Ein Lehrer steht im Klassenzimmer vor einer Tafel. (Foto: picture-alliance / dpa)

Bildung und Erziehung in Baden-Württemberg Verband sieht Defizite bei Wertevermittlung in Schulen

Bei der Vermittlung von Werten im Schulunterricht klafft nach Angaben des Verbandes Bildung und Erziehung eine Lücke zwischen Anspruch und Wirklichkeit. Das zeigt eine aktuelle Studie, an der auch die Universität Tübingen beteiligt war.

Der Verband Bildung und Erziehung (VBE) fordert einen gemeinsamen Wertekanon, der Schülern und Lehrern Orientierung bietet. Einer bundesweiten Umfrage der Universität Tübingen und des Instituts Forsa zufolge misst eine große Mehrheit der Lehrer und Eltern der Werteerziehung an Schulen große Bedeutung zu, sagte Gerhard Brand, Landesvorsitzender des VBE, am Freitag in Stuttgart.

Bildungspläne zu abstrakt formuliert

Eltern als auch Lehrkräfte sehen klare Defizite bei der Umsetzung aller Bildungsziele. Als einen Grund nannte Brand, dass viele Ziele in den Bildungsplänen zu abstrakt formuliert seien und bei den Lehrern Fragen dazu aufwürfen, wie sie die Ziele im praktischen Unterricht umsetzen sollten.

Mehr als 90 Prozent der Eltern bewerteten 8 von 16 abgefragten Erziehungszielen wie "Einüben von Toleranz", "Achtung der Menschenrechte" oder "Demokratieerziehung" als wichtig oder sehr wichtig, sagte Brand. Unter den Lehrkräften gaben mehr als 90 Prozent an, dass ihnen 12 der 16 Bildungsziele wichtig oder sehr wichtig seien. Am wenigsten wichtig erachteten beide Gruppen die Ziele "Orientierung an Leistungsfähigkeit" und "Förderung der Heimatverbundenheit".

Schüler vor Computern (Foto: picture-alliance / dpa)
VBE fordert bessere technische Ausstattung in Schulen

VBE fordert intensivere Lehrerausbildung

Oft würden die Ziele aus Sicht der Befragten jedoch im Lehrplan unzureichend berücksichtigt. Bundesweit glauben nur 44 Prozent der Lehrer und 33 Prozent der Eltern, dass die Kinder ausreichend auf ihr künftiges Leben in den Schulen vorbereitet werden.

Der VBE fordert deshalb, das Angebot von Veranstaltungen zur Werteerziehung in der Lehrerausbildung zu intensivieren und zu standardisieren. Zudem fordern die Pädagogen eine bessere technische Ausstattung in Schulen, um der Digitalisierung und dem Umgang mit neuen Medien gerecht zu werden, als auch eine Stärkung der Wertevermittlung an Schulen durch die Politik.

Befragte und Inhalte der Studie

Für die Umfrage wurden bundesweit 1.111 Eltern schulpflichtiger Kinder sowie 1.185 Lehrerinnen und Lehrer an allgemeinbildenden Schulen befragt. In Baden-Württemberg nahmen 200 Eltern sowie 204 Lehrkräfte an der Umfrage teil. Abgefragt wurde unter anderem, welche wertebezogenen Bildungs- und Erziehungsziele an Schulen vermittelt werden sollten und inwieweit das gelinge.

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