eine Wildkatze im Wildpark Tripsdrill (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/Sebastian Gollnow/dpa)

Naturschutz in Baden-Württemberg Trüffelbäume für die Wildkatze

Die Forstverwaltung Baden-Württemberg möchte dazu beitragen, dass Wildkatzen im Land wieder heimisch werden. Dabei helfen sollen sogenannte Trüffelbäume. Naturschützer sehen das kritisch und fordern andere Maßnahmen.

Die Wildkatze galt fast hundert Jahre lang als ausgestorben. Erst 2006 konnte wieder ein Exemplar in Baden-Württemberg nachgewiesen werden – weil es von einem Auto überfahren wurde. Wildkatzen sind sehr scheu und nicht leicht zu finden. Durch intensive Überwachung haben die zuständigen Behörden sie inzwischen flächendeckend in den Wäldern entlang des Rheins nachweisen können. Sie sind aus Frankreich an den Oberrhein gekommen. Von dort aus könnte sich theoretisch die streng geschützte Art weiter ausbreiten, beispielsweise im Nordschwarzwald und auf der Schwäbischen Alb.

Allerdings meiden Wildkatzen offene Flächen. Sie bevorzugen Gehölze, unter denen sie geschützt unterwegs sein können. Auf dem Weg in den Schwarzwald und auf die Alb fehlen diese Korridore aber auf weiten Strecken. Auch Straßen, Äcker und Häuser blockieren ihren Weg dorthin. Deshalb fördert das baden-württembergische Landwirtschaftsministerium die Anpflanzung von sogenannten Trüffelbäumen.

Baum für die Katze, Trüffel für den Mensch

Von ihnen hätten beide etwas - der private Grundbesitzer, der sie anpflanzt, und die Wildkatze. Denn sie bekommt das Gehölz, durch das sie schleichen kann, er kann, wenn auch nicht sofort, die Trüffel ernten und verkaufen - eine klassische Win-Win-Situation also. Bis Ende des Jahres stehen noch 50.000 Euro an Fördergeldern zur Verfügung. Wer einen solchen Baum pflanzt, bekommt die Hälfte des Kaufpreises vom Land zurück.

Es braucht vor allem Laubwälder

Um der Wildkatze Lebensräume zu bieten und ihr Überleben zu sichern, sind vor allem Laubwälder nötig, die genug Rückzugsmöglichkeiten für die Wildkatze und ihren Nachwuchs bieten. Ideal sind ein Wechsel von offeneren und dicht bewachsenen Wäldern, viel Totholz und abwechslungsreiche Waldränder. Auch dafür eignen sich laut der Forstverwaltung des Landes Trüffelbäume oder Trüffelsträucher. Mit ihnen könnten auch Bachufer bepflanzt werden, in der bewirtschafteten Kulturlandschaft braucht eine Wildkatze ebenfalls Zufluchtsmöglichkeiten.

BUND: "Der perfekte Lebensraum ist der Wald"

Der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) in Baden-Württemberg sieht das kritisch. Naturschutzreferentin Lilith Stelzner meint, dass der Fokus nicht so sehr auf Trüffelanpflanzungen in der offenen Landschaft liegen sollte, sondern auf naturnahen Wäldern. Denn die seien der perfekte Lebensraum für die Wildkatze, im Gegensatz zu den Trüffelplantagen. Offene Flächen seien nicht so beliebt bei den scheuen Tieren. Hinzu käme, dass nur 0,6 Prozent der Gesamtwaldfläche unbewirtschaftet seien - es also eher zu wenig Rückzugsraum für die Wildkatze im Land gäbe. "Die Wildkatze braucht vor allem naturnahe Eichen- und Mischwälder mit verschiedenen Strukturen und viel Totholz."

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