angeleinter Kampfhund mit Maulkorb (Foto: picture-alliance / Reportdienste, Philipp Schulze)

Kampfhundeverordnung in Baden-Württemberg Was ist eigentlich ein Kampfhund?

Knapp 1.400 Hundeangriffe gab es im vergangenen Jahr in Baden-Württemberg. Laut Innenministerium ist die Zahl im Vergleich zu 2013 um 200 Attacken gestiegen. Darunter sind auch 34 Angriffe von sogenannten Listenhunden.

Kampfhunde sind keine eigene Rasse, ursprünglich wurden für Tierkämpfe gezüchtete Hunde so bezeichnet. Heute taucht der Begriff meist nur noch im Zusammenhang mit Angriffen von Hunden auf Menschen oder andere Hunde auf. Welche Hunde als Kampfhunde definiert werden, ist von Bundesland zu Bundesland unterschiedlich. Unter "Listenhunden" versteht man Hunde, die aufgrund rassespezifischer Merkmale, durch Zucht oder im Einzelfall wegen ihrer Haltung oder Ausbildung als besonders aggressiv oder gefährlich gelten.

In Baden-Württemberg stehen aktuell drei Rassen in der Kampfhundeverordnung: American Staffordshire Terrier, Bullterrier und Pitbull Terrier, außerdem gehören Kreuzungen mit diesen drei Rassen dazu. Darüber hinaus gibt es noch neun Rassen, unter anderem den Mastiff und die Bordeaux-Dogge, bei denen man im Einzelfall davon ausgeht, dass sie besonders aggressiv oder gefährlich sind. Umgangssprachlich nennt man sie oft ebenfalls "Kampfhunde".

In Baden-Württemberg hat es in den letzten Jahren mehrere Angriffe durch Hunde gegeben. Zuletzt verletzten zwei American Staffordshire Terrier am Pfingstmontag 2019 bei Leimen (Rhein-Neckar-Kreis) einen Teenager schwer. Im Oktober 2018 erschoss die Polizei in Weinheim einen Hund, der in der Innenstadt drei Menschen gebissen hatte. Anderthalb Jahre zuvor hatte sich in Stetten am kalten Markt (Bodenseekreis) ein Kangal losgerissen und eine Frau totgebissen. Die Halter wurden zu mehrjährigen Bewährungsstrafen verurteilt. Aktenkundig sind auch mehrere Vorfälle, bei denen Rottweiler Menschen angegriffen haben. Rottweiler fallen allerdings nicht unter die Kampfhundeverordnung.

Ein weißer Bullmastiff rennt über eine Wiese (Foto: picture-alliance / Reportdienste, Mary Evans Picture Library)
Bullmastiff (Symbolbild) Mary Evans Picture Library

Wesenstest prüft Aggressionspotenzial

Wer hierzulande einen "Listenhund" halten möchte, der älter als sechs Monate ist, braucht dazu eine Erlaubnis vom Amt. Die muss der Hundehalter auch immer bei sich tragen, wenn er mit seinem Tier unterwegs ist. Nicht nötig ist das Papier, wenn der Hund eine Verhaltensprüfung bestanden hat. In diesem Wesenstest wird geprüft, ob der Hund aggressiv ist, wie er mit bestimmten Situationen umgeht und wie er gehorcht. Außerdem schauen sich die Prüfer an, wie der Hund gehalten wird. Und wenn er sehr jung ist, muss der Hund die Prüfung auch noch ein zweites Mal absolvieren. Sollte sich das Verhalten des Tieres später ändern, auch wenn es zunächst den Wesenstest bestanden hat, wird es ein für alle Mal als Kampfhund eingestuft.

Auch Halter muss Voraussetzungen erfüllen

Der Halter muss zum einen beweisen, dass er ein berechtigtes Interesse hat, einen Kampfhund zu halten. Zum anderen muss er zuverlässig sein und seine Sachkunde in Bezug auf seinen Hund ebenfalls in einer Prüfung nachweisen. Und er muss dafür sorgen, dass sein Hund weder ausreißen kann noch ohne Maulkorb und Leine spazieren geht. Am oberen Ende der Leine muss ein Mensch sein, der ebenfalls zuverlässig ist und sicher mit dem Hund umgehen kann, wenn der Halter nicht selbst mit dem Hund geht. Außerdem muss der Hund gegen Tollwut geimpft und eindeutig gekennzeichnet sein, entweder mit einem Chip oder mit einer Tätowierung. Und schließlich muss der Halter eine spezielle Haftpflichtversicherung abschließen.

Höhere Hundesteuer

Viele Kommunen haben eigene Auflagen für die Halter von Kampfhunden erlassen - sie erheben zum Beispiel eine höhere Hundesteuer. Karlsruhe hat die Haltung solcher Hunde grundsätzlich verboten. Generell ist die Zucht von Kampfhunden in Baden-Württemberg verboten, sie müssen im Gegenteil sogar unfruchtbar gemacht werden. Wenn ein Hundehalter gegen irgendeine dieser Auflagen verstößt, droht ihm ein Bußgeld - im Einzelfall mehr als 25.000 Euro.

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