Eine Hand greift in einen Kasten mit Schlitzschraubenziehern. (Foto: dpa Bildfunk, Hendrik Schmidt)

Neues Kapitel im Handelsstreit Neue US-Sonderzölle treffen baden-württembergische Werkzeugbauer und Winzer

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Seit Freitag erheben die USA neue Sonderzölle auf viele europäische Waren – mit dem Segen der Welthandelsorganisation WTO. Auch baden-württembergische Unternehmen sind betroffen.

Im Südwesten zahlen viele Unternehmen die Zeche für einen Streit, mit dem sie eigentlich nichts zu tun haben: In Baden-Württemberg sind von den neuen Sonderzöllen vor allem Werkzeugbauer, Winzer, Kaffeeröster und Hersteller von optischen Linsen betroffen. Für sie werden bei der Einfuhr ihrer Waren in die Vereinigten Staaten von heute an Zölle in Höhe von 25 Prozent fällig.

USA wichtiger Markt für Unternehmer aus Baden-Württemberg

Anders als bei Sonderzöllen, die in den vergangenen Jahren zunächst von US-Präsident Trump auf Twitter angekündigt worden waren, hat die Welthandelsorganisation WTO den USA für die aktuellen Maßnahmen grünes Licht gegeben. Die Sonderzölle gelten als Gegenmaßnahme für die jahrelangen Subventionen, mit denen europäische Staaten dem Flugzeughersteller Airbus unter die Arme gegriffen haben.

Dauer

Für viele betroffene Unternehmer könnte das zum ernsten Problem werden. Zum Beispiel für den Werkzeughersteller Adler aus Waghäusel bei Karlsruhe. 17.000 Äxte und Beile exportiert der Betrieb jedes Jahr in die Vereinigten Staaten. Auch für die Firma WiHa aus dem Schwarzwald sind die USA ein wichtiger Absatzmarkt. Der Werkzeugmacher verkauft dort vor allem Schraubendreher, Hammer und Zangen.

Und auch viele Winzer dürften mit Sorge auf die neue Zuspitzung im Handelsstreit schauen: Gut die Hälfte aller badischen Weingüter verkauft ihre Produkte in den USA.

Firmen könnten Zölle selbst finanzieren

Wie viele Firmen aus Baden-Württemberg genau von den Sonderzöllen betroffen sind, ist unklar. Dazu gibt es keine Zahlen. Klar ist aber: Größere Unternehmen wie der Kameralinsen-Hersteller Carl Zeiss können die neuen Zölle leichter verkraften als kleine und mittelständische Unternehmen. Das Problem: Wenn sie die Zölle einfach an die Kunden in den USA weitergeben, werden ihre Produkte deutlich teurer.

Unternehmen wie der Werkzeugmacher Adler aus Baden-Württemberg werden die Zölle deshalb zunächst selbst finanzieren, die Firma will sie sich mit ihren beiden US-Händlern teilen. Aber dauerhaft können die Unternehmen diese Belastung wohl nicht stemmen. Die Hoffnung ist, dass die Zölle möglichst schnell wieder außer Kraft gesetzt werden – und sei es per Tweet von Donald Trump.

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