Internationaler Frauentag in Baden-Württemberg Initiative will Frauen für Kommunalpolitik begeistern

Nur etwa ein Viertel der Kandidaten für Kommunalwahlen in Baden-Württemberg sind Frauen. Die Initiative "frapolia" aus Stimpfach bei Schwäbisch Hall will das ändern. Sie unterstützt Frauen, die sich zur Wahl stellen wollen.

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Nach dem Kommunalwahlgesetz sollen Männer und Frauen gleichermaßen aufgestellt werden. Doch die Realität sieht anders aus: In Baden-Württemberg stellen sich von 100 Kandidaten nur etwa 30 Frauen zur Wahl.

In der Region um Schwäbisch Hall ändert sich das gerade: In Stimpfach sucht Gemeinderätin Isabelle Rathgeb nach neuen Kandidatinnen. Sie engagiert sich im regionalen Frauennetzwerk "frapolia - Frauen.Politisch.Aktiv.". Die überparteiliche Initiative richtet sich an Frauen, die vorhaben, in der Kommunalpolitik mitzuwirken. Rathgeb will Frauen überzeugen, in ihrer Gemeinde zu kandidieren.

"Wenn Frauen nicht dabei sind, dann fehlt die Erfahrung, die Sichtweise und einfach das, was Frauen mit einbringen - eben die Hälfte der Bevölkerung"

Isabelle Rathgeb, Gemeinderätin in Stimpfach (Kreis Schwäbisch Hall)

Ursachen: Warum fehlen Frauen in der Kommunalpolitik?

Laut Gabriele Abels, Professorin für Politikwissenschaften in Tübingen, gibt es drei Faktoren, die Frauen in der Kommunalpolitik ausbremsen. Erstens, die fehlende Zeit: Auch wenn sich immer mehr Männer zu Hause einbringen, viele Frauen seien immer noch für das Familienmanagement zuständig. Für politisches Engagement fehle ihnen häufig die Zeit. "Da ist was im Wandel, wenn auch sehr langsam, aber das erfordert auch, dass Frauen Forderungen stellen", so Abels.

Zweitens: Viele Frauen trauten sich eine Kandidatur nicht zu. "Häufig fühlen Frauen sich weniger kompetent, weil sie denken: Ach, sie wissen jetzt nicht genau, wie die Gemeindeordnung funktioniert, also können sie nicht kandidieren", meint Abels. Das wüssten Männer aber in der Regel auch nicht vorher. Zudem falle auf, dass viele Frauen erst auf die Idee kämen, zu kandidieren, wenn sie direkt gefragt würden.

Drittens, die fehlende Förderung: Besonders auf dem Land ist das traditionelle Rollenbild noch recht präsent. Politisch interessierte Frauen würden selten unterstützt. Das bestätigt auch Amalie Facher, Ortschaftsratskandidatin in Stimpfach: "Irgendwie war man als Frau nie politisch gefordert, interessiert."

"frapolia" - Frauen für die Kommunalpolitik begeistern

"frapolia" will genau diese Unterstützung bieten. Die Initiative will Frauen ermutigen, sich kommunalpolitisch zu engagieren. Besonders wichtig sei das Netzwerken: Bürgermeisterinnen, Kreisrätinnen, Gemeinderätinnen und Kreislandfrauen beteiligen sich "frapolia". Der Austausch untereinander sei sehr wichtig, so die Gemeinderätin Isabelle Rathgeb. "Die gegenseitige Bereicherung ist unglaublich wertvoll."

Mit Blick auf die kommenden Kommunalwahlen am 26. Mai hatte sie Erfolg: Insgesamt fünf Frauen wollen sich in Stimpfach zusätzlich zur Wahl stellen. Isabelle Rathgeb wurde auch gefragt, ob sie nicht noch eine Ebene höher will, und ja: Sie kandidiert als Kreisrätin.

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