delle? So ist die allgemeine Verunsicherung. Es weiß eigentlich keiner, wie es weitergeht, und es ist auch kein Lichtblick da.“

Tina Kertos, Heller-Mitarbeiterin

Mitarbeiter sind verunsichert

Auch der 60-jährige Rolf Mack arbeitet seit einigen Wochen kürzer. Bei Heller konstruiert er Kurbelwellen. Diese Teile werden in Zukunft für Elektromotoren nicht mehr gebraucht. 

„Die Serienbetreuung für unser Maschinenprogramm ist massiv zurückgefahren, weil man einfach nicht weiß, wie es mit dem Verbrennungsmotor weitergeht.“

Rolf Mack, Heller-Mitarbeiter
Ein Mitarbeiter des Maschinenbauers Heller bei der Arbeit (Foto: Pressestelle, Gebr. Heller Maschinenfabrik GmbH)
Das Familienunternehmen Heller hat gerade sein 125-jähriges Jubiläum gefeiert. In Nürtingen arbeiten am Stammsitz rund 1.700 Menschen, weltweit sind es über 2.900 bei der Heller Gruppe. Pressestelle Gebr. Heller Maschinenfabrik GmbH

Noch rechnet Heller mit einem deutlichen Wachstum

Wie der deutsche Maschinenbau insgesamt hat auch das Traditionsunternehmen Heller gute Zeiten hinter sich. CEO Klaus Winkler schätzt die Lage aktuell noch als sehr gut ein. „Wir profitieren von guten Auftragseingängen des Jahres 2018. Wir sind insofern in diesem Jahr dazu in der Lage, noch einmal um fast 25 Prozent zu wachsen.“ Gleichzeitig stelle die Heller Gruppe aber fest, dass der Auftragseingang rückläufig sei im Vergleich zum vergangenen Jahr.

„Ich schätze, dass wir bis Jahresende durchaus 20 Prozent weniger Aufträge in den Büchern haben werden als vor einem Jahr.“

Klaus Winkler, CEO der Heller Gruppe
Klaus Winkler, CEO der Heller Gruppe (Foto: Pressestelle, Gebr. Heller Maschinenfabrik GmbH)
Unternehmenschef Klaus Winkler rechnet mit einer rückläufigen Auftragslage. Er kritisiert, dass den Unternehmen heute weniger Möglichkeiten für Kurzarbeit zur Verfügung stünden als in der Finanzkrise. Pressestelle Gebr. Heller Maschinenfabrik GmbH

Metall-Tarifvertrag ermöglicht Senkung von Arbeitszeit und -löhnen

Deshalb wurden die Arbeitszeit und entsprechend die Löhne für rund 50 Mitarbeiter in der Konstruktion etwas reduziert, um rund zehn Prozent. Möglich machten das der Metall-Tarifvertrag und eine Betriebsvereinbarung, erklärt der Betriebsratsvorsitzende Bernd Haußmann. 

„Das sind überschaubare Bereiche. Wichtig ist, dass man die Kollegen versucht mitzunehmen – unter der Überschrift Arbeitsplatz-Erhalt, Arbeitsplatz-Sicherheit – mit der Einschränkung, gewisse Entgelt-Reduzierungen zu machen.“

Bernd Haußmann, Betriebsratsvorsitzender bei Heller

Noch sind die Arbeitszeitkonten der meisten Heller-Mitarbeiter voll. Es gibt genug Überstunden, die abgebaut werden müssen. Sollte sich die Auftragslage weiter verschlechtern, denkt der Betriebsrat auch über alternative Möglichkeiten nach. Als Beispiele nennt er Angebote wie Sabbaticals oder verbesserte Teilzeitangebote.

Weniger staatliche Unterstützung für Kurzarbeit

Eine andere Möglichkeit wäre Kurzarbeit. Die Krise vor zehn Jahren haben viele Firmen nur dank großzügiger staatlicher Kurzarbeiter-Programme überstanden. Heller-Chef Klaus Winkler stellt aber fest, unmittelbar nach der Krise seien eine Reihe von Möglichkeiten, Kurzarbeit einzusetzen, wieder gestrichen worden. „Insofern stehen uns heute weniger Instrumente, die die öffentliche Hand flankierend beisteuert, zur Verfügung.“

Ziel ist, die Arbeitsplätze zu erhalten

Heller produziert CNC Werkzeugmaschinen und Fertigungssysteme (Foto: Pressestelle, Gebr. Heller Maschinenfabrik GmbH)
Betriebsrat und Geschäftsführung suchen nach Lösungen, wie beim Abschwung Arbeitsplätze erhalten werden können. Für einige Mitarbeiter wurde die Arbeitszeit bereits leicht reduziert. Pressestelle Gebr. Heller Maschinenfabrik GmbH

Klaus Winkler sucht derzeit mit Hilfe des Betriebsrates Lösungen, um auch bei einer neuen Verschlechterung der Lage Arbeitsplätze zu erhalten. Mitarbeiterin Tina Kartos weiß das. Dennoch macht sie sich Sorgen.

„Ich habe definitiv Angst, dass es stärker nach unten geht, und ich habe überhaupt keine Vorstellung, wie sich das drehen soll. Die ganze Weltpolitik, was da gerade überall passiert, das sorgt an allen Ecken für Verunsicherung.“

Tina Kertos, Heller-Mitarbeiterin
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