Unter anderem in Reutlingen streiken am Mittwoch die Busfahrer (Foto: dpa Bildfunk)

Tarifkonflikt auch in Baden-Württemberg Verdi weitet Warnstreiks bei Busunternehmen aus

Busfahrer in Baden-Württemberg haben am Mittwoch ihre Warnstreiks ausgeweitet. Fahrgäste müssen sich gleich in mehreren Regionen auf einen eingeschränkten Busverkehr einstellen.

Dauer

Die Warnstreiks bei privaten Omnibusunternehmen in Baden-Württemberg haben am Mittwoch einen vorläufigen Höhepunkt erreicht. Die Gewerkschaft Verdi zählte nach eigenen Angaben 450 streikende Busfahrer bei neun Betrieben in fünf Städten. Mit der zweiten Streikwelle will Verdi vor der nächsten Verhandlungsrunde Druck machen.

In Reutlingen und Tübingen sei der Linienbusverkehr mit Ausnahme der Strecke zum Stuttgarter Flughafen komplett lahmgelegt, teilte ein Verdi-Sprecher mit. In Karlsruhe und Geislingen (Kreis Göppingen) fahren demnach noch vereinzelt Busse, in Göppingen so gut wie keine.

Weitere Warnstreiks am Donnerstag

Am Dienstag war schon der Busverkehr in Heidenheim von Warnstreiks betroffen, am Donnerstag sollen die Aktionen im Landkreis Heilbronn, in Crailsheim (Kreis Schwäbisch Hall), Schwäbisch Hall und Tuttlingen fortgesetzt werden.

Busfahrer klagen über Arbeitsverdichtung

"Die Arbeit von Busfahrern hat sich verdichtet, das heißt: Die Fahrzeiten sind knapper, der Verkehr ist dichter und die Ampelschaltungen furchtbarer geworden", sagt der Reutlinger Busfahrer Joachim Schenk.

"Es ist fast nicht mehr möglich, einen Fahrplan einzuhalten. Das ist für uns eine große Belastung. Wir machen die gleiche Arbeit wie die Kollegen im öffentlichen Dienst."

Joachim Schenk, Busfahrer

Deshalb müsse Ziel des Streiks sein, wenigstens annähernd an das Niveau der Löhne von den Kollegen im öffentlichen Dienst heranzukommen, meint Schenk.

Reutlinger Busfahrer im Streiklokal (Foto: SWR, Stefanie Assenheimer)
Reutlinger Busfahrer im Streiklokal Stefanie Assenheimer

Gewerkschaft und Arbeitgeber liegen noch auseinander

Die Gewerkschaft fordert in den laufenden Tarifverhandlungen für das private Omnibusgewerbe 5,8 Prozent mehr Geld bei einer Laufzeit von einem Jahr und eine Angleichung an den Vertrag des kommunalen Nahverkehrs. Der Verband Baden-Württembergischer Omnibusunternehmen (WBO) hatte zuletzt 5,8 Prozent mehr bei einer Laufzeit von drei Jahren geboten.

Bald neue Verhandlungsrunde

Die nächste Verhandlungsrunde soll am kommenden Montag stattfinden. Der WBO wolle eine Einigung erzielen, sagte Verhandlungsführer Eberhard Geiger am Dienstag.

"Daher werden wir alles daran setzen, am 18. Februar einen Abschluss zu erreichen."

Eberhard Geiger, Verhandlungsführer Arbeitgeber

Man hoffe auf eine Einigung, damit der Tarifkonflikt nicht auf Kosten der Pendler und Schüler ausgetragen werde, sagte ein Sprecher des WBO.

Verdi: Inflationsausgleich wäre zu wenig

Verdi-Verhandlungsführer Andreas Schackert sagte hingegen, einen mageren Inflationsausgleich würden die Fahrer in dieser Lohnrunde nicht akzeptieren. In Karlsruhe verdienten die Fahrer im privaten Omnibusgewerbe deutlich weniger als ihre kommunalen Kollegen in der gleichen Stadt.

"Dafür erwarten wir am kommenden Montag von den Arbeitgebern ernsthafte Lösungsvorschläge."

Andreas Schackert, Verhandlungsführer Verdi

Laut Verdi sind von den Verhandlungen rund 9.000 Beschäftigte privater Busunternehmen betroffen. In Baden-Württemberg haben die meisten Kommunen private Firmen für den Busverkehr beauftragt.

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