picture allianceManfred RohdeHelmholtz-Zentrum für Infektionsforschungdpa (Foto: dpa Bildfunk, Picture Alliance)

Skandal um Erreger Mindestens ein Toter durch Listerien in Baden-Württemberg

Nach amtlichen Angaben sind im vergangenen Jahr mindestens drei Menschen an Infektionen mit Listerien gestorben. Mindestens einer davon soll aus Baden-Württemberg kommen.

Das Robert-Koch-Institut (RKI) rechnet dem Erreger aus der Wurstfabrik mittlerweile 37 Infektionen seit 2014 zu. 14 dieser Patienten sind mittlerweile verstorben, drei davon nachweislich "direkt oder indirekt" an Listerien. Sie kommen aus Baden-Württemberg, Nordrhein-Westfalen und Sachsen-Anhalt. Der Todesfall hierzulande im Jahr 2018 wird auf Listerien desselben Stamms (Sigma 1) wie in der verkeimten Wurst zurückgeführt.

Ob der Betroffene den Keim über die Wurst oder über ein anderes Lebensmittel aufnahm, sei jedoch nicht bekannt. Bei zwei weiteren Baden-Württembergern ist die Todesursache demnach entweder eine andere oder unklar.

Baden-Württemberg: Keine Hinweise auf verkeimte Wurst

Nach Angaben des baden-württembergischen Verbraucherschutzministeriums gibt es derzeit keine Hinweise, dass verkeimte Wurst aus Hessen hier im Land in Umlauf kam. Zwar seien auch in Baden-Württemberg sehr viele Betriebsstätten von einer Firma beliefert worden, in deren Wurst wiederholt Listerien nachgewiesen wurden. Aber, so betonte eine Stuttgarter Ministeriumssprecherin am Freitag: "Uns liegen momentan keine Informationen vor, dass sich in Baden-Württemberg kontaminierte Produkte am Markt befinden."

Das RKI hat den Ausbruch der Listeriose, für den das Wurstunternehmen Wilke in Nordhessen verantwortlich gemacht wird, mit Fällen aus den Vorjahren in Zusammenhang gebracht. Listeriose ist meldepflichtig, und der Erreger ist nie ganz gleich. Deshalb können einzelne Todesfälle sehr gut einer Infektionsquelle zugeordnet werden.

Das RKI war auch dem gesamten Fall auf die Spur gekommen. Es hatte festgestellt, dass die meisten Erkrankten sich in Krankenhäusern, Altersheimen oder Rehazentren infiziert hatten. Eine Liste mit neun betroffenen Einrichtungen führte dazu, dass der Wurstlieferant als Quelle der Belastung ermittelt werden konnte.

Wilke wehrt sich gegen Produktionsstopp

Das mittlerweile insolvente Unternehmen Wilke geht unterdessen mit einem Eilantrag gegen den gerichtlich angeordneten Produktionsstopp seiner Fleischprodukte vor. Die Staatsanwaltschaft Kassel ermittelt wegen des Verdachts der fahrlässigen Tötung gegen den Geschäftsführer.

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