Zeugen Jehovas machen Werbung in der Fußgängerzone (Foto: dpa Bildfunk, Matthias Balk)

Opferschutzorganisation stellt Anzeige in Stuttgart Strafanzeige gegen Zeugen Jehovas wegen Prozessbetrugs

Mitglieder einer Opferschutzorganisation haben beim Polizeipräsidium Stuttgart Strafanzeige gegen führende Mitglieder der Zeugen Jehovas gestellt. Die Organisation wirft der Religionsgemeinschaft Prozessbetrug vor.

Die entsprechende Anzeige liegt dem SWR vor. Die Opferschutzorganisation "Jehovah's Witnesses Opfer Hilfe" wirft den Verantwortlichen der als christlich-fundamentalistisch geltenden Religionsgemeinschaft Prozessbetrug vor, weil sie vor Gericht die Behörden getäuscht hätten.

Dauer
Sendedatum
Sendezeit
19:30 Uhr
Sender
SWR Fernsehen BW

Bei den Verfahren war es um die Anerkennung der Zeugen Jehovas als vom Staat privilegierte Körperschaft des öffentlichen Rechts gegangen. In Baden-Württemberg erfolgte die Anerkennung 2015. Dem vorausgegangen waren auch Gerichtsverfahren, etwa in Berlin.

"Zeugen Jehovas setzten Mitglieder unter Druck"

Die Aussteiger Bernd Bochow und Udo Obermayer begründen die Strafanzeige unter anderem damit, dass die Zeugen Jehovas Mitglieder unter Druck setzten, wenn diese weiterhin Kontakt zu Aussteigern hielten. Dies verstoße gegen den vom Grundgesetz geforderten Schutz von Ehe und Familie. Vor Gericht hätten die Zeugen Jehovas dies anders dargestellt.

Zudem werfen die Vertreter der "Jehovah’s Witnesses Opfer Hilfe" der Religionsgemeinschaft vor, Mitglieder würden unter Druck gesetzt, wenn sie im Falle lebensbedrohlicher Krankheiten Bluttransfusionen akzeptierten. Darüber hinaus werde sexueller Missbrauch innerhalb der Zeugen Zehovas häufig nicht aufgeklärt. In der Praxis gelte allen öffentlichen Beteuerungen der Zeugen-Jehovas-Führung zum Trotz eine Regelung, nach der ein Missbrauch nur dann in der Religionsgemeinschaft geahndet werde, wenn das Opfer einen zweiten Augenzeugen präsentieren könne.

Aussteiger: Man muss hinter die Kulissen schauen

Eine Organisation wie die Zeugen Jehovas in Deutschland dürfte nicht auch noch Staatsprivilegien haben, sagten die Vertreter der "Jehovah's Witnesses Opfer Hilfe" gegenüber dem SWR. Der Aussteiger Bernd Bochow sagte: "Wenn man mal hinter die Kulissen schaut, was bei der Verleihung der Körperschaft geschehen ist in Berlin, dass da betrogen wurde, da stellt sich mir schon die Frage, ob der Rechtsstaat nach all den Jahren nicht doch mal dahinter schaut."

Zeugen Jehovas weisen Vorwürfe zurück

Die Deutschlandzentrale der Zeugen Jehovas im hessischen Selters wies die Vorwürfe gegenüber dem SWR schriftlich zurück. Die Zeugen Jehovas in Deutschland hätten bei den infrage stehenden Punkten bislang in allen Prozessen Recht bekommen. Auch seien die Mitglieder der Zeugen Jehovas frei in ihrer Entscheidung, mit wem sie Kontakt haben wollten, ob sie bei der Polizei Anzeige erstatten wollten oder welche medizinische Behandlung sie in Anspruch nehmen. Allerdings unter der Maßgabe, dass sie, so wörtlich, dabei "den von der Bibel vorgegebenen Maßstab umsetzen."

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