Bunte Blätter hängen an Bäumen. (Foto: picture-alliance / dpa, Sebastian Gollnow)

Natur in Baden-Württemberg Waldzustandsbericht: Immense Schäden durch Klimawandel

Dürre, Hitze, Borkenkäfer - den baden-württembergischen Wäldern geht es schlecht. Der Klimawandel kommt nicht erst, wir stecken mittendrin, sagen Experten.

Bei der Forstkammer Baden-Württemberg, dem Verband der Waldbesitzer, geht man davon aus, dass die Folgen der diesjährigen Trockenheit die Waldbesitzer beim Wiederaufbau der Wälder noch über Jahre beschäftigen werden. Das Ausmaß der Schäden wird im Waldzustandsbericht deutlich, den Forstminister Peter Hauk (CDU) am Donnerstag für 2018 vorgestellt hat.

"Nachdem sich der Waldzustand in den vorhergehenden drei Jahren im Trend verbesserte, hat sich durch die extreme Trockenheit der Zustand der Wälder verschlechtert", bilanzierte Hauk.

Dauer

38 Prozent der Bäume geschädigt

Alle Bäume, mit Ausnahme der Tanne, weisen laut Hauk erhöhte Waldschäden auf. "Rund 38 Prozent der Wälder gelten als deutlich geschädigt." Das Schadensniveau - der mittlere Nadel- und Blattverlust der Bäume - sei das höchste der vergangenen 15 Jahre. Nur nach dem Jahrhundertsommer 2003 habe es noch höher gelegen, sagte Hauk.

Zusätzlichen Stress für die Bäume haben dieses Jahr Borkenkäfer gebracht. Sie konnten sich wegen des warmen, trockenen Wetters stark vermehren. Die Dürre führt bei den Bäumen zum sogenannten Trockenstress, sie werden anfälliger, erklärte Hauk. "Wenn die Bäume vital wären, würden sie sich gegen die Borkenkäfer wehren, indem sie mehr Wasser ziehen und die Löcher und Tunnel der Käfer mit Harz verstopfen." Wenn das Wetter 2019 ähnlich werde wie in diesem Jahr, sehe es ganz schlecht aus, so Hauk.

Förster hoffen auf schnelle Kälte

Landesforstpräsident Max Reger ergänzte: "Der Klimawandel kommt nicht erst, wir stecken mittendrin." Aktuell hoffen die Forstfachleute auf kaltes Wetter. Derzeit sitze schon die dritte Borkenkäfer-Generation dieses Jahres im Holz. Allerdings handele es sich noch um Larven und Puppen - wenn es in den nächsten vier Wochen kalt würde, könnte das Wetter zumindest dieser dritten Generation den Garaus machen. "Wenn nicht, dann schlüpfen erneut Käfer - und die überleben, anders als Larven und Puppen, auch einen kalten Winter", sagte Reger.

Bäume in einem Wald bei Tettnang, die vom Borkenkäfer geschädigt sind (Foto: SWR, Renée Scheriau)
Viele Bäume - wie dieser in Tettnang (Bodenseekreis) - mussten in diesem Jahr wegen Borkenkäferbefalls gefällt werden. Renée Scheriau

Bereits am Dienstag meldete der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) seine Sorgen um den Wald: "Noch zwei, drei solche Hitzesommer und Trockenjahre wie im Jahr 2018 und wir werden den Schwarzwald nicht wiedererkennen", teilte der BUND-Regionalverband Südlicher Oberrhein in Freiburg mit.

Mehr "Extremsommer" erwartet

Um gegen weitere trockene Sommer gewappnet zu sein, will Hauk die Biodiversität der Wälder vorantreiben und sie mit möglichst unterschiedlichen Baumarten stabilisieren. Die Tanne spiele dabei eine wichtige Rolle - durch ihr tief reichendes Wurzelsystem gilt sie als klimastabiler Baum.

An dem Konzept des Forstministers gibt es jedoch auch Kritik. "Bei einem so dramatischen Wandel und Produktionszyklen von 60 bis 120 Jahren können wir uns nicht einseitig von ein oder zwei Nadelbaumsorten abhängig machen", sagte Klaus Hoher, der forstpolitische Sprecher der FDP-Fraktion. Es käme immer wieder vor, dass einzelne Baumsorten flächendeckend Probleme mit spezifischen Schädlingen oder Pilzen bekämen. Man müsse eine möglichst breite Palette von klimatisch anpassungsfähigen Nadelbäumen etablieren, forderte Hoher.

Grünen-Politiker: "Wichtiger CO2-Speicher"

Mehr Tempo beim Waldumbau verlangte Reinhold Pix, Forstexperte der Grünen im Landtag. "Wir sprechen von katastrophalen Dürreschäden in diesem für das Klima zentral wichtigen CO2-Speicher", so Pix. "Wälder sollen uns vor dem Klimawandel retten - und leiden doch selbst darunter."

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