Winfried Kretschmann (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/Sebastian Gollnow/dpa)

Dritte Amtszeit als Ministerpräsident? Erneute Kandidatur: Kretschmann will es noch mal wissen

Ministerpräsident Winfried Kretschmann will auch bei der kommenden Landtagswahl als Spitzenkandidat der Grünen antreten. Seine Gründe legte er am Donnerstag in einer Pressekonferenz in Stuttgart dar.

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"Ich werde meinen Hut wieder in den Ring werfen", sagte Kretschmann auf der Pressekonferenz am Donnerstag. Er habe aus seiner Partei nur den Wunsch gehört, dass er weitermachen soll, sagte Kretschmann. Er sieht auch in seinem fortgeschrittenen Alter kein Problem für die erneute Bewerbung als Ministerpräsident. Auch seine Frau habe zu ihm gesagt: "Mach das noch mal."

Entscheidend sei, dass man dem Amt körperlich und geistig gewachsen sei. "Den Eindruck habe ich von mir selber, dass das so ist." Ebenfalls wichtig sei, auch weiterhin neugierig zu bleiben.

Aufgabe: "Stabilität im Wandel"

Man stehe vor einem Klimawandel sowohl in der Natur als auch in der Politik - das sei eine riesige Herausforderung. Kretschmann machte auch deutlich, dass er für eine gesamte Legislaturperiode antritt. Ob man es tatsächlich so lange mache, hänge von vielen Dingen ab. "Stabilität im Wandel, das ist letztlich der politische Grund, warum ich glaube, dass ich das nochmal machen soll", erklärte Kretschmann am Donnerstag weiter.

Am Abend hat Kretschmann eingeräumt, dass er zuvor andere Grünenpolitiker zur Spitzenkandidatur bei den kommenden Landtagswahlen bewegen wollte. "Ich habe schon auch die Leute angesprochen, den ehemaligen Oberbürgermeister von Freiburg, Dieter Salomon, und der hat mir zwei Mal eine klare Absage verpasst“, sagte Kretschmann im SWR-Politikmagazin "Zur Sache Baden-Württemberg".

Die Grünen freuen sich über Kretschmanns Entscheidung. Es brauche einen Regierungschef, der Erfahrung habe, Neugier, Veränderungsbereitschaft und Zuversicht, sagte Grünen-Landeschefin Sandra Detzer. "Mitte und Maß verkörpert in der Politik niemand so gut wie du, Winfried."

Kretschmann schreibt öffentlichen Brief

Kretschmann hatte sich bereits vor der Pressekonferenz auf seiner Website in einem öffentlichen Brief an die Bürger Baden-Württembergs gewandt. Er wolle sich weiter "voll einbringen" - "mit Neugier und Erfahrung, mit Mut und Besonnenheit", so Kretschmann. Seine Entscheidung, erneut zu kandidieren, wurde außerdem von den baden-württembergischen Grünen ebenfalls vor der Pressekonferenz per sozialen Medien bekannt gemacht.

Winfried #Kretschmann wird erneut als Ministerpräsident von Baden-Württemberg antreten. Warum und wofür er wieder antritt, erläutert er in einem Brief an die Bürger*innen: https://t.co/nsNurOH0gw https://t.co/ajIyJlTcs1

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CDU freut sich auf den Wettbewerb

In einer ersten Reaktion sagte die Spitzenkandidatin der Landes-CDU, Susanne Eisenmann, sie habe in keiner Situation mit einem anderen Gegenkandidaten als Kretschmann gerechnet. "Wir freuen uns auf einen fairen und in der Sache harten Wettbewerb", so Eisenmann. Sie sagte aber auch: "Keiner hat das Amt gepachtet." Kretschmann betonte, dass er Eisenmann für eine absolut respektable Gegnerin halte. Er appellierte an die CDU, vernünftig weiter zu regieren und nicht verfrüht in den Wahlkampf zu starten.

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Große Beliebtheit

Kretschmann ist seit 2011 der erste und bislang einzige grüne Ministerpräsident eines Bundeslandes und genießt hohe Beliebtheitswerte in der Bevölkerung. Seit 2016 regiert er mit einer grün-schwarzen Koalition - davor gab es ein grün-rotes Bündnis.

"Landesgroßvater gefällt mir nicht. Was soll das für einen Sinn machen? Ich hatte ja schon ein Problem mit 'Landesvater'."

Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne)

2016 waren die Grünen mit ihm an der Spitze als stärkste Kraft aus der Landtagswahl hervorgegangen. Sie holten 30,3 Prozent. Die CDU landete mit 27 Prozent auf dem zweiten Platz.

So analysiert ein Politik-Experte die Aussagen Kretschmanns:

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Langes Zögern und Zaudern

Kretschmann tat sich mit der Entscheidung einer erneuten Spitzenkandidatur nicht leicht. Immer wieder verwies er in den vergangenen Monaten darauf, dass er zum Zeitpunkt der nächsten Landtagswahl 72 Jahre alt sein werde. Andererseits haben es die Grünen versäumt, einen Nachfolger für Kretschmann aufzubauen. Hätte Kretschmann auf die Spitzenkandidatur verzichtet, hätten die Grünen unter Zeitdruck einen Nachfolger suchen und aufbauen müssen. Die Landtagswahl ist im Frühjahr 2021.

Unsere Umfrage auf Facebook ergab vor der Pressekonferenz:

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