Bürgermeister Dominic Butz neben einem Banner (Foto: SWR)

Unterrichtsausfall in BW Frittlingen sucht Grundschullehrer mit Plakaten

Was tun, wenn ein Lehrer ausfällt? Viele Schulen in Baden-Württemberg haben nicht genug Personal. So auch die Grundschule in Frittlingen, die mit unkonventionellen Methoden gegen den Lehrermangel kämpft.

Für die Erstklässler der Grundschule in Frittlingen (Kreis Tuttlingen) ist der Unterricht am Donnerstag komplett ausgefallen. Denn in dem kleinen Ort gibt es zu wenige Lehrer. Bürgermeister Dominic Butz (parteilos) hat das Problem inzwischen selbst in die Hand genommen. Zusammen mit einer Elterninitiative hat er ein großes Banner direkt am Ortseingang aufgestellt. Darauf zu sehen ist eine Schülerin im Klassenzimmer, darunter steht: "Lasst uns nicht im Regen stehen!" Und weiter: "Lehrer/in gesucht!" Jeder, der durch Frittlingen fährt, soll so auf die Situation der örtlichen Grundschule aufmerksam gemacht werden.

Unterrichtsausfall stellt Eltern vor Probleme

"Wenn jemand krank wird, dann müssen wir Unterricht ausfallen lassen, die Schüler nach Hause schicken - ganztags", sagt Butz. "Das ist eigentlich kein Zustand." Etwa ein Fünftel des Unterrichts an der Frittlinger Grundschule kann nicht abgedeckt werden. Vor allem der Ausfall in der ersten Klasse bereitet vielen Eltern Sorgen. "Die sind jetzt seit vier Wochen an der Schule", sagt eine Mutter. "Davon sind neun Stunden bereits ausgefallen." Der Unterrichtsausfall stellt einige der Eltern vor Probleme. "Ich muss dann wirklich schauen: Nehme ich Urlaub an dem Tag? Kann ich die Arbeitszeit verschieben? Kann ich tauschen?", gibt eine andere Mutter zu bedenken.

Dauer
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Sendezeit
19:30 Uhr
Sender
SWR Fernsehen BW

Nicht alle Bundesländer arbeiten mit aktuellen Prognosen

Hätte der Lehrermangel vorausgesagt werden können? Laut einer Studie der Bertelsmann-Stiftung sind die Hauptursachen eine Lehrer-Pensionierungswelle und steigende Geburtenraten. Diese Daten werden zwar erhoben, aber nicht alle Bundesländer arbeiten mit den aktuellen Zahlen. Eigentlich müssten aber jedes Jahr neue Prognosen aufgestellt werden, so Klaus Klemm, der ehemals an der Universität Duisburg-Essen Bildungswissenschaften gelehrt hat. Auf Bundesebene habe es in den vergangenen Jahren Progonosen gegeben, die im Rhythmus von vier bis fünf Jahren aktualisiert worden seien.

Wegen der alten Zahlen wurde für das vergangene Jahr noch ein Überschuss an Grundschullehrern vorausgesagt. Eine Fehleinschätzung, denn genau in diesem Jahr mussten deutschlandweit hunderte Quereinsteiger eingestellt werden. "Eigentlich müsste die Politik regelmäßig etwas mehr Lehrer einstellen als sie unbedingt und aktuell braucht, um für solche Zeiten wie die, die wir jetzt haben, ein Polster zu haben", meint Klemm.

Suche nach der "Nadel im Heuhaufen" geht weiter

Ob das aber auch den Frittlingern helfen würde, ist fraglich. Denn in Baden-Württemberg arbeiten die jungen Lehrer lieber in den Städten als auf dem Land. Bürgermeister Dominic Butz sucht deshalb weiter nach Lehrern - im Internet, mit Flyern und dem großen Banner am Ortseingang. "Die Nadel im Heuhaufen. Wenn man die findet, dann hat man Glück. Und vielleicht hilft dieses Plakat dabei."

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