Ein Borkenkäfer krabbelt über die Unterseite einer Fichtenrinde (Foto: dpa Bildfunk, Roland Weihrauch)

Viele Bäume in Baden-Württemberg befallen Borkenkäfer könnten für Millionenschaden sorgen

Nach einer Prognose des Landes könnten Borkenkäfer 2019 einen Schaden von rund 100 Millionen Euro anrichten. Der NABU warnt davor, die Insekten mit der "Chemiekeule" zu bekämpfen.

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Forstminister Peter Hauk (CDU) hat am Mittwoch in Stuttgart von einer "Käferkatastrophe" gesprochen: Eine Prognose des Ministeriums für Ländlichen Raum geht davon aus, dass Borkenkäfer in diesem Jahr einen Schaden von rund 100 Millionen Euro bei Waldbesitzern in Baden-Württemberg anrichten könnten.

Trockenheit und Sturm begünstigen Ausbreitung

Ursache für den verstärkten Borkenkäfer-Befall der Wälder sei der extreme Dürre-Sommer 2018. Außerdem hätten Stürme und Schnee in den vergangenen Monaten die Bäume geschädigt und geschwächt, was einen idealen Brutraum für die Schädlinge biete. Wenn Bäume wenig Widerstandskraft haben und nicht schnell genug Harz produzieren, können die Schädlinge leicht eindringen.

Wiederaufforstung wird teuer

Aktuell sei mit rund 185.000 Kubikmetern Käferholz etwa die fünffache Schadholzmenge angefallen wie zum gleichen Zeitpunkt im Vorjahr, so Hauk. Damals seien es 37.000 Kubikmeter gewesen. Vom Borkenkäfer befallene Bäume müssten sofort beseitigt werden, damit sich die Schädlinge nicht weiter ausbreiten können. Für Prävention und Wiederaufforstung will das Land die Waldbesitzer in den kommenden zwei Jahren mit jeweils 10 Millionen Euro unterstützen.

Hand an Baumstamm (Foto: SWR)
Borkenkäfer hinterlassen im Wald große Schäden (Archivbild)

NABU gegen Einsatz von Pestiziden

Nach Angaben des Naturschutzbundes Baden-Württemberg (NABU) ließe die Schadensprognose in Teilen der Forstverwaltung auch Stimmen lauter werden, den Insekten "mit der Chemiekeule aus der Spritze oder vom Hubschrauber aus den Garaus zu machen", so der Landesvorsitzende Johannes Enssle. Das ist nach Ansicht des NABU aber der falsche Weg.

"Es gibt wirksame Alternativen zum Gifteinsatz im Wald."

Johannes Enssle, Vorsitzender NABU BW

Der Borkenkäfer könne auch mechanisch bekämpft werden, indem das Holz schnell abgefahren, entrindet und außerhalb des Waldes gelagert werde. Eine "Pestizid-Dusche" schädige dagegen auch alle anderen Waldinsekten, so Enssle. Die Situation zeige, dass das Land dringend in den Klimaschutz investieren müsse. Klimawandel, Borkenkäfer und Pestizide hingen unmittelbar miteinander zusammen.

Schädlinge sitzen unter der Rinde

Borkenkäfer legen zur Vermehrung unter der Baumrinde Kammern und Gänge an. Dadurch werden die Wasser- und Nährstoffbahnen der Bäume zerstört. Bei starkem Befall stirbt der Baum ab.

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