Schulterschluss gegen Fahrverbote Kommentar: "Bündnis für Luftreinhaltung" ist lachhaft

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Mal wieder ging es um Diesel-Fahrverbote. Landesregierung, die Stadt Stuttgart und Firmen haben ein Luftreinhalte-Bündnis gegründet. Mal wieder gab es hochtrabende Worte - und wenig dahinter, meint Katharina Thoms.

Katharina Thoms, SWR-Redaktion Landespolitik (Foto: SWR, Alexander Kluge)
Katharina Thoms, SWR-Redaktion Landespolitik Alexander Kluge

Es tut mir leid. Sie haben was verpasst! Einen Lachanfall - von mir. Ziemlich bitter gelacht habe ich: über die Verkündungen der Landesregierung und der großen Autofirmen, der Zulieferer und anderer Unternehmen. Die haben jetzt nämlich "alle Register gezogen" - um ja, natürlich: Fahrverbote für Euro-5-Diesel zu verhindern. Amen.

Wenn Politik und Wirtschaft "alle Register ziehen" ...

Wie das dann aussieht? Na, die Firmen wollen mehr Homeoffice anbieten - für ihre Mitarbeitenden. Und Jobtickets - für Bus und Bahn. Oder die Mitarbeitenden sollen öfter mit dem Rad zu Arbeit fahren - dafür soll es dann auch Abstellplätze für Fahrräder geben - beim Daimler. Oder Ladesäulen - für E-Bikes und E-Autos bei Porsche. Oder beim Bosch. Jahaa! Und das ist noch nicht alles aus der langen Liste der, im Schönsprech vorgetragenen, "ehrgeizigen Maßnahmen".

Aber glauben Sie mir: Es wird nicht aufregender. Und Sie merken auch: Mein Lachanfall ist schon lange vorbei. Inzwischen bin ich wütend. Aber: Verstehen Sie mich nicht falsch! Das alles ist sinnvoll. Kann man machen. Aber: Ernsthaft? So sieht es aus, wenn Politik und Wirtschaft "alle Register ziehen"?

Jobticket, Homeoffice - das alles sollte nicht der Rede wert sein!

Seit Jahren können Firmen ein Jobticket anbieten. Und sie tun es ja auch! Ladesäulen haben Politik und Wirtschaft hier schon gefühlte 1.000 Mal angekündigt. Und: Wer 2019 noch kein Homeoffice anbietet, sollte damit besser jetzt auch nicht hausieren gehen. Das alles - es sollte nicht der Rede wert sein!

Wie wäre es mit Nachrüstungen für Diesel-Autos?

Ja, die Welt ist manchmal ungerecht - so hat es Ministerpräsident Kretschmann zum Besten gegeben. Und gemein auch. Denn, wenn - wie es am Mittwoch in der Presseerklärung hieß - wenn Wirtschaft und Politik an einem Strang ziehen, dann hätten sie am Mittwoch die seit zwei Jahren angekündigten Nachrüstungen für Diesel-Autos aus dem Hut zaubern können: Hier ist das Geld - lasst Eure Autos umbauen! Schöne Grüße, Eure Autofirmen. (Die das ja verbockt haben.)

Aber nein: Die Welt ist eben ungerecht! Deshalb: Beantragen Sie ein Jobticket, Ihr Arbeitgeber gibt was dazu. Vielleicht. Bald. Schöne Grüße auch!

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