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Studie zur Digitalisierung an Schulen Lehrer werden mit digitaler Ausstattung alleingelassen

Es geht nur im "Schneckentempo" voran - so bezeichnet VBE-Landeschef Gerhard Brand den Status der Digitalisierung an Schulen in Baden-Württemberg: Die digitale Ausstattung sei "mangelhaft".

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Der Verband Bildung und Erziehung (VBE) in Baden-Württemberg beklagt die mangelhafte digitale Ausstattung der Schulen. Nur an vier von zehn Schulen gebe es in allen Klassenräumen WLAN und schnelles Internet, sagte VBE-Landeschef Gerhard Brand am Montag in Stuttgart. Er stützte sich auf eine neue Umfrage des Instituts Forsa, an der bundesweit 1.232 Schulleiter teilgenommen hatten, darunter mehr als ein Fünftel aus Baden-Württemberg.

Schüler arbeiten in einem Klassenraum einer Grundschule an Computern. (Foto: picture-alliance / Reportdienste, picture alliance/Friso Gentsch/dpa)
In vielen Schulen mangelt es unter anderem an Computern und schnellem Internet. picture alliance/Friso Gentsch/dpa

Es fehlten zudem Computer und Smartphones für Lehrer und Schüler. Fast jede fünfte Schule nutze im Unterricht Geräte, die die Schüler selbst mitbrächten. Das sieht der VBE kritisch: Es steige die Gefahr, dass Kinder gemobbt würden, weil sie nicht das neueste Smartphone vorweisen könnten.

Bund und Länder hatten sich im Februar auf eine Grundgesetzänderung verständigt, um die Digitalisierung an Schulen voranzutreiben. Im Durchschnitt erhält jede Schule in Baden-Württemberg 142.000 Euro, das sind pro Schüler 433 Euro - insgesamt rund 650 Millionen Euro.

Brand: Digitalisierung in Schulen läuft im "Schneckentempo"

"Während die Gesellschaft in Sachen Digitalisierung rasant fortschreitet, ist an den Schulen nur wenig passiert", sagte Brand. Zwar habe sich die Situation im Vergleich zu einer Umfrage von 2014 verbessert, Baden-Württemberg liege in vielen Rubriken bei der digitalen Ausstattung über dem Bundesdurchschnitt. Aber wenn es in diesem "Schneckentempo" weitergehe, seien erst im Jahr 2032 alle Schulen mit Klassensätzen von digitalen Endgeräten ausgestattet. "Das entspricht sicher nicht den Ansprüchen an unser Bildungssystem", sagte Brand. Er forderte auch mehr Fortbildung für Lehrer, zudem Fachpersonal zur Wartung der digitalen Infrastruktur an den Schulen. Bislang übernähmen Lehrer die Wartung häufig selbst.

Die Schule aus Sicht der Schulleiter Forsa-Umfrage zur Digitalisierung an Schulen

VBE (Foto: SWR)
Forsa hat unter anderem ermittelt, wer sich an den Schulen um die Sicherheit, die Stabilität und die Aktualisierung der IT-Ausstattung kümmert - häufig übernehmen das die Lehrer. Bild in Detailansicht öffnen
Nicht überall in Baden-Württemberg sind die Schüler mit Tablet-PCs und Smartphones ausgestattet. Bild in Detailansicht öffnen
Die notwendigen Kenntnisse, um mit digitalen Endgeräten zu unterrichten, bekommen Lehrer häufig in Fort- und Weiterbildungen - jedoch kaum im Rahmen der Lehrkräfteausbildung. Bild in Detailansicht öffnen

Moritz: Es braucht "sinnvolle pädagogische Konzepte"

Die Landesvorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), Doro Moritz, hatte am Sonntag gesagt: "Wir befinden uns in der Kreidezeit, brauchen Zeit und Fortbildungen, um sinnvolle pädagogische Konzepte für die Digitalisierung zu erarbeiten." Etwa die Hälfte der Lehrer habe fast keine Erfahrungen mit dem Einsatz moderner Medien. An vielen Schulen fehlten Internetverbindungen, oder diese seien zu schwach. Moritz stützte sich dabei auf eine Online-Umfrage, an der Lehrer im Februar freiwillig teilnehmen konnten. 5.703 Lehrer und Schulleitungen hatten sich beteiligt.

Eisenmann: Nachholbedarf ist "unbestritten"

Laut Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU) habe das Land in Sachen zwar Nachholbedarf, es gebe aber dank der Schulträger, Kommunen und Landkreise "sehr, sehr gut ausgestattete Schulen".

"Lesen durch Wischen ersetzen ist auch nicht das Allheilmittel."

Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU)

Man sehe den Nachholbedarf und bestreite ihn nicht, habe aber bereits reagiert und Mittel im Haushalt bereitgestellt, sagte Eisenmann gegenüber dem SWR. Sie betont jedoch: "Lesen durch Wischen ersetzen ist auch nicht das Allheilmittel." Die digitale Ausstattung allein mache noch keine gute Pädagogik. Digital sei das eine, es gehe aber auch darum, die Technologie mit sinnvollen pädagogischen Ansätzen zu verknüpfen: "Wir müssen aufpassen, dass der Begriff 'digital' nicht zum Mantra wird. Es kommt auf die Mischung an." Dieser Punkt komme ihr in der Diskussion zu kurz.

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