Baustelle S21 (Foto: SWR)

Probleme mit dem Deutschland-Takt Stuttgart 21: Bundesregierung bestätigt lange Umsteigezeiten

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Die Bundesregierung hat bestätigt, dass es bei Stuttgart 21 mit dem Zielfahrplan 2030 in der Landeshauptstadt zum Teil lange Umsteigezeiten geben wird. Vorausgegangen war eine Anfrage der Grünen im Bundestag.

Dauer
Sendedatum
Sendezeit
19:30 Uhr
Sender
SWR Fernsehen BW

Die Anfrage hatte der Bundestagsabgeordnete und bahnpolitische Sprecher der Grünen, Matthias Gastel, auf den Weg gebracht. Sie liegt dem SWR exklusiv vor.

Für einige Verbindungen mit Großstädten wird es den im Rahmen des "Deutschland-Taktes" versprochenen 30-Minuten-Takt von Stuttgart aus nicht geben. Das hat die Bundesregierung bestätigt. Grund ist offenbar, dass dafür mehr Gleise benötigt würden als im neuen Tiefbahnhof vorgesehen sind. Betroffen sind die Verbindungen von Stuttgart nach Dresden, Nürnberg, Bonn, Braunschweig, Aachen und Chemnitz. Für diese Städte gibt es nur einen 60-Minuten-Takt, für Nürnberg einen 45- und einen 75-Minuten-Takt.

Lange Umsteigezeiten

Auch innerhalb von Baden-Württemberg können die Bahnverbindungen mit dem sogenannten Deutschland-Takt laut Zielfahrplan in etlichen Fällen nicht verbessert werden. So sind Umsteigezeiten von mehr als 15 Minuten erforderlich, was nicht zu einem integrierten Taktsystem nach Schweizer Vorbild passen würde.

Dies gilt beispielsweise für sieben von neun Verbindungen aus Tübingen. Bei der Fahrt von Singen nach Heilbronn muss man in Stuttgart 33 Minuten warten. Und wer von Mannheim nach Friedrichshafen fahren will, hat in Ulm eine längere Wartezeit, 20 oder 26 Minuten.

Probleme bei starker Belastung

Besonders eng wird es im neuen Stuttgarter Tiefbahnhof laut Antwort der Bundesregierung in der Rushhour. Dann sind in elf Fällen Doppelbelegungen vorgesehen. Dies bedeutet, dass zwei Züge zur gleichen Zeit hintereinander an einem Bahnsteig halten. Trotzdem hält die Regierung eine Ausweitung der Kapazität von Stuttgart 21 zur Realisierung des Deutschlandtakts nicht für notwendig.

Muss der Kopfbahnhof bleiben?

Grünen-Politiker Matthias Gastel erklärte, die Bundesregierung bleibe weiterhin den Nachweis schuldig, "dass sich im neuen Stuttgarter Bahnknoten der Deutschlandtakt und eine Verdopplung der Fahrgastzahlen umsetzen lassen". Der Abgeordnete aus dem Landkreis Esslingen fordert deshalb zusätzliche Gleis-Kapazitäten im Stuttgarter Bahnknoten.

Bernd Riexinger, Chef der Linken, fordert den Erhalt des bestehenden Kopfbahnhofs. Der sei "unausweichlich". "Die Warnungen der Bewegung gegen Stuttgart 21 wurden allesamt ignoriert und jetzt bekommen die politisch Verantwortlichen in Stadt, Land und Bund die Rechnung dafür. Ausbaden müssen es die Menschen in Stuttgart und die Fahrgäste, die mit Stuttgart 21 ab dem Jahr 2030 in einem Nadelöhr feststecken werden", hieß es in einer Mitteilung.

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