Aktionswoche auch in Baden-Württemberg Experten fordern mehr Hilfe für Kinder suchtkranker Eltern

Zahlreiche Veranstaltungen sollen diese Woche ein Tabuthema beleuchten: Kinder suchtkranker Eltern. Nicht nur Familienmitglieder schauten noch viel zu oft weg, so die Landesstelle für Suchtfragen.

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"Vergessenen Kindern eine Stimme geben" - unter diesem Titel gibt es bis 16. Februar eine bundesweite Aktionswoche für Kinder aus Suchtfamilien. Die geplanten Veranstaltungen sollen das Thema aus der Tabuzone holen, damit Kinder mit solchen Problemen im Elternhaus künftig rascher Hilfe bekommen können, teilte die Landesstelle für Suchtfragen, eine Koordinierungsstelle der Liga der freien Wohlfahrtspflege in Baden-Württemberg, in Stuttgart mit.

Kindergruppe als Sicherheitsnetz

Auch die heute 28-jährige Jana war als Kind in dieser schwierigen Lage. Ihre Mutter trank. Hilfe brachte ihr und ihrer kleinen Schwester eine Gruppe für Kinder suchtkranker Eltern in Singen (Kreis Konstanz). Dort lernte Jana, offen über das zu sprechen, was ihr widerfahren war und wie es ihr wirklich ging. Sie sagt heute:

"Die Kindergruppe war für mich eines der Sicherheitsnetze unter meinem Seiltanz durchs Leben."

Jana, Kind einer alkoholkranken Mutter

Kinder brauchen frühzeitige Hilfe

Nicht nur Familienmitglieder, Freunde oder Nachbarn schauten noch viel zu oft weg, wenn Kinder suchtkranke Eltern haben. Auch professionelle Helfer übersähen dies oft, erklärt die Landesstelle für Suchtfragen. Es gelte jedoch: Je früher Kinder suchtkranker Eltern Hilfe bekommen, umso eher sind sie vor gravierenden negativen Folgen geschützt. Die Landesstelle für Suchtfragen fordere deshalb in einem Positionspapier, Hilfen und Unterstützungen für Kinder suchtkranker Eltern zu systematisieren.

"Man darf das nicht dem Zufall überlassen, ob Kinder mit so einer großen psychischen Belastung Hilfe bekommen oder nicht."

Elke Wallenwein, stellv. Vorsitzende Landesstelle für Suchtfragen

Bisher erreichten Hilfsangebote die Betroffenen oft nicht. Selbst da, wo die Eltern sich in Behandlung begeben, würden die Kinder nicht immer automatisch unterstützt. Die Landesstelle für Suchtfragen will unter anderem ambulante Gruppenprogramme für Kinder suchtkranker Eltern überall in Baden-Württemberg etablieren.

Suchtberatungsstellen einbeziehen

Jugendhilfe und Suchthilfe müssten außerdem enger zusammenrücken, forderte die Referentin für Suchtprävention der Landesstelle, Christa Niemeier. Die Suchtberatungsstelle müsse automatisch immer mit einbezogen werden.

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