Migranten sitzen in einem Schlauchboot, nachdem Proactiva Open Arms, eine Nichtregierungsorganisation (NGO) aus Spanien, sie im zentralen Mittelmeer 72 Kilometer von Al Khums (Libyen) entfernt, entdeckt und gerettet hat (Archiv). (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/Olmo Calvo/AP/dpa)

Synode in Bad Herrenalb Badische Landeskirche will Pflicht zur Seenotrettung

Die Synode der Evangelischen Landeskirche in Baden hat in einer Erklärung zur Flüchtlingspolitik Stellung bezogen. Darin kritisiert sie Tendenzen zu einer Kriminalisierung des Engagements für Flüchtlinge.

"Die Landessynode nimmt mit großer Sorge wahr, dass sich die Rahmenbedingungen für Integrationsprozesse seit 2015 erheblich verschlechtert haben", heißt es in einer Erklärung der Synode der Evangelischen Landeskirche in Baden. Sie ist am Samstag in Bad Herrenalb (Kreis Calw) nach fünf Tagen zu Ende gegangen. Besonders besorgniserregend sind demnach für die Landeskirche Tendenzen zu einer Behinderung und Kriminalisierung des Engagements für geflüchtete Menschen in vielen Bereichen, von der Seenotrettung bis zum Kirchenasyl.

Synode fordert sicheren Zugang zur EU

Die Synode halte es für unbedingt notwendig, dass Fluchtursachen bekämpft und menschenrechtliche Schutzstandards sowie die für einen Integrationsprozess wichtigen Aufnahmebedingungen garantiert werden, heißt es in der Erklärung. Dazu gehöre ein "sicherer Zugang zum Schutzsystem der EU sowie eine gerechte und solidarische Verantwortungsteilung innerhalb der Staaten", eine "dezentrale Verteilung der Flüchtlinge in integrationsfördernde Unterkünfte" sowie "eine unabhängige Beratung der Asylsuchenden durch freie und gemeinnützige Träger".

Gegen Rassismus und Ausgrenzung

Auch zukünftig werde sich die badische Landeskirche für Flüchtlingsschutz, gesellschaftliche Akzeptanz, Integration und interkulturelle Öffnung einsetzen, heißt es weiter. Sie wende sich gegen jede Form von Rassismus, Diskriminierung und Ausgrenzung.

Bischof kritisiert Populismus

Landesbischof Jochen Cornelius-Bundschuh kritisierte in seinem Bischofsbericht die zunehmenden populistischen Bewegungen in Europa. Er warb für das "europäische Friedensprojekt" auch im Geist der christlichen Versöhnung, das "nationale Egoismen um des Friedens willen zurückstellt". In Europa solle es um das Eintreten für Freiheit und Menschenwürde, zivile Konfliktlösung, soziale Gerechtigkeit und Verantwortung für die Welt gehen, sagte er.

Neues Friedensinstitut in Freiburg

Bereits am Freitag hatte die badische Landessynode die Errichtung eines Friedensinstituts beschlossen. Es soll an die Evangelische Hochschule in Freiburg angegliedert werden. Für zehn Jahre stünden dafür jährlich 72.000 Euro bereit. Das Institut soll den Angaben zufolge spezielle Zusatzqualifikationen sowie Fort- und Weiterbildungsmodule für andere Studiengänge bieten. Es werde sich an Studenten richten, aber auch an in der Landeskirche engagierte Haupt- und Ehrenamtliche sowie an Interessierte aus anderen zivilgesellschaftlichen Gruppen. Das Institut solle der Evangelische Landeskirche in Baden helfen, eine "Kirche des gerechten Friedens" zu werden. Das hatte die Landessynode 2013 beschlossen.

Neue Form des Religionsunterrichts

Ein Schwerpunkt der Synode war auch der Religionsunterricht. In einer "konfessionell-kooperativen" Richtung sollen katholische und evangelische Lehrkräfte künftig einen gemeinsamen Lehrplan entwickeln oder die Schüler abwechselnd betreuen.

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