Eine Wildbiene (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/Sebastian Gollnow/dpa)

Start der Unterschriftenaktion "Rettet die Bienen": Bio-Bauern üben heftige Kritik

AUTOR/IN
AUTOR/IN

Es wird ernst für die Initiative "Rettet die Bienen": Ab Dienstag sammeln Bienenfreunde in Baden-Württemberg Unterschriften für ein Volksbegehren - entgegen teils heftiger Kritik.

Für ein erfolgreiches Volksbegehren müssten innerhalb von sechs Monaten rund 770.000 Unterstützer unterschreiben - das ist jeder zehnte Wahlberechtigte in Baden-Württemberg. Falls das klappt, wird der Gesetzentwurf dem Landtag zur Abstimmung vorgelegt. Findet er keine Mehrheit, folgt eine Volksabstimmung.

Die Initiative fordert unter anderem die Halbierung des mit Pestiziden belasteten Flächenanteils bis 2025, stärkeren Bestandsschutz für Streuobstwiesen und die landeseigenen Äcker sollen alle ökologisch bewirtschaftet werden. Daneben soll ein Ausbau der ökologischen Landwirtschaft auf 50 Prozent im Jahr 2035 angestrebt werden. Zum Vergleich: Im Moment sind es 14 Prozent.

Selbst Bio-Spritzmittel nur in Ausnahmefällen

Kritik an dem Vorhaben kommt zum Beispiel von Bauer Thomas Romer aus Litzelstetten bei Konstanz. Neben konventionellen Früchten baut er zum Teil auch Bio-Obst an. Sein Problem: Viele seiner Flächen stehen unter Naturschutz. Die Forderungen des Volksbegehrens hätten zur Folge, dass er dort gar keine Spritzmittel mehr verwenden dürfte – selbst biologische nur noch in Ausnahmefällen. Doch aus Romers Sicht sind die notwendig. "Auch Bio-Bäume kriegen alle Krankheiten, die ein konventioneller Baum auch kriegt. Der einzige Unterschied ist: Die Bio-Bäume gehen nicht zum Doktor, sondern zum Naturheiler!"

Im Bio-Anbau würden Mittel wie Schwefel, Kupfer oder Chrysanthemen-Extrakt gegen Pilze und Schädlinge eingesetzt. Und nicht wenig, sagt Romer: "Die Bio-Plantage, die müssen wir bis zu fünf-, sechsmal mehr spritzen." Denn konventionelle Mittel würden länger wirken, Bio-Mittel wasche der Regen schneller ab.

Milchbauer: Forderungen nicht zu Ende gedacht

Doch die Vertreter des Volksbegehrens bleiben dabei: In Schutzgebieten haben Spritzmittel aus ihrer Sicht nichts zu suchen. Romer, der auch auf konventionelle Art anbaut, betont, er nutze ohnehin möglichst wenig Pestizide: "Die Pflanzenschutzmittel, die kosten Geld. Wir gucken, dass wir so wenig wie möglich davon ausbringen und nur, wenn es unbedingt notwendig ist."

Für den konventionellen Milchbauern Andreas Schleicher aus Dauchingen im Schwarzwald-Baar-Kreis sind die Forderungen des Volksbegehrens nicht zu Ende gedacht. Für Bio-Milch gebe es jetzt schon zu wenig Absatzmöglichkeiten. Er befürchtet, durch eine Ausweitung der Bio-Landwirtschaft würden die Preise sinken: "Dann ist die ganze Bio-Landwirtschaft eigentlich auch kaputt, so wie ein großer Teil der konventionellen Landwirtschaft schon stark gefährdet ist."

Kritik auch von den Grünen

Natürliche Mittel gegen Unkraut seien außerdem nicht unbedingt besser für Insekten, betont er: "Wenn ich Wildkräuter beseitigen möchte und dafür Glyphosat nehme, dann habe ich nur die Pflanzen beseitigt. Die Insekten - Grashüpfer, Bienen, Wildbienen - suchen sich ihren Weg neu." Andere Mittel wie Flammen, heißes Wasser oder mechanische Bodenbearbeitung würden auch die Insekten töten.

Die Regierungsparteien nehmen die Bedenken ernst. Die CDU steht dem Volksbegehren ohnehin sehr skeptisch gegenüber. Aber auch bei den Grünen regt sich Widerstand. Martin Hahn, agrarpolitischer Sprecher der Grünen-Fraktion und selbst Öko-Bauer, hat vor einem ruinösen Preiswettbewerb in der Bio-Branche gewarnt. Auf ihrem Parteitag am Wochenende in Sindelfingen (Kreis Böblingen) stimmten die Grünen für einen Antrag, der sich gegen das angestrebte Pestizidverbot in Schutzgebieten wendet. Damit werde das Verbot auf rund ein Drittel der landwirtschaftlich genutzten Fläche Baden-Württembergs ausgeweitet. Mit dem beschlossenen Antrag werden Landesregierung und Grünen-Landtagsfraktion aufgefordert, mit den Initiatoren des Begehrens zu reden, um das Pestizidverbot in Schutzgebieten "praxistauglich" zu gestalten.

AUTOR/IN
STAND
AUTOR/IN