Eine Auswahl an Wahlplakaten im Stuttgarter Europaviertel (Foto: SWR)

Vor Europa- und Kommunalwahl Wie die Wahlplakate der Parteien auf uns wirken

Aktuell hängen wieder überall Wahlplakate - etwa für die Kommunalwahl in Baden-Württemberg Ende Mai. Kommunikationsstudenten haben die Parteiwerbung in Stuttgart kritisch begutachtet.

Worauf kommt es bei Wahlplakaten an? Studierende von der Hochschule für Kommunikation und Gestaltung in Stuttgart haben sich beispielhaft die Plakate im Stuttgarter Europaviertel in der Nähe des Hauptbahnhofs angeschaut und analysiert.

Auf die Erkennbarkeit kommt es an

Für die Studierenden kommt es auf den ersten Eindruck an. "Man muss ja davon ausgehen, dass das Plakat circa zwei Sekunden lang betrachtet wird und in der Zeit muss die Aufmerksamkeit geweckt werden - oder mit einem Bild auch eine Emotionen erzeugt werden," sagt Studentin Isabelle Meinecke. Gleichzeitig dürfe das Poster nicht mit zu viel Text überlastet werden.

Wahlplakate in Stuttgart

FDP-Wahlplakat am Mailänder Platz in Stuttgart (Foto: SWR)
Die FDP präsentiert sich hier in knalligen Farben und mit einem bildungspolitischen Thema. Bild in Detailansicht öffnen
Die ökologisch-soziale Liste SÖS aber auch die Linke setzen auf klare Slogans. Bild in Detailansicht öffnen
Der Verein Stadtisten spricht in diesem Poster das Miteinander in der Nachbarschaft an. Bild in Detailansicht öffnen
Bei diesem CDU-Plakat steht der Kandidat im Mittelpunkt. Bild in Detailansicht öffnen
Manche Parteien betonen in ihrer Kampagne den eigenen Markenkern, so wie hier die MLPD. Bild in Detailansicht öffnen
Die Freien Wähler thematisieren Staus, Fahrverbote, und zeigen gelegentlich drei Kandidaten auf einem Plakat. Bild in Detailansicht öffnen
Die Grünen wollen sich für Radfahrer einsetzen. Bild in Detailansicht öffnen

Plakate mit Text oder mit Köpfen

Im Stuttgarter Europaviertel fällt sofort auf: Es gibt Plakate mit Text und Plakate mit Köpfen. So plakatiert etwa die CDU ihren Stuttgarter Fraktionschef mit Bild, Namen und Stadtsilhouette unscharf im Hintergrund. Klar erkennbar, findet Studentin Irma Husein-Basic, aber: "Vielleicht wäre es in diesem Fall sinnvoll, eine Botschaft oder die Kernaussage noch darzustellen, weil das so ziemlich leer aussieht."

Die Grünen plakatieren ihre lokalen Kandidaten. Aber auch Motive, darunter ihren modernen Klassiker: Erdball mit Klima-Slogan. Auf einen Blick sieht man, worum es geht, finden die Studierenden der Werbung und Marktkommunikation.

Die SPD setzt in ihrer Plakatkampagne auf ihre Europa-Spitzenkandidatin und vor Ort auf direkte Konfrontation mit dem Stuttgarter Oberbürgermeister Fritz Kuhn (Grüne). Im Stil einer Nachricht auf dem Handy ist etwa zu lesen: "Herr Kuhn, ihre Straßen sind verstopft“ oder "Herr Kuhn, die Mieten steigen." Pascal Georgotas, einer der Studierenden, kritisiert: "Ich finde, da kann man schon noch etwas Innovation reinbringen und gestalterische Freiheiten."

"Krasse Farbwahl" bei der FDP

Bei der FDP dominieren knallige Farben: Gelb und Blau, aber auch die inzwischen etablierte dritte Farbe Magenta. "Das ist schon eine ziemlich krasse Farbwahl und dadurch erzeugt es Aufmerksamkeit, aber auf der anderen Seite könnte es ältere oder konservative Wähler auch abschrecken", meint Pascal Georgotas.

Wahlplakate für kleine Parteien besonders wichtig

Mit weniger Farbe kommt die kommunistische MLPD aus. Mit ihren klassischen kapitalismuskritischen Slogans ist sie wieder sehr sichtbar im Stadtbild. Auch wenn sie damit bei Wahlen noch keine Mandate bekommen hat - überall präsent zu sein ist im Wahlkampf ein Wert an sich, sagt Tamara Eßwein: "Für kleinere Parteien ist es wichtig, dass sie bei der Plakatwerbung dabei sind." Denn gerade bei kleineren Parteien, wisse nicht jeder sofort, wofür die Partei stehe.

Die AfD hat zu diesem Zeitpunkt im Stuttgarter Europaviertel keine Plakate hängen. Vielleicht kommen die noch, oder der Wahlkampf der AfD spielt sich noch mehr in sozialen Medien ab, vermuten die Studierenden.

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