Erhard Eppler (SPD) steht vor dem Rathaus in Schwäbisch Hall (Foto: dpa Bildfunk, Picture Alliance)

Politiker würdigen Erhard Eppler Kretschmann: "Er war ein wirkliches Gscheidle"

Der SPD-Politiker und frühere Bundesminister Erhard Eppler ist im Alter von 92 Jahren gestorben. Führende Politiker und Wegbegleiter haben ihn in zahlreichen Zitaten und Tweets gewürdigt.

Der SPD-Politiker und ehemalige Entwicklungsminister Erhard Eppler ist am Samstag im Alter von 92 Jahren in seiner Wahlheimat Schwäbisch Hall gestorben. Eppler wird als "Ausnahmeerscheinung" und "großen Protestanten" gewürdigt.

Wir trauern um Erhard Eppler und sind unendlich dankbar für das, was er uns alles gegeben hat. Er war eine herausragende Persönlichkeit der Sozialdemokratie, im Bund und in Baden-Württemberg, dessen Wertefundament und Prinzipientreue für uns wegweisend bleiben werden. https://t.co/judUmqow1i

Eppler galt als Vorreiter in Sachen Umweltpolitik

Er sei immer klar und berechenbar gewesen, sagte der baden-württembergische SPD-Chef Andreas Stoch dem SWR. Seine Partei könne sich bis heute an Epplers Geradlinigkeit und Glaubwürdigkeit orientieren. Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) betonte, Eppler habe schon früh Wege vorgezeichnet, die am Ende zur Gründung der Grünen führten. Wie kaum ein anderer habe er die Ökologie in die Politik eingeführt.

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"Er hat 'gscheide' Bücher geschrieben, er war ein wirkliches 'Gscheidle'. Wir dürfen dankbar sein, solch einen Politiker gehabt zu haben."

Winfried Kretschmann (Grüne), Ministerpräsident Baden-Württemberg

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier kondolierte der Witwe Epplers und schrieb, dass dieser "über den Tag hinaus" denken konnte. "Er verfügte über ein hohes Verständnis von politischer Moral, das sich aus seinem christlichen Glauben speiste und stets Richtschnur seines Handelns war." Er habe zur guten politischen Kultur beigetragen.

Landesbischof würdigt Eppler als "großen Protestanten"

Auch Baden-Württembergs Innenminister Thomas Strobl (CDU) würdigte den Verstorbenen als aufrecht und konsequent. "Auch wer seine politische Position nicht teilte, achtete seine intellektuelle Schärfe", sagte Strobl. Eppler war neben der Politik in der evangelischen Kirche aktiv, unter anderem als Präsident des Deutschen Evangelischen Kirchentages. Von 1973 bis 1981 war Eppler Landesvorsitzender in Baden-Württemberg. Der Landesbischof der Evangelischen Landeskirche in Württemberg, Frank Otfried July, würdigte Eppler als "großen Protestanten". Er habe "aus seinem christlichen Glauben heraus Verantwortung übernommen - auch dann, wenn es unpopulär und seiner Parteikarriere nicht förderlich war", erklärte July in Stuttgart.

Erhard #Eppler war ein Urgestein der baden-württembergischen Landespolitik. Sein Buch „Wege aus der Gefahr“ war für mich damals entscheidend für meinen weiteren Weg in der Politik. #RIP https://t.co/NoMjJ7A4T9

Eppler, gebürtiger Ulmer, war Mitglied des Parteivorstands und des Parteipräsidiums und leitete von 1975 bis 1991 die Grundwertekommission der SPD. Ab 1968 war Eppler Entwicklungsminister. Er setzte sich stark für das Thema Umweltschutz ein. Aus Protest gegen Budgetkürzungen legte er 1974 dieses Amt nieder. Der heutige Entwicklungsminister Gerd Müller (CSU) nannte Eppler einen "großen Vordenker deutscher Entwicklungspolitik". Er beziehe sich heute noch auf seine Vorschläge eines gerechten Interessenausgleiches zwischen Nord und Süd und Arm und Reich, erklärte Müller.

Die Ministerpräsidentin von Rheinland-Pfalz und kommissarische Parteivorsitzende der SPD, Malu Dreyer, sagte: "Für die Friedensbewegung der 1980er Jahre war Erhard Eppler eine Ikone. Als führender Kopf der Friedensbewegung engagierte er sich bis zu seinem Tod leidenschaftlich für Abrüstung, Aussöhnung und Annäherung."

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