Ein nächtlicher Raser mit einem Sportwagen (Foto: dpa Bildfunk, Picture Alliance)

Schwere Unfälle mit jungen Rasern Sollte es eine PS-Altersbeschränkung geben?

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In Stuttgart verursachte ein 20-Jähriger mit einem Sportwagen einen Unfall, bei dem zwei Menschen starben. Um solches zu verhindern, wird schon seit Jahren eine PS-Altersbeschränkung für Fahranfänger diskutiert.

Fast immer, wenn ein schwerer Unfall mit einem jungen Fahrer in einem PS-starken Wagen passiert, kommt die Frage auf, ob Fahranfängern nicht verboten werden sollte, solche Autos zu fahren. Vor allem, weil es seit Jahren für schwere Motorräder bereits eine Altersbeschränkung gibt. Wer bis 24 Jahre den Motorradführerschein macht, darf in den ersten beiden Jahren danach nur eine Maschine mit maximal 35 kW/48 PS bewegen. Um danach eine Führerscheinklasse ohne Leistungsbegrenzung zu erreichen, muss vorher eine erneute praktische Prüfung abgelegt werden.

Die politische Diskussion um eine "PS-Altersbeschränkung" auch beim Autofahren gibt es schon sehr lange. 2011 diskutierte sie sogar der Verkehrsausschuss des Europäischen Parlaments. Der Vize-Präsident des Europäischen Verkehrssicherheitsrats und Präsident der interfraktionellen Gruppe "Verkehr und Umwelt" im EU-Parlament, Dieter Lebrecht- Koch (CDU), hatte gefordert, dass Autos ab 150 PS nur auf Fahrer zugelassen werden dürfen, die mindestens 21 Jahre alt sind, um junge Menschen vor sich selbst zu schützen.

Kritik: Unfälle können durch überhöhte Geschwindigkeit immer passieren

Kritik kam unter anderem vom Verkehrsclub Deutschland. Denn bei überhöhter Geschwindigkeit könnten immer und auch mit schwächer motorisierten Autos Unfälle passieren. Ein anderes Argument: Dann wäre das begleitete Fahren, also der umgangssprachliche "Führerschein mit 17", auch nur noch mit schwächer motorisierten Fahrzeugen möglich. Der "Führerschein mit 17" war nach einem Modellversuch in Niedersachsen 2005 flächendeckend in Deutschland eingeführt worden.

Eine kleine Beschränkung für Fahranfänger gibt es seit 1986: den Führerschein auf Probe. Das heißt, dass der Führerschein zwar voll gültig ist, der Fahranfänger jedoch aufgrund des erhöhten Unfallrisikos zwei Jahre "auf Bewährung" fährt. Verkehrsverstöße während dieser Zeit werden deshalb besonders sanktioniert: einige wie Fahren mit abgenutzten Reifen weniger stark, andere viel höher als üblich, darunter vor allem Vergehen, bei denen andere Menschen zu Schaden kommen oder kommen könnten. Seit 1999 ist geregelt, dass sich die Probezeit bei schweren Verstößen automatisch auf vier Jahre verlängert.

Meist Beschränkungen beim Auto-Leihen

Fahranfänger können in der Regel keine PS-starken Autos ausleihen. Die meisten gängigen Auto-Vermieter haben dafür zumeist eine Altersbeschränkung von 25 Jahren. Zudem gibt es meistens für die Versicherung und die Selbstbeteiligung daran strengere Regelungen. Auch bei normal motorisierten Fahrzeugen ist oft eine Art "Fahranfänger-Zusatzgebühr" aufgrund des erhöhten Unfallrisikos fällig. Dennoch gibt es natürlich immer wieder Anbieter, die sich nicht freiwillig selbst beschränken und schon an 19- oder 20-Jährige einen Jaguar oder Porsche mit mehreren hundert PS verleihen.

Auch dies hat schon Politiker auf verschiedenen Ebenen beschäftigt. So lauten andere bereits diskutierte Vorschläge und Forderungen: Geschwindigkeitsbegrenzung für Fahranfänger in den ersten zwei Jahren nach Erlangung des Führerscheins, Kennzeichnung von Anfängerfahrzeugen wie beispielsweise in Frankreich, generelles Tempolimit auf Autobahnen und eine Herabsetzung auf Landstraßen auf 80 Stundenkilometer gegen Raser allgemein.

Insgesamt weniger Todesopfer bei Autounfällen

Die Bundesregierung hatte sich 2016 das Ziel gesetzt, bis 2020 die Zahl der Verkehrstoten um 40 Prozent senken zu können. 2018 ist laut Statistischem Bundesamt diese Zahl bundesweit angestiegen. Es starben im vergangenen Jahr 3.265 Menschen bei Unfällen im Straßenverkehr - das ist insgesamt in Deutschland eine Zunahme um 2,7 Prozent. In Baden-Württemberg gab es hingegen 2018 weniger Verkehrstote als zuvor. Mit einem Minus von 3,9 Prozent war dies der stärkste Rückgang aller Bundesländer. Allerdings sterben tatsächlich weniger Menschen bei Autounfällen - die meisten Todesopfer waren 2018 Motorrad- und Fahrradfahrer. Über die Altersstruktur bei den Unfällen beziehungsweise wie viele Fahranfänger beteiligt gewesen sind, gibt es noch keine genaue Auswertung. Diese erfolgt bei den Statistischen Landesämtern erst im April.

Laut Studien des ADAC und anderen Verbänden wird in Deutschland jeder vierte Unfall mit Verletzten von einem jungen Fahrer im Alter zwischen 18 und 24 Jahren verursacht, meist durch nicht angepasste Geschwindigkeit.

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