Flur in einem Gefängnis (Foto: SWR)

Überbelegung und Gewalt Gefängnisse: Hat Baden-Württemberg ein Sicherheitsproblem?

Gewalt gegen Beamte, Überbelegung, Suizidversuche - in baden-württembergischen Gefängnissen herrschen offenbar Probleme mit der Sicherheit. Die Politik hat das erkannt und will reagieren.

Es ist ein Fall, der für Aufsehen sorgte. Vor gut einer Woche musste der Prozessauftakt gegen den mutmaßlichen Supermarkt-Erpresser vom Bodensee verschoben werden. Der Mann hatte in der Justizvollzugsanstalt Ravensburg einen Suizidversuch unternommen. Nicht der erste derartige Fall im Ravensburger Gefängnis, bereits 2016 hatten sich dort innerhalb einer Woche zwei Insassen das Leben genommen.

Ravensburg steht in der Kritik, ist aber in Baden-Württemberg nicht das einzige Gefängnis, in dem es zu Problemen kommt.

Baden-Württemberg machen überbelegte Gefängnisse und wachsende Gewalt gegen Beamte zu schaffen. Gegenüber dem SWR berichtete ein Justizvollzugsbeamter aus dem Gefängnis in Schwäbisch Hall von seinen Erlebnissen: "Die psychische Auffälligkeit bei den Häftlingen ist deutlich höher geworden." Menschen mit Drogenhintergrund und immer stärker werdender Egoismus bei den Gefangenen prägten seinen Alltag. Hinzu kämen mangelnde Deutschkenntnisse, der Ausländeranteil bei den Inhaftierten liege bei über 50 Prozent.

Dauer
Sendedatum
Sendezeit
19:30 Uhr
Sender
SWR Fernsehen BW

Zahlen belegen: Zu viele Häftlinge an einem Ort

Die Statistik spricht Bände. Schwäbisch Hall ist etwa mit elf Prozent überbelegt, in Rottweil gibt es sogar 55 Prozent Überbelegung. Insgesamt fehlen in Baden-Württemberg über 1.000 reguläre Haftplätze. Teilweise, so zum Beispiel in Schwäbisch Hall, wurden Häftlinge in Freizeiträumen auf Matratzen untergebracht.

Das hat Folgen. Immer wieder kommt es in baden-württembergischen Gefängnissen zu tätlichen Übergriffen gegen Beamte, bis Ende September gab es 24 schwere Angriffe auf Justiz-Personal – mehr als im gesamten Jahr 2017.

Immer häufiger kommt es zu Übergriffen

Die Aggression ist groß, auch unter den Häftlingen. In Ulm soll ein 19-Jähriger seinen Zellengenossen fast eine Woche gequält und ihm ein Besteck in den Darm gerammt haben. Das Opfer wurde dabei schwer verletzt. "Was hinter verschlossenen Türen passiert, bekommen wir nicht mit", so die Reaktion des Ulmer Gefängnisleiters.

Die Politik will jetzt reagieren

Alles Vorfälle, die auch der baden-württembergischen Politik zu denken geben. "Jeder einzelne Übergriff ist schwerwiegend und macht mich betroffen. Am Ende wird es darum gehen, mehr Personal zur Verfügung zu stellen", so Justizminister Guido Wolf (CDU) gegenüber dem SWR. Man müsse bauliche Veränderungen vornehmen, um so die eklatante Überbelegung in den Griff zu kriegen.

Zudem plant Wolf, zahlreiche neue Arbeitsplätze zu schaffen - darauf müssen die Gefängnisse allerdings noch warten. Im Augenblick bleiben es gefährliche Zeiten hinter Gittern.

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