Drei Ermittler in weißen Overalls stehen mit einem Meterstab und einem Foto auf einem Parkplatz. (Foto: Andreas  Rosar)

Staatsanwaltschaft Stuttgart prüft Beiträge Video von Fasanenhof-Verbrechen im Netz geteilt - ist das strafbar?

Unfassbar, aber Realität: Auf offener Straße wurde ein Mann am Mittwochabend im Stuttgarter Fasanenhof erstochen, kurze Zeit später erscheinen Videos der Tat in den sozialen Netzwerken. Auch AfD-Politikerin Alice Weidel postete ein Video. Ist das erlaubt?

Dauer
Sendedatum
Sendezeit
19:30 Uhr
Sender
SWR Fernsehen BW

Im Stuttgarter Stadtteil Fasanenhof wird ein Mann auf offener Straße erstochen - laut Polizei mit einem Schwert. Auch Stunden nach der Bluttat kursieren am Donnerstag noch mehrere Videos im Netz, auf denen der mutmaßliche Täter auf den Mann einsticht. Die Videos wurden unter anderem auf den Plattformen Facebook und Twitter gepostet und geteilt. Auch Fotos, auf denen der getötete Mann deutlich zu sehen ist, kursieren im Internet.

Alice Weidel stellt Video auf Facebook

Die AfD-Politikerin Alice Weidel hat am Donnerstagnachmittag Ausschnitte aus einem Video auf ihre Facebookseite gestellt und schreibt: "Wir sind so satt an den täglichen Morden. Es ist unfassbar, wohin sich unser Land entwickelt. Die innere Sicherheit ist dahin." Das Video auf Weidels Seite wurde zum jetzigen Zeitpunkt 8.687 mal geteilt. Es zeigt den mutmaßlichen Täter, der hinter einem geparkten Kleinwagen auf sein Opfer, das nicht zu sehen ist, mit einem Schwert einsticht. In diesem Video ist auch zu hören, wie eine Frau zu einem Mann sagt: "Ruf' mal die Polizei". Er antwortet mit ruhiger Stimme: "Das hat ja schon jemand gemacht," und filmt die Szene weiter.

Machen sich die Facebook- und Twitter-User strafbar?

Nach deutschem Recht ist es strafbar, eine solche Gewalttat zu filmen oder zu veröffentlichen. Zusätzlich ist es auch strafbar, solche Videos weiterzuverbreiten. Bei Videos, bei denen man das Opfer selbst nicht sieht - wie im Fall des Videos auf der Facebook-Seite von Alice Weidel - , könnte es rechtlich anders zu bewerten sein.

#Gewaltvideos Man findet Videoaufzeichnungen realer Gewalt- und Tötungshandlungen im Internet! Die Herstellung und Verbreitung von Medien, die grausame oder unmenschliche Gewalttätigkeiten gegen Menschen zeigen, sind verboten (§ 131 Strafgesetzbuch). @LkaBaWue https://t.co/hOwbnhwZPK

Staatsanwaltschaft ermittelt gegen Verbreitung der Videos

Mittlerweile hat die Staatsanwaltschaft Stuttgart auf den Vorfall reagiert und einen sogenannten Prüfvorgang angestoßen. Er richtet sich gegen die Personen, die Aufnahmen des Verbrechens veröffentlicht haben. Der Vorwurf: ein möglicher Verstoß gegen den Paragraphen 201a "Verletzung des höchstpersönlichen Lebensbereichs durch Bildaufnahmen". Ein Verstoß kann laut Strafgesetzbuch mit einer Freiheitsstrafe bis zu zwei Jahren oder mit einer Geldstrafe bestraft werden.

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