Ein Bauarbeiter trägt auf einer Baustelle auf einem Hausdach ein Brett. (Foto: dpa Bildfunk, Picture Alliance)

Zu wenig Fachleute in baden-württembergischen Kommunen Personalmangel in Ämtern bremst Bauvorhaben aus

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Zehn Jahre Konjunktur-Hoch haben in vielen Rathäusern und Verwaltungen für Personalmangel gesorgt - besonders in technischen Berufen. Konsequenz: Neubauten oder Sanierungen verzögern sich.

Die meisten Städte und Gemeinden haben Sanierungsbedarf bei öffentlichen Einrichtungen. Allein in Esslingen müssen rund 1.000 Gebäude saniert werden, allen voran Schulen und Kitas. Doch weil Personal und Fachleute fehlen, liegen zahlreiche Projekte auf Eis, so Roland Karpentier, Sprecher der Stadt Esslingen. "Da fehlen die entsprechenden Kapazitäten zur Projektbetreuung, Planung und begleitenden Umsetzung. Das führt auch dazu, dass einzelne Projekte zeitlich geschoben werden mussten."

Stellen in Kommunen können oft nicht besetzt werden

Nach einer Erhebung des baden-württembergischen Städtetags müssen allein in den Schulen des Landes vier Milliarden Euro investiert werden, weil sie in die Jahre gekommen sind. Gerade in den Bauverwaltungen sieht es allerdings schlecht aus: weil Ingenieure und Architekten in der freien Wirtschaft deutlich mehr verdienen, können diese Stellen in den Kommunen oft nicht besetzt werden.

"Wir konnten nicht so attraktive Gelder bieten, wie sie die Wirtschaft seither geboten hat, insoweit tun wir uns schwer. Beispielsweise Verkehrsplaner, IT-Fachkräfte oder auch Ingenieure und Architekten für Hoch- und Tiefbau-Bereiche zu gewinnen", so Karpentier.

Eine Schule war PCB-verseucht

Das führt an den Schulen mitunter zum Sanierungsstau. Denn wenn dringende Baumaßnahmen anstehen, landen andere Projekte in der Warteschleife. In Esslingen beispielsweise müssen zwei Neckarbrücken dringend saniert werden, außerdem gab es Handlungsbedarf, weil eine Schule PCB-verseucht war: "Wir mussten eine Realschule in ein Containerdorf umsiedeln, um die gesamten Lehrkörper und die Schüler so schnell wie möglich aus dem belasteten Altbau der Schule herauszubringen. Dieses kommt dann als Sofort-Aktion hinzu", sagte der Esslinger Sprecher der Stadt.

Gemeindetag beklagt drastische Zunahme an Bauvorschriften

Neben der schwierigen Personalsituation in den Bauverwaltungen beklagt der Gemeindetag Baden-Württemberg eine drastische Zunahme an Bauvorschriften. Auch dadurch werde das Problem verschärft und drängende Sanierungen würden unnötig lange auf sich warten lassen, sagt Gemeindetags-Präsident Roger Kehle.

"1990 hatten wir bundesweit 5.000 Vorschriften für den Bau. Das war damals schon wahnsinng viel. Heute sind es über 20.000 Bauvorschriften und sie erfahren quasi täglich eine Erweiterung. Weniger Vorschriften mit dem gleichen Personal - damit können Verfahren beschleunigt werden", so Kehle.

Radweg zwar finanziert, aber immer noch nicht fertig

Der Mangel an Planern und Bauingenieuren hat in Esslingen inzwischen zu einer regelrechten Posse geführt. Vor Jahren hat die Stadtverwaltung vom Land Baden-Württemberg den Bau eines neuen Radwegs im Schurwald übernommen, weil das Regierungspräsidium zu wenig Planer hatte. Doch das Projekt ist auch bei der Stadt Esslingen liegengeblieben, sagt Stadtsprecher Karpentier.

Mit der Folge, dass der neue Radweg zwar finanziert, aber auch nach vielen Jahren immer noch nicht fertig ist. "Mindestens sieben Jahre nach der Zusage, dass die 325.000 Euro Baukosten vom Land übernommen werden. Der Wille war immer da, aber ohne Fachplanung, ohne Kapazitäten dafür, geht halt die Umsetzung nicht", so Karpentier.

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