Lehrermangel an Grundschulen (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/Sebastian Gollnow/dpa (Archiv))

Schulanfang in Baden-Württemberg GEW-Vorsitzende Moritz greift Kultusministerin Eisenmann an

Mehr Stellen, mehr Geld, mehr Zeit: Diese Forderungen stellt die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) an Kultusministerin Susanne Eisenmann für das kommende Schuljahr. Diese weist die Kritik zurück.

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16:00 Uhr
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SWR Fernsehen BW

Lehrer fehlen an allen Ecken und Enden, so die GEW-Landesvorsitzende Doro Moritz am Mittwoch in einer Pressekonferenz. In einer Woche beginnt in Baden-Württemberg ein neues Schuljahr. Bis zum Jahr 2030 brauche das Land rund 8.800 zusätzliche Lehrerstellen.

Diejenigen, die eine Stelle bekommen, würden häufig mit befristeten Verträgen abgespeist. Hier sei Baden-Württemberg mit rund 4.000 befristet beschäftigten Lehrern bundesweit Spitze, so Moritz. Quereinsteiger könnten den Mangel ebenfalls nicht beheben.

Mehr als ein Drittel der Stellen an Grundschulen nicht besetzt

Kurz vor den Sommerferien seien von ursprünglich 1.530 freien Stellen an den Grundschulen rund 600 noch nicht mit ausgebildeten Lehrern besetzt gewesen. Ähnlich sei die Situation an den Haupt-, Werkreal- und Realschulen: Von rund 1.500 freien Stellen seien rund 500 nicht besetzt gewesen. Damit sei Unterrichtsausfall programmiert.

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Hingegen seien viele Gymnasiallehrer arbeitslos. Moritz forderte, mit deren Hilfe den Pool von Vertretungslehrern aufzustocken, um Personallücken zu stopfen. Moritz griff Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU) an. Diese habe seit ihrem Amtsantritt 2016 viel angekündigt, aber keine Probleme gelöst. Eisenmann ist auch Spitzenkandidatin der CDU zur Landtagswahl 2021. Moritz hält davon wenig: "Ich möchte keine Ministerpräsidentin Eisenmann." Ihre Maßnahmen im Bildungsbereich seien an sehr konservative Wähler gerichtet. "Das ist nicht das, was ich mir für unser Land wünsche."

Eisenmann weist Kritik zurück

Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU) antwortete schriftlich auf die Kritik:

"Wenn die GEW keine Verbesserungen und Anstrengungen für mehr Qualität erkennt, dann hat sie einige Entwicklungen in der Bildungspolitik offensichtlich verpasst. Wir setzen alle Hebel in Bewegung, um auf den Lehrkräftemangel zu reagieren."

Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU)

Das Ministerium verwies auch auf die Lehrkräftebedarfsplanung bis 2030.

Landeselternbeirat verteidigt Eisenmann

Nach Auffassung des Landeselternbeirats ist Eisenmann unschuldig am Lehrermangel in Baden-Württemberg und mache unter den gegebenen Umständen einen guten Job. "Das muss man Frau Eisenmann auch zugutehalten. Diese Fehler, mit denen wir kämpfen, die hat sie nicht zu verantworten", sagte der Vorsitzende des Landeselternbeirats, Carsten Rees, am Dienstag in Stuttgart. "Aber sie hat sich wirklich im Rahmen des Mangels, den sie zu verwalten hat, sehr viel Mühe gegeben."

Die Entwicklung des Lehrermangels hat Rees zufolge vor mindestens 15 Jahren angefangen. Seitdem hätten sich Landesregierungen zu sehr auf Prognosen des Statistischen Landesamts verlassen, die einen Rückgang der Schülerzahlen prognostizierten, "obwohl sehr, sehr viele gesagt haben, die stimmen vorne und hinten nicht", kritisierte Rees.

Forderung: Grundschulen stärken

Zurücklehnen darf sich die Kultusministerin seiner Ansicht nach dennoch nicht. Sie müsse zum Beispiel die Attraktivität des Grundschullehrerberufs stärken, forderte Rees.

Auch die GEW appelliert in dieselbe Richtung: Die Kultusministerin solle vor allem die Grundschulen stärken. Hier könnten bestehende soziale Benachteiligungen am besten bekämpft werden, etwa mit Sprachförderstunden. Auch für die Kooperation zwischen Kitas und Grundschulen bräuchten die Grundschulen mehr Zeit und folglich auch mehr Lehrer. Die gebe es aber nur, wenn die Bezahlung stimme.

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