Schüler melden sich im Unterricht (Foto: picture-alliance / Reportdienste, Daniel Reinhardt)

Schulen in Baden-Württemberg Schulleiter sehen Lehrermangel als wachsendes Problem

Schulleiter im Land klagen nach Angaben des Verbandes Bildung und Erziehung zunehmend über fehlende Lehrer. Bei der derzeitigen Arbeitsbelastung sei ein Burn-out bei vielen vorprogrammiert.

Immer mehr Schulen in Baden-Württemberg leiden unter Lehrermangel. "Sagte letztes Jahr jede dritte Schulleitung, mit Lehrermangel kämpfen zu müssen, ist es jetzt schon fast jede zweite", teilte der Verband Bildung und Erziehung (VBE) Baden-Württemberg am Freitag mit. Der VBE stützt sich auf eine Umfrage des Instituts Forsa unter rund 250 Schulleitern. Dies bedeute, dass von rund 5.000 Schulen rund 2.200 den Unterricht nicht mehr in allen Bereichen in der gewünschten Qualität sicherstellen könnten, sagte VBE-Landeschef Gerhard Brand.

Dauer

Vor allem Schulen in sozialen Brennpunkten litten darunter. Dort gebe es oft Seiteneinsteiger als Lehrer, obwohl Kinder dort eine besondere Förderung und Lehrer mit viel pädagogischem Geschick bräuchten. "Der Lehrermangel wird damit auf dem Rücken sozial benachteiligter Kinder ausgetragen", kritisierte Brand. Insgesamt werde die Schulpolitik in Baden-Württemberg von den Schulleitern mit der Note 3,7 bewertet.

Lehrer werden "in den Burn-out getrieben"

Zum anderen würden die gut ausgebildeten Lehrer durch die Gesamtsituation stärker belastet. "Durch jahrelange Fehlplanung und das Draufsatteln von Aufgaben werden sie regelrecht in den Burn-out getrieben", heißt es in der Pressemitteilung. Fast jede dritte Schulleitung gibt an, dass immer mehr Lehrkräfte aufgrund psychischer Erkrankungen langfristig ausfallen.

Eltern als Problem

Die Schulen betrachten aber auch das Verhalten mancher Eltern als ein Problem. "Zunehmend mehr Eltern versuchen, ihre Vorstellungen von Schulen mit allen Mitteln durchzusetzen", erklärte Braun. "Waren es letztes Jahr 14 Prozent der Schulleitungen, die Eltern als Problem sahen, sind es dieses Jahr 21 Prozent." Der stellvertretende VBE-Landeschef Dirk Lederte sprach von zunehmender Distanz- und Respektlosigkeit der Eltern. Die Bereitschaft, auf professionelle Ratschläge einzugehen und mit der Schule zu kooperieren, sinke.

Nach Angaben der VBE fordern die Rektoren mehr Zeit für ihre originären Aufgaben, mehr Lehrer, um freien Stellen zu besetzen und bessere Vertretungslösungen für kranke Lehrer. Nur 13 Prozent der Schulleiter fühlten sich durch das Kultusministerium unterstützt.

Fast ein Drittel der befragten Schulleiter würden ihren Job nicht mehr weiterempfehlen. 94 Prozent wünschten sich eine bessere personelle Ausstattung - sowohl mit pädagogischen Fachkräften als auch mit organisatorischen Stellen, wie dem Schulsekretariat.

Eisenmann hat Verständnis für Sorgen der Schulleiter

Das Kultusministerium, das von CDU-Politikerin Susanne Eisenmann geführt wird, zeigte Verständnis für die Sorgen der Schulleiter. "Die Befragung der Schulleitungen deckt sich in weiten Teilen mit unseren Erkenntnissen." Das Ziel sei, Schulleiter zu stärken. Eisenmann hat vor einiger Zeit unter anderem ein Konzept vorgelegt, nach dem Rektoren von Grundschulen besser bezahlt werden sollen. Sie legt dafür eine Zahl von mindestens 40 Schülern zugrunde. Noch streiten die Koalitionäre darüber: Die CDU will die bessere Bezahlung auch für noch kleinerer Schulen, die Grünen will sie nur für größere Schulen.

Leitungsfunktion für 174,71 Euro mehr im Monat?

Kritik an der derzeitigen Situation übt auch die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW). "In welchen Unternehmen würde jemand eine Leitungsfunktion für nur 174,71 Euro brutto (Anm.: mehr) im Monat übernehmen?", fragte sie am Freitag in einer Pressemitteilung und spielte damit auf den Gehaltsunterschied zwischen Schulleitern und Lehrern an. Genau das erwarte die grün-schwarze Landesregierung aber von den Schulleitungen kleiner Schulen.

Abhilfe für die schlechte Personalsituation könnten mehr Studienplätze schaffen, sagte die GEW-Landesvorsitzende Doro Moritz. "Deren Ausbau muss weitergehen", forderte sie. Die Verbesserung der Situation der Schulleitungen koste zwar Geld und Lehrerwochenstunden, aber beides sei gut investiert. "Weil gute Schulleitungen der Grundpfeiler für gute Arbeit an den Schulen sind."

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