Eine Lehrerin schreibt am 23.04.2015 mit Kreide an die Tafel. Thüringens Schulen bereiten sich auf einen weiteren Schwung neuer Lehrer vor.  (Foto: SWR)

Unterrichtsausfälle in Baden-Württemberg Eisenmann will Vertretungen unter die Lupe nehmen

Baden-Württembergs Kultusministerin Eisenmann will den Unterrichtsausfall an Schulen genau analysieren. Auch der Lehrermangel bereitet dem Ministerium im neuen Schuljahr Sorgen.

Der Unterrichtsausfall an den baden-württembergischen Schulen soll genauer untersucht werden. Bei der Erhebung ausgefallener Stunden werde künftig auch die Unterrichtsvertretung in den Blick genommen, sagte Kultusministerin Susanne Eisenman (CDU). "Wir wollen hier in einem zweiten Schritt im Winter auch analysieren, ob im Sinne von Fachlichkeit vertreten wird - zum Beispiel Mathe durch einen anderen Mathelehrer - oder ob es eine Betreuung ist, die nichts mit Unterricht zu tun hat."

Stühle stehen in einem Klassenzimmer nach Unterrichtsende auf den Tischen (Foto: picture-alliance / dpa, Caroline Seidel)
Jede zehnte Unterrichtsstunde an den öffentlichen Schulen im Land findet nicht wie geplant statt (Symbolbild) Caroline Seidel

Mütter machen Unterrichtsbetreuung

Das Ministerium hatte im Juni diesen Jahres zum ersten Mal an allen öffentlichen 4.500 Schulen des Landes den Unterrichtsausfall abfragen lassen. Bislang war dieser immer nur stichprobenartig an 15 Prozent der Schulen erfasst worden. Nach Angaben des Landeselternbeirats wird an Grundschulen schon mal die eine oder andere Mutter eingesetzt - und zwar nicht zur Nachmittagsbetreuung, sondern am Unterrichtsvormittag. Denn die Schüler dürfen auch bei Krankheitsfällen im Kollegium nicht früher nach Hause geschickt werden als im Stundenplan vorgesehen.

Eisenmann betonte, dass man jetzt ehrliche Zahlen vorlegen wolle, wo man sich "viele Jahre gedrückt" habe. Dass so eine Statistik bislang nicht existiert hat, wundert die Kultusministerin. Eine seriöse Datenaufnahme sei wichtig, um die Situation künftig verbessern zu können.

"Es gibt eine Arbeitslosenstatistik, eine Verkehrssünderstatistik, aber ausgerechnet in der Bildung arbeiten wir immer nur mit Grobstatistiken."

Kultusministerin Susanne Eisenman (CDU)

Lehrermangel auch im neuen Schuljahr Problem

Gleichzeitig hält der Lehrermangel im Land auch im neuen Schuljahr an. Besonders darunter leiden werden nach Ansicht der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) die Grundschulen. "Die Lehrerknappheit bleibt auf dem gleichen hohen Niveau wie im Vorjahr", sagte GEW-Landeschefin Doro Moritz. Voraussichtlich blieben 500 Stellen an Grundschulen unbesetzt.

Nach Angaben des Kultusministeriums ist erst im September klar, wie viele Stellen noch offen sind. Ministerin Eisenmann stellt aber schon jetzt fest: "Auch im aktuellen Jahr ist die Lage auf dem Bewerbermarkt angespannt." Mehr Bewerber als Stellen verzeichnet sie derzeit nur bei den Gymnasien. Mehrere tausend Männer und Frauen konkurrieren um knapp 900 Stellen. Eisenmann empfiehlt jungen Lehrern, die nicht zum Zuge kommen, sich bei den Grundschulen zu bewerben.

Susanne Eisenmann (CDU), Kultusministerin von Baden-Württemberg (Foto: picture-alliance / dpa, Sebastian Gollnow)
Kultusministerin Eisenmann will den Schulwechsel für junge Lehrer attraktiver gestalten (Archivbild) Sebastian Gollnow

Unterrichtsversorgung durch Lockmittel?

Weil die Anwerbung von Gymnasiallehrern für den Unterricht an Grundschulen im vergangenen Schuljahr kaum geklappt hatte, wurde ihnen der Einstieg schmackhafter gemacht: Wenn sie sich für das Grundschullehramt qualifizieren und für mindestens drei Jahre an einer Grundschule verpflichten, werden sie im Gegenzug verbeamtet und erhalten eine Zusage für eine Stelle im gymnasialen Lehramt. Diese Aussichten ließen die Zahl nach oben schnellen: Mehr als 170 Gymnasiallehrkräfte gehen im kommenden Schuljahr an die Grundschule. Das sind mehr als fünf Mal so viele wie im Jahr zuvor. Das Ministerium rechnet nach eigenen Angaben bis Ende September mit einer noch höheren Zahl.

STAND