Recherchen des SWR zum Deutschlandtakt Stuttgart 21 kann 30-Minuten-Takt nicht einhalten

Der Deutschlandtakt sieht vor, dass im Fernverkehr zwischen den Großstädten künftig alle 30 Minuten ein Zug fährt. Doch Stuttgart könnte vom neuen Fahrplankonzept abgekoppelt werden.

Dauer
Sendedatum
Sendezeit
19:30 Uhr
Sender
SWR Fernsehen BW

Nach SWR-Recherchen benötigt der Stuttgarter Bahnknoten zusätzliche Gleise am neuen Tiefbahnhof, um den von Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) geplanten Deutschlandtakt in Baden-Württemberg realisieren zu können.

Das Fahrplankonzept "Deutschlandtakt" der Deutschen Bahn (DB) sieht eigentlich vor, dass künftig im Fernverkehr zwischen den Großstädten alle 30 Minuten ein Zug fährt und es nur noch kurze Umsteigezeiten gibt. Der Zielfahrplan Baden-Württemberg (Stand Mai 2019), der dem SWR vorliegt, zeigt jedoch, dass der neue Bahnknoten Stuttgart einen integrierten Taktverkehr nach Schweizer Vorbild im Südwesten nicht zulässt.

So kann man von der Landeshauptstadt aus Großstädte wie Darmstadt, Heidelberg, Mainz, Nürnberg und Zürich nicht im Halbstundentakt anfahren. Dafür ist der Stuttgarter Tiefbahnhof mit acht Gleisen zu klein und die Zahl der Zulaufstrecken zu gering. Auch die von Bundesverkehrsminister Scheuer angepeilte Verdoppelung der Fahrgastzahl ist so nach Fertigstellung des neuen Stuttgarter Bahnknotens samt Tiefbahnhof mit nur noch acht Gleisen nicht realisierbar.

Stuttgart 21 Simulation (Foto: Plan B)
So soll "Stuttgart 21" nach den Plänen aussehen. Plan B

Bundesverkehrsministerium und DB sehen keine Probleme

Das Bundesverkehrsministerium sieht keinen Handlungsbedarf. Staatssekretär Steffen Bilger (CDU) erklärte gegenüber dem SWR: "Die Experten der Deutschen Bahn haben das alles genau geprüft. Und das wird funktionieren. Wir haben jetzt die große Chance, dass wir den modernsten Bahnhof in Stuttgart bekommen – nicht nur wegen Stuttgart 21, sondern eben auch, weil dort die Digitalisierung als erstes realisiert wird." Wie dies mit der geringen Gleiskapazität realisiert werden kann, konnte der baden-württembergische Bundestagsabgeordnete noch nicht sagen.

Am Abend widersprach auch die Deutsche Bahn den SWR-Recherchen "mit Nachdruck". Man sehe keine Probleme mit dem geplanten Deutschlandtakt, die Kapazität des Bahnhofs sei geprüft und bestätigt worden.

Umsteigezeiten könnten zum Problem werden

Neben dem zum Teil fehlenden Halbstundentakt zeigt der Zielfahrplan 2030 auch etliche Umsteigezeiten, die nicht den Kriterien eines integrierten Taktfahrplans entsprechen. Die schnellste Verbindung von Tübingen nach Mannheim, so Matthias Lieb vom VCD, werde sogar zehn Minuten länger dauern als heute. Während die Umsteigezeit nach aktuellem Fahrplan für diese Verbindung acht Minuten betrage, werde man laut Zielfahrplan im Jahre 2030 sogar 20 Minuten warten müssen. Und dies, so Lieb, "trotz neuem Bahnknoten in Stuttgart und trotz Neubaustrecke nach Ulm samt 'Großer Wendlinger Kurve'."

Lange Wartezeiten wird es in Stuttgart auch bei der Fahrt von Tübingen nach Karlsruhe geben: 27 Minuten. Bei der Fahrt von Singen (Kreis Konstanz) nach Heilbronn beträgt die Umsteigezeit 33 Minuten. Und Personen, die auf der Strecke zwischen Würzburg und Zürich fahren wollen, warten in Stuttgart knapp eine Stunde (58 Minuten) bis zum Anschluss. Das Nadelöhr Stuttgart hat zudem negative Folgen auf andere Städte. So kommt der Zug aus Mannheim so spät in Ulm an, dass der Fahrgast dort 26 Minuten warten muss, um weiter nach Friedrichshafen (Bodenseekreis) zu fahren.

Den Zielfahrplan Baden-Württemberg (Stand Mai 2019) hat die Schweizer Beratungsfirma SMA im Auftrag des Bundesverkehrsministeriums erstellt.

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