Ein Zug vom Hersteller Bombardier steht im Morgengrauen im Bahnhof Winnenden (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance / Benjamin Beytekin)

Probleme bei Abellio in Baden-Württemberg Hermann erhebt schwere Vorwürfe gegen Zughersteller Bombardier

Weil der Zughersteller Bombardier nicht zuverlässig liefert, kommt es auf Strecken des privaten Bahnanbieters Abellio immer wieder zu Ausfällen. Verkehrsminister Hermann kritisiert das Unternehmen scharf.

Er habe selten ein derart unzuverlässiges Unternehmen wie Bombardier erlebt, sagte der baden-württembergische Verkehrsminister Winfried Hermann (Grüne). Der Zughersteller sei offenbar nicht handlungsfähig.

"Der Konzern ist offensichtlich international nicht gut aufgestellt, nicht leistungsfähig", sagte Hermann. "Das hat auch damit zu tun, dass man seit Jahren den Konzern umbaut und ständig die Manager wechselt. Das kann nicht gut gehen." Bombardier befindet sich aktuell tatsächlich in einer Umbauphase. In Deutschland schreibt der Konzern seit Jahren rote Zahlen, Stellen müssen abgebaut werden.

Bombardier sollte eigentlich 16 Züge an den privaten Bahnanbieter Abellio liefern, gekommen sind gerade einmal vier. Abellio muss seine Strecken im sogenannten Stuttgarter Netz mit alten Fahrzeugen, unter anderem von der Deutschen Bahn, befahren. Die sind weniger komfortabel und müssen häufig gewartet werden. "Wir sind mehr als verärgert über den wiederholten Lieferverzug und die Hinhaltetaktik von Bombardier", sagte Abellio-Manager Roman Müller.

Seit Beginn Probleme bei Abellio und Go-Ahead

Wenn Abellio bis September nicht mindestens elf Züge von Bombardier bekomme, müssten zahlreiche Verbindungen ausfallen. Die Leidtragenden wären letztlich die Fahrgäste, wie schon zum Start von Abellio im Juni. Damals hatte das Unternehmen gemeinsam mit dem Anbieter Go-Ahead den Betrieb auf den Nahverkehrsstrecken des Stuttgarter Netzes von der Bahntochter DB Regio übernommen.

Dauer

Bei beiden Anbietern gab es massive Startschwierigkeiten, die sich teilweise über Wochen hinzogen. Abellio fährt unter anderem von Stuttgart nach Heidelberg, Pforzheim und Bruchsal. Zuletzt hatte Verkehrsminister Hermann die Fahrgäste noch um Geduld gebeten. Nun scheint er selbst die Geduld verloren zu haben.

Bombardier verweist auf schwierige Zulassungsbedingungen

Bombardier selbst gibt an, dass unter anderem die anspruchsvollen Zulassungsverfahren in Deutschland zu den Lieferengpässen geführt haben. "Speziell auch im Bereich der Software, die diesen Zug steuert, gibt es enorme Anforderungen", sagte Michael Fohrer, Geschäftsführer von Bombardier Transportation. "Wir hatten Probleme, wir haben die gelöst und wir liefern jetzt entsprechend der neuen Lieferpläne."

Nicht nur Baden-Württemberg wartet auf Züge von Bombardier. Auch im Saarland, in der Schweiz, in London und New York kommt es zu Verzögerungen bei der Lieferung von Zügen. Die oppositionelle SPD übte deswegen Kritik an Hermann: Dem Verkehrsministerium sei hinlänglich bekannt gewesen, dass Bombardier der Partner der Wahl bei Abellio sein würde, sagte SPD-Verkehrsexperte Martin Rivoir. Auch die Vorgeschichte von Bombardier in Bezug auf Lieferverzögerungen hätte somit für den Verkehrsminister keine Neuigkeit sein dürfen.

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