der Stuttgarter Hauptbahnhof im Spätherbst 2018 (Foto: dpa Bildfunk, Picture Alliance)

Plädoyer für unterirdischen Kopfbahnhof S21: Verkehrsminister Hermann konkretisiert seine Pläne

Beim Bahnprojekt Stuttgart 21 hat sich der baden-württembergische Verkehrsminister Hermann (Grüne) erneut für einen zusätzlichen unterirdischen Kopfbahnhof ausgesprochen. Im SWR erklärt er, wie dieser funktionieren könnte.

Winfried Hermann befürchtet, dass der in Stuttgart geplante neue Tiefbahnhof nicht leistungsfähig genug sein wird. Er plädiert dafür, einen zusätzlichen unterirdischen Kopfbahnhof zu installieren.

Wie dieser genau aussehen könnte, hat er jetzt gegenüber dem SWR erklärt. "Man fährt auf mindestens zwei Bahngleisen unterirdisch, etwa da wo die S-Bahn-Trasse ist, hinein in den jetzigen neuen Tiefbahnhof", so Hermann. Dann werde aufgefächert in etwa vier bis sechs Bahnsteige. "Dort können Regionalzüge und S-Bahnen einfahren. Das wäre eine leichte Umstiegsmöglichkeit zum neuen Bahnhof und es wäre ein Kapazitätsgewinn."

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Erst unlängst hatte Hermann weitere Nachbesserungen beim neuen Stuttgarter Bahnhof gefordert. S21 werde ein Engpass werden, was den geplanten Deutschlandtakt angeht, sagte Hermann dem SWR. Zuvor hatten SWR-Recherchen ergeben, dass die Kapazität des neuen Bahnhofs nicht für den Deutschlandtakt ausreichen wird.

Gastel: Stuttgart 21 muss erweitert werden

Auch der Verkehrsexperte der Grünen, Matthias Gastel, hält eine neue Diskussion über den Stuttgarter Bahnknoten für erforderlich. "Es wäre doch jammerschade", so der Bundestagsabgeordnete aus Baden-Württemberg, "wenn überall in Deutschland die Menschen vom Deutschlandtakt profitieren, nur in Stuttgart funktioniert es nicht." Dazu brauche es aber einen anderen Hauptbahnhof als Stuttgart 21. "Stuttgart 21 muss erweitert werden um zusätzliche Gleise, zusätzliche Kapazitäten am Bahnhof und auch an den Zulaufstrecken", so Gastel.

"Der gesamte Südwesten droht vom neuen Deutschlandtakt abgekoppelt zu werden", erklärte auch Bernd Riexinger, Parteivorsitzender der Linken aus Stuttgart. "Stuttgart 21 ist nicht zukunftsfähig", so sein Urteil.

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Verkehrsclub Deutschland BW fordert zusätzliche Gleise

"Die angestrebte Verdopplung der Fahrgastzahlen erweist sich somit als Papiertiger", bilanziert die BUND-Landesvorsitzende Brigitte Dahlbender. Der baden-württembergische Verkehrsclub Deutschland (VCD) fordert zusätzliche Gleise zwischen dem Hauptbahnhof und dem Beginn der Schnellfahrstrecke bei Zuffenhausen zur Trennung des Fern- und Regionalverkehrs, damit die ICEs Richtung Mannheim und Karlsruhe nicht den Nahverkehr ausbremsen.

Neben dem zum Teil fehlenden Halbstundentakt zeigt der Zielfahrplan 2030 auch etliche Umsteigezeiten, die nicht den Kriterien eines integrierten Taktfahrplans entsprechen. Die schnellste Verbindung von Tübingen nach Mannheim, so Matthias Lieb vom VCD, werde sogar zehn Minuten länger dauern als heute. Während die Umsteigezeit nach aktuellem Fahrplan für diese Verbindung acht Minuten betrage, werde man laut Zielfahrplan im Jahre 2030 sogar 20 Minuten warten müssen. Und dies, so Lieb, "trotz neuem Bahnknoten in Stuttgart und trotz Neubaustrecke nach Ulm samt 'Großer Wendlinger Kurve'."

Aktionsbündnis: Metropolregion nicht von Bahnverkehr abhängen

Das "Aktionsbündnis gegen Stuttgart 21" hat den Bahn-Aufsichtsrat und die politisch Verantwortlichen aufgefordert, die Metropolregion Stuttgart zu einem leistungsfähigen Bahnknoten umplanen zu lassen. "Diese Region darf nicht vom Bahnverkehr abgehängt werden, nur weil ein längst als sinnlos erkanntes Prestigeprojekt nicht mehr korrigiert werden soll", so Bündnissprecher Eisenhart von Loeper.

"Gerade in einer Zeit, in der die etablierten Parteien im Verdacht stehen, keine ernsthaften Antworten auf die Klimakatastrophe zu haben, ist es wichtig, dass sich die politischen Akteure auch beim Thema Stuttgart 21 handlungsfähig zeigen." Vorschläge dazu lägen mit dem Konzept "Umstieg 21" längst auf dem Tisch. Der Klimakollaps sei nicht mit großen Worten, sondern nur mit entschlossenem Handeln zu verhindern, so von Loeper.

Bahn widerspricht SWR-Recherchen

Die Deutsche Bahn hat den SWR-Recherchen mittlerweile "mit Nachdruck" widersprochen. Man sehe keine Probleme mit dem geplanten Deutschlandtakt, die Kapazität des Bahnhofs sei geprüft und bestätigt worden.

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