Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) im SWR-Sommerinterview (Foto: SWR)

SWR-Sommerinterview Kretschmann sorgt sich um Automobilstandort Baden-Württemberg

Ministerpräsident Kretschmann will sich dafür einsetzen, dass die Autos der Zukunft aus Baden-Württemberg kommen. Im SWR-Sommerinterview zeigt er außerdem Verständnis für "Fridays for Future"-Aktivisten.

Dauer
Sendedatum
Sendezeit
19:30 Uhr
Sender
SWR Fernsehen BW

"Wir haben da Sorgen, aber Angst machen muss man sich glaube ich nicht", sagte der baden-württembergische Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) im SWR-Sommerinterview mit Blick auf den Wandel in der Automobilindustrie. Die Entwicklung koste Arbeitsplätze, schaffe aber auch gleichzeitig neue. Er wolle sich dafür einsetzen, dass die Autos der Zukunft in Baden-Württemberg vom Band rollen.

Ein "Smartphone auf Rädern"

Das Auto der Zukunft sei ein "Smartphone auf Rädern", weshalb sich Arbeitsplätze verlagern würden und Arbeitnehmer sich umschulen lassen müssten. Der Wandlungsprozess in der Mobilität wälze eine der Kernbranchen im Land um. Es gehe um den Fortbestand des Wohlstands in Deutschland.

In dem Zusammenhang erneuerte er abermals seine Kritik an der Entscheidung des Bundes, eine Batteriezellenforschungsfabrik nicht in Ulm, sondern in Münster aufzubauen. "Das ist eine Fehlentscheidung und eine Schlappe für Deutschland", sagte Kretschmann. In Baden-Württemberg sei die entsprechende Industrie ansässig, Nordrhein-Westfalen könne das so nicht bieten. Die Autoländer Baden-Württemberg, Bayern und Niedersachsen seien ein großer Teil des Rückgrats der deutschen Wirtschaft. Die wahren Konkurrenten für die deutsche Autoindustrie seien China und das Silicon Valley.

"Deutschland ist ja keine Bananenrepublik"

Kretschmann wies außerdem Vorwürfe von sich, dass Baden-Württemberg keine guten Beziehungen zur Bundesregierung habe. Kritiker hatten bemängelt, dass der fehlende Einfluss der Landesregierung in Berlin mitverantwortlich sei für die Entscheidung. Er habe gute Beziehungen zur Kanzlerin, so Kretschmann. Aber das könne kein Kriterium sein, "Deutschland ist ja keine Bananenrepublik".

Verständnis für "Fridays for Future"

Neben dem wirtschaftlichen und industriellen Konkurrenzdruck müsse man neue Entwicklungen jedoch auch mit den Klimazielen in Einklang bringen. Für die Klimaschutzaktivisten von "Fridays for Future" zeigte Kretschmann Verständnis: Er habe auch ein grünes Herz, aber ein "Revoluzzerherz" habe er in seinem Alter nicht mehr, so der Ministerpräsident. Es gehe um die Zukunft der Schüler. Deshalb sei es gut, dass die Bewegung Druck auf die Politik mache.

"Man muss mit mir rechnen"

Auf die Frage, ob er ein weiteres Mal als Ministerpräsident kandidieren wolle, sagte Kretschmann, man müsse mit ihm rechnen. Entschieden habe er sich aber nach wie vor noch nicht.

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