Staffelstabübergabe am Montag in Stuttgart: Thomas Strobl und Susanne Eisenmann (beide CDU) (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/Christopher Hirsch/dpa)

Landtagswahl 2021 in Baden-Württemberg Strobl bestätigt: Eisenmann bekommt bei Spitzenkandidatur Vortritt

Nach der Wahlschlappe am Sonntag will der CDU-Landesvorsitzende Strobl nicht als Spitzenkandidat antreten. Kultusministerin Eisenmann soll diese Aufgabe übernehmen.

Nach dem Debakel bei der Europa- und Kommunalwahl verzichtet der baden-württembergische CDU-Vorsitzende Thomas Strobl auf die Spitzenkandidatur für die Landtagswahl 2021. Vor den Parteigremien des Landesverbands erklärte er am Montagabend nach Angaben von Teilnehmern seinen Verzicht. Strobl schlug Präsidium und Parteivorstand Kultusministerin Susanne Eisenmann als Spitzenkandidatin vor.

Strobl und Eisenmann wollen sich am Dienstag um 9 Uhr auf einer gemeinsamen Pressekonferenz in der Landesgeschäftsstelle der CDU in Stuttgart erklären und die Einigung offiziell bekanntgeben. Die CDU-Fraktion kommt um 13 Uhr zu einem außerplanmäßigen Treffen zusammen.

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Strobl vermeidet Machtkampf

Parteiintern ist die Frage der Spitzenkandidatur in der Landes-CDU schon länger diskutiert worden, jedoch hatte die CDU die Wahlen nicht mit einer öffentlichen Debatte gefährden wollen. Mit seiner Entscheidung vermeidet Thomas Strobl einen innerparteilichen Machtkampf, denn nach der Niederlage am Sonntag war der Druck auf den CDU-Chef gewachsen. Viele in der Partei schreiben Eisenmann bessere Chancen gegen Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) zu, falls der 2021 noch einmal kandidiert.

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Er sehe bundesweit zwar keine Personaldebatte, hatte Strobl zuvor dem SWR gesagt, vielmehr komme es auf die Inhalte an. So sei die CDU beim wahlentscheidenden Thema Klimaschutz nicht optimal aufgestellt.

CDU nicht optimal aufgestellt

Nach den starken Verlusten bei der Europa- und Kommunalwahl sucht die CDU nach einem neuen Profil. Vor allem beim Thema Klimaschutz wird ein Umdenken gefordert. Strobl hatte am Sonntagabend im SWR gesagt, dass man bei dem Thema noch nicht optimal aufgestellt sei. Das habe den Grünen in die Hände gespielt.

Bäumler: Keine Glaubwürdigen Antworten beim Klimaschutz

Die Partei brauche eine Standortbestimmung, so Generalsekretär Manuel Hagel am Sonntagabend im SWR. Man habe keine glaubwürdigen Antworten beim Thema Klimaschutz, sagte der Landeschef des CDU-Sozialflügels, Christian Bäumler.

Thomas Bareiß, der Vorsitzende des CDU-Bezirks Württemberg-Hohenzollern, forderte: "Wir müssen die Grünen stärker stellen". Man müsse etwa bei der Energiepolitik Klimaschutz und Arbeitsplätze zusammenbringen. Auf Twitter schrieb er am Sonntag, die Grünen hätten unverdient profitiert und schwämmen auf einer Trendwelle, die in Europa einmalig sei.

Widmann-Mauz: "Junge Menschen ernst nehmen"

Auch die CDU-Abgeordnete Annette Widmann-Mauz aus Tübingen fordert ein Umdenken. Man müsse mit mehr Menschen vor Ort ins Gespräch gehen und vor allem die jungen Wähler ernst nehmen.

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So reagiert die CDU-Landtagsfraktion auf Twitter:

FV Reinhart: "Für die CDU ist die #EUWahl19 eine Zäsur zur Neuorientierung und Selbstbestimmung. Vor allem in der Kommunikationsfähigkeit haben wir Nachholbedarf. Wir brauchen mehr christdemokratische Denkmuster, die zu den Fragen der Zeit passen" #Europawahl2019 https://t.co/kRAiu8lnbM

Wahlforscher Eith: Bedeutung des Klimawandels unterschätzt

Der Wahlforscher Ulrich Eith führt die Ergebnisse der Europawahl in Baden-Württemberg in erster Linie auf die Bundespolitik zurück. Nach Einschätzung des Freiburger Politikwissenschaftlers haben die "Fridays for Future"-Bewegung und der Klimawandel eine zentrale Rolle gespielt. "Da sind traditionell natürlich die Grünen gut aufgestellt." Dass den Wählern das Klima so wichtig sei, habe eine ganze Reihe von Parteien offensichtlich nicht auf dem Schirm gehabt, sagte Eith.

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