Verkehrsclub Deutschland vergleicht Hier sind Bus und Bahn in Baden-Württemberg am günstigsten

Der Verkehrsclub Deutschland (VCD) hat untersucht, wie die Ticketangebote der 22 Verkehrsverbünde in Baden-Württemberg im Vergleich abschneiden. Der VCD bemängelt ein Tarif-Wirrwarr.

Dauer
Sendedatum
Sendezeit
18:00 Uhr
Sender
SWR Fernsehen BW

Laut VCD hat das "Baden-Württemberg-Ticket" das günstigste Preis-Leistungsverhältnis bei den Tageskarten - sowohl für eine als auch für fünf Personen (siehe Grafik unten: Kosten für eine Tageskarte pro Kilometer).
Bei den Tickets für eine Person kämen die Tageskarten des Verbundes Rhein-Neckar (VRN) und das "Metropol-Tagesticket" für die Region Stuttgart an nächster Stelle, anschließend die Tageskarte für die Ortenau. Bei den größeren Städten über 200.000 Einwohner habe Stuttgart das günstigste Tagesticket, gefolgt von Karlsruhe und Mannheim. Der VCD bemängelt ein Wirrwarr bei den Tageskarten-Tarifen und -Gebühren der 22 baden-württembergischen Verkehrsverbünde.

Collage: Die Logos einzelner Verkehrsverbünde in Baden-Württemberg (Foto: picture-alliance / Reportdienste, SWR, picture alliance/Sebastian Gollnow/dpa (Collage: SWR))
Insgesamt 22 Verkehrsverbünde gibt es in Baden-Württemberg. picture alliance/Sebastian Gollnow/dpa (Collage: SWR)

Ausflüge mit Familien und Kleingruppen bis fünf Personen

Bei Gruppenkarten für bis zu fünf Personen lägen die Tagestickets der Verbünde Rhein-Neckar (VRN) und Ulm (DING) auf Platz zwei und drei nach dem "Baden-Württemberg-Ticket". Gefolgt von der VVS-Tageskarte in Stuttgart. Am unteren Ende der Skala stehen auffallend viele kleine Verbünde. So koste im Rottweiler Verkehrsverbund VVR eine Tageskarte für fünf Personen 28,80 Euro. Das sei deutlich mehr als eine Tageskarte für fünf Personen im VVS (Stuttgart) für 19,50 Euro, der zudem noch einen fast fünffach größeren Geltungsbereich habe (VVR 769 Quadratkilometer, VVS 3.654 Quadratkilometer).

Große Verbünde im Vergleich zu kleinen

Überhaupt seien bei kleinen Verbünden die Preise der Tageskarten höher als bei großen Verbünden. Zum Beispiel koste die Tageskarte im kleineren Pforzheimer Verbund (VPE) für fünf Personen 18,80 Euro (672 Quadratkilometer), während in den benachbarten Verbünden die Tageskarten der KVV (Karlsruhe) und des VVS (beide rund 3.500 km²) zwischen 19,50 Euro und 20,30 Euro kosteten.

Große Unterschiede gibt es aber auch bei der Art der Karte. So gibt es 24-Stunden-Karten, Tageskarten ab 8 Uhr oder 9 Uhr, Gruppenkarten für Familien oder nach Personen aufgeschlüsselt. "Dies verkompliziert die Nutzung des öffentlichen Verkehrs gerade für Gelegenheitsfahrgäste unnötig". Um die Menschen vom Auto zum öffentlichen Personennahverkehr zu bringen, brauche es einfache und preislich attraktive Tarife, so Matthias Lieb, der Landesvorsitzende des VCD. Er fordert die Verkehrsverbünde auf, mehr zusammen zu arbeiten und ihr Angebot anzugleichen.

BW-Verkehrsminister Winfried Hermann (Grüne) im Gespräch (Foto: SWR)
Der baden-württembergische Verkehrsminister Winfried Hermann (Grüne)

Gemeinsames Zeitkartensystem ist "nächste Stufe"

Der baden-württembergische Verkehrsminister Winfried Hermann (Grüne) bekräftigte die Kritik des VCD. Sechs bis acht Verkehrsverbünde im Land würden ausreichen, so Hermann im SWR: "Wir haben zu viele Verbünde in Baden-Württemberg, viele sind auch zu klein. Wir können das aber nicht von oben herab ändern, sondern können nur den Verbünden helfen, sich zusammen zu tun." Als größere Anbieter könnten sie preiswertere Angebote bieten. Den Baden-Württemberg-Tarif sieht Hermann als "großes Zeichen dafür, dass die Verbünde kooperien wollen". Die "nächste Stufe" der freiwilligen Kooperation sei ein Zeitkartensystem, das im nächsten und übernächsten Jahr realisiert werden soll.

Warum ist das "Baden-Württemberg-Ticket" so günstig?

Seit dem Fahrplanwechsel im Dezember 2018 gibt es das "Baden-Württemberg-Ticket" in dieser Form mit Gültigkeit in allen Bahnen und Bussen des ÖPNV im Land. Ein ausgesprochenes Ziel der Landesregierung war es, ein verbundübergreifendes Ticket zu kreieren, das explizit günstiger ist und den öffentlichen Nahverkehr vereinfacht und stärkt. Das Land fördert das Projekt mit 20 Millionen Euro.

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