Tausende demonstrieren in Stuttgart am Aktionstag der IG Metall. (Foto: SWR)

Wandel in der Automobilindustrie Tausende demonstrieren in Stuttgart gegen Stellenabbau

Aus Protest gegen Sparpläne und Stellenstreichungen in der Automobil- und Zulieferindustrie haben Tausende Beschäftigte am Aktionstag der IG Metall in Stuttgart demonstriert.

Tausende Beschäftigte aus der Auto- und Zulieferindustrie haben am Freitag in Stuttgart gegen die Sparpläne ihrer Arbeitgeber protestiert. Zu der Kundgebung in der Innenstadt unter dem Motto "Jobabbau? Zukunftsklau? Halbschlau!" hatte die IG Metall aufgerufen. Die Gewerkschaft sprach von rund 15.000 Teilnehmern, darunter Beschäftigte von Daimler und Audi, Bosch, Continental, ZF und Mahle.

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Sendedatum
Sendezeit
19:30 Uhr
Sender
SWR Fernsehen BW

"Wollen unsere Zukunft mitbestimmen"

"Wir fordern sichere Beschäftigung im Wandel und wollen unsere Zukunft mitbestimmen", sagte der IG-Metall-Bezirksleiter für Baden-Württemberg, Roman Zitzelsberger. "Alle Arbeitgeber müssen wissen: Zukunftsgestaltung geht nur gemeinsam." Die Autokonzerne und mit ihnen die Zulieferer leiden unter einer schwächelnden Konjunktur, während sie zugleich viel Geld in Entwicklung und Produktion von Elektroautos sowie in Zukunftsthemen wie das autonome Fahren investieren müssen. Viele haben Sparprogramme gestartet und zum Teil auch schon die Streichung von Arbeitsplätzen angekündigt. Laut IG Metall gibt es allein in Baden-Württemberg aktuell um die 160 Betriebe aus der Branche, die Einschnitte planen.

Die Angst geht um

Die Beschäftigten haben Angst um ihren Job. "Inzwischen gilt ja in jedem Betrieb: Kein Arbeitsplatz ist sicher", sagt eine Frau bei der Demonstration. Und ein junger Kollege ergänzt: "Irgendwann will ich auch mal einen Bauplatz, Haus bauen, ankommen, Familie gründen. Das könnte in Zukunft aber alles eng werden."

Fairer Strukturwandel gemeinsam mit Beschäftigten

Die IG Metall kritisiert, etliche Firmen setzten vorrangig auf Profitmaximierung, statt gemeinsam mit den Beschäftigten Perspektiven für gute und sichere Arbeitsplätze zu entwickeln. Mit fairem Wandel habe das nichts zu tun.

Zitzelsberger forderte bereits vor der Veranstaltung Unterstützung auch von der Landesregierung. "Wir erwarten von der Landesregierung, vom Ministerpäsidenten, dass er in dieser Situation den Vertretern der Arbeitgeber deutlich macht: Haltet die Leute an Bord. Sorgt dafür, dass Baden-Württemberg zukünftig Produktionsstandort ist." Ziel müsse sein, die Themen gemeinsam nach vorne zu treiben und gemeinsam nach Lösungen zu suchen. Zumindest Wirtschaftsministerin Nicole Hoffmeister-Kraut (CDU) ist sich dessen bewusst. Daher lud sie bereits im September zu einem "Konjunkturgipfel" und verabschiedete zusammen mit Wirtschaftsvertretern Forderungen an die Bundesregierung. Von einer weltweiten Konjunktur-Flaute wäre Baden-Württemberg als stark exportorientiertes Land besonders betroffen, so Hoffmeister-Kraut. Zudem sprach sie sich jetzt für neue Regelungen zur Kurzarbeit aus und bat Bundesarbeitsminister Heil (SPD) um Hilfe.

Dauer

Michael Häberle, Chef des Daimler-Betriebsrats im Stammwerk Untertürkheim, hob die Flexibilität der Belegschaft hervor, die das Unternehmen dorthin gebracht habe, wo es jetzt stehe, wirtschaftlich auf einem sehr hohen Stand. "Wegen uns ist noch kein Auto nicht gebaut worden." Jetzt müsse das Unternehmen reagieren und dafür sorgen, dass die Beschäftigten genügend Produkte hätten und genügend Arbeit.

Arbeitgeber lehnen Kritik der Gewerkschaft ab

Die Metall-Arbeitgeber wiesen die Vorwürfe der Gewerkschaft als falsch zurück. Sie erklärten, auch in der heutigen Situation würden sich die Arbeitgeber bemühen, Beschäftigung zu sichern, wo dies möglich sei. Allerdings könnten die aktuellen Herausforderungen nur bewältigt werden, wenn alle Beteiligten Zugeständnisse machten.

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