Tote Fische liegen am Ufer des Max-Eyth-Sees (Foto: picture-alliance / dpa, Marijan Murat)

Hitze in Baden-Württemberg Immer mehr Fische gehen ein

Die Zahl der Fische, die in zu heißen Gewässern und Flüssen verenden, steigt. Der Gewässerzustand macht aber nicht nur den Tieren zu schaffen, sondern auch der Schifffahrt und Energiewirtschaft.

Im Stausee Rötlen bei Ellwangen im Ostalbkreis hat die große Hitze der vergangenen Tage zu einem massenhaften Fischsterben geführt. Unter Berufung auf den örtlichen Fischereiverein sprach die Polizei Aalen am Samstag von etwa 20 Tonnen Fisch im Wert von rund 50.000 Euro.

Rötlen bei Ellwangen (Jagst): Tote Fische treiben im Rötlener Stausee (Foto: picture-alliance / dpa, Jan-Philipp Strobel)
Der Rötlener Stausee bietet am Samstag keinen schönen Anblick Jan-Philipp Strobel

Der Vorsitzende des Fischerei-Vereins sprach von einem kompletten Ausfall der Barsch- und Zander-Brut. Im schlimmsten Fall sei der ganze Bestand betroffen.

Feuerwehr und Technisches Hilfswerk (THW) versuchen seit Freitagabend, den verbliebenen Bestand zu retten. Mit Pumpen wälzen sie das Wasser um, um es abzukühlen und den Sauerstoffgehalt zu erhöhen. Das THW soll nach den jetzigen Planungen bis zum Ende kommender Woche am See in Bereitschaft bleiben.

Das Problem, dass dem aufgeheizten Wasser der Sauerstoff ausgeht, zeigt sich derzeit in vielen Seen und Flüssen, unter anderem auch im Max-Eyth-See in Stuttgart, wo ebenfalls das THW zur Hilfe gerufen wurde.

Blaualgen-Alarm macht See zum Gesundheitsrisiko

Etwa 30 Kilo tote Fische trieben am Ufer des Max-Eyth-Sees. Messungen ergaben, dass auch durch die lang anhaltende Hitze der Sauerstoffgehalt ein für Fische kritisches Niveau unterschritten hat. Seit dem späten Freitagabend ist das Technische Hilfswerk hier im Einsatz mit dem Ziel, durch Umwälzen des Seewassers den Sauerstoffgehalt zu erhöhen. Außerdem warnen Schilder am Ufer vor giftigen Blaualgen. Diese können gesundheitliche Beschwerden wie Erbrechen, Durchfall, Atemnot oder Quaddeln hervorrufen.

Junglachse in der Dreisam sterben

Auch die Junglachse in der Dreisam bei Freiburg sind vom Sterben akut bedroht. Damit der Lachs wieder heimisch werden kann, werden hier jedes Jahr Junglachse ausgesetzt. Aber die Dreisam ist für die kleinen Fische viel zu niedrig und viel zu warm, sie bekommen zu wenig Sauerstoff und ersticken.

Dauer

27,4 Grad im Hochrhein

Im Hochrhein sind Äschen und Bachforellen gefährdet. 27,4 Grad hat der schweizerische Fischereiverband im Wasser bei Stein am Rhein westlich des Bodensees gemessen - ein Wert über 27 Grad gilt für die Tiere als tödlich. "Laut Literatur müssten die Fische schon sterben", sagte der Artenschutzbeauftragte des Verbandes, Samuel Gründler. Noch würden aber nur einzelne tote Fische gefunden.

Rhein in Rheinland-Pfalz 28 Grad warm

In Rheinland-Pfalz hat die Temperatur des Rheinwassers den als kritisch geltenden Mittelwert von 28 Grad am Samstag erreicht. Das teilte eine Sprecherin des rheinland-pfälzischen Umweltministeriums dem SWR mit. Der Sauerstoffgehalt im Fluss sei aber nach wie vor gut. Die Situation am Wasser werde weiterhin beobachtet, sagte die Sprecherin.

Energiebetreiber fahren Atomreaktoren herunter

Wegen der großen Hitze hat der französische Stromkonzern Électricité de France (EDF) am Samstag einen der beiden Reaktoren des elsässischen Atomkraftwerks Fessenheim heruntergefahren und die Leistung des anderen gedrosselt. Die Anlage an der deutsch-franzöischen Grenze bei Freiburg kann wegen der hohen Wassertemperatur im Rhein derzeit nicht mehr ausreichend gekühlt werden. Zuletzt hatte der Energieversorger EnBW aus dem gleichen Grund die Leistung des Atomkraftwerks Philippsburg zurückgefahren.

Niedrige Pegel machen der Schifffahrt zu schaffen

Noch läuft die Schifffahrt auf Rhein und Neckar, aber mit deutlich verringerter Ladung. Kurzfristig hat sich die Lage entspannt, die Pegel sind sogar etwas gestiegen, teilte die Landesanstalt für Umwelt Baden-Württemberg auf SWR-Anfrage mit. Aber für das Wochenende rechnet die Behörde wieder mit sinkenden Pegelständen. Dann könnte es punktuell auf Rhein und Neckar kritisch werden. Mancherorts, wie an der Dreisam bei Freiburg, versiegt das Wasser ganz. Teils können Spaziergänger dort das Flussbett trockenen Fußes durchlaufen.

Wegen des hitzebedingten Niedrigwassers müssen am Mannheimer Hafen derzeit viele Passagiere die Flusskreuzfahrtschiffe verlassen. Für diese Schiffe führe der Rhein nicht genug Wasser, um Richtung Basel weiterzufahren, erläuterte Hafenmeisterin Regina Güntert.

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