Dienstwägen stehen in einer Reihe (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/Gregor Fischer/dpa)

Analyse der Deutschen Umwelthilfe Hermann: Die Berechnung der Dienstwagen-Emissionen ist nicht gerecht

Die Dienstautos der Minister der Landesregierung schneiden in einer Emissions-Analyse der Deutschen Umwelthilfe nicht gut ab. Verkehrsminister Hermann widerspricht der Untersuchung und kritisiert die Berechnungsgrundlage.

Dauer
Sendedatum
Sendezeit
18:00 Uhr
Sender
SWR Fernsehen BW

Im Vergleich der Minister aller Bundesländer liegen die aus Baden-Württemberg beim durchschnittlichen Ausstoß des umweltschädlichen CO2 mit 244 Gramm pro Kilometer auf dem vorletzten Platz. Das teilte die Deutsche Umwelthilfe (DUH) am Montag in Berlin mit.

2018 war Baden-Württemberg noch einen Platz besser gewesen. Den letzten Platz belegt Hessen. Laut DUH konnten Verkehrsminister Winfried Hermann und Umweltminister Franz Untersteller (beide Grüne) den CO2-Ausstoß im Vergleich zum Vorjahr reduzieren. Sie sind demnach zwei von drei Ministern in Deutschland, die auf ein reines Elektroauto (166 g/km) umgestiegen sind. Trotzdem sind sie weit davon entfernt, klimaneutral zu fahren, zumindest nach der Berechnung der DUH.

Hermann: "Die Berechnung ist nicht gerecht"

Verkehrsminister Winfried Hermann (Grüne) kritisiert im SWR die Berechnungsmethode der Deutschen Umwelthilfe, die als Grundlage für die Analyse diente. Die Emissionen der Dienstwagen werden nicht gerecht abgerechnet, betonte der Grünen-Politiker: "Mein Auto ist ein vollelektrisches Fahrzeug, das wird mit dem deutschen Strommix gerechnet und das ist einfach nicht richtig." Laut Hermann fahre die Landesflotte bereits seit zehn Jahren mit Öko-Strom. "Das heißt es sind Null Emissionen", so Hermann. Zudem moniert Hermann, dass die DUH bei ihrer Analyse nicht beachte, dass viele Minister auch für Termine und Veranstaltungen die Öffentlichen Verkehrsmittel nutzen.

"Es gibt sogar die Fälle, dass meine Kollegen in Bremen, die sich den Dienstwagen teilen, den dreimal angerechnet kriegen. Das ist eigentlich nicht gerecht."

Winfried Hermann (Grüne), Verkehrsminister BW

Ein Problem sieht Hermann beim Angebot von Elektroautos. So gäbe es bisher nicht ausreichende Elektro-Modelle, die als Dienstwagen einsetzbar seien. "Die leichten Fahrzeuge gibt es noch nicht," sagte Hermann im SWR.

Innenminister mit schlechter Bilanz

Den Dienstwagen mit dem höchsten CO2-Ausstoß (376 g/km) in Baden-Württemberg und zweithöchsten in Deutschland fährt der Analyse zufolge Innenminister Thomas Strobl (CDU). Dem SWR gegenüber sagte ein Sprecher des Innenministeriums "der Dienstwagen eines Innenministers ist aus Sicherheitsgründen gepanzert." Ein gepanzertes Fahrzeug benötige aufgrund des Gewichts einen ausreichend großen Motor.

Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) belegt unter den Regierungschefs der Länder mit seiner Mercedes-S-Klasse in Hybrid-Ausführung Platz fünf (228 g/km). Kretschmann hatte sich Ende 2018 zwar einen E-Stadtgeländewagen, Modell "GLC F-Cell", angeschafft. Nach Angaben der Landesregierung nutzt Kretschmann die S-Klasse jedoch von seinen Dienstwagen, er hat laut Landesregierung drei davon, am häufigsten. Der Ministerpräsident ist natürlich nicht der einzige Politiker mit mehreren Dienstwagen - in solchen Fällen bezieht die DUH immer die Fahrzeuge in ihre Analyse ein, die die "schlechtesten" Werte haben.

Plug-In-Hybride, die sowohl mit Benzin als auch elektrisch fahren können, sind zwar beliebt – laut DUH aber schlechter als ihr Ruf, weil sie meist im Verbrennermodus fahren würden.

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