picture allianceDaniel Maurerdpa (Foto: dpa Bildfunk, Picture Alliance)

Diskussion um Widerspruchsregelung Organspende: BW-Minister Lucha begrüßt Spahns Entwurf

Nach den Vorstellungen von Bundesgesundheitsminister Spahn soll künftig jeder Bürger als Organspender gelten, sofern er nicht zuvor widersprochen hat. Baden-Württembergs Sozialminister Lucha stimmt dem Entwurf zu.

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Sendedatum
Sendezeit
19:30 Uhr
Sender
SWR Fernsehen BW

"Alle Länder, die eine Widerspruchslösung oder Vergleichbares haben, haben bessere Transplantationszahlen wie wir", sagte Sozialmister Manfred Lucha (Grüne). Laut dem Minister genießt die Organtransplantation in der Bevölkerung ein hohes Ansehen. Hintergrund des Entwurfs sei jedoch, etwas gegen die Trägheit der Personen zu tun und mehr Organspender zu aktivieren.

Spahn stellt Entwurf vor

Der Vorstoß von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) und weiterer Bundestagsabgeordneter sieht vor, dass künftig jeder Bürger grundsätzlich als Organspender gilt, sofern er dem nicht zuvor widersprochen hat. Dazu stellte Spahn als Abgeordneter am Montag in Berlin einen Gruppenantrag für eine doppelte Widerspruchslösung vor. Wer einer Entnahme seiner Organe widersprechen will, muss dies demnach in ein Register eintragen lassen, wobei der Eintrag jederzeit geändert werden kann.

Der Bundestag will fraktionsoffen über die Neuregelung der Organspende abstimmen.

Viele kritisieren Spahns Entwurf

Bereits am Wochenende stieß der Vorschlag auf breite Kritik. Der Vorsitzende des Deutschen Ethikrates, Peter Dabrock, nannte die Widerspruchslösung im Deutschlandfunk "unnötig und schädlich", da sie das Vertrauen untergrabe.

Auch die Grünen-Chefin Annalena Baerbock lehnt den Entwurf ab. Sie warb am Sonntag für verbindliche, regelmäßige Befragungen der Bürger und ein bundesweites Online-Register. "Wir wollen die Organspende nach dem Tod als eine bewusste und freiwillige Entscheidung beibehalten und stärken, die nicht durch den Staat erzwungen werden darf. Die Selbstbestimmung über den eigenen Körper ist ein zentrales Element menschlicher Würde," so Baerbock.

Lucha betont dagegen: "Wer tatsächlich sagt, ich habe Bedenken, was ich respektiere, wird das kundtun und sein Wille wird dokumentiert." Für alle anderen gebe es die Chance die bedarfsgerechte Transplantation umzusetzen, so Lucha.

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