Nach Datenmissbrauch bei der Jobbörse Bundesagentur löscht tausende Stellen im Internet

Anfang Mai haben SWR-Recherchen Datenmissbrauch bei der Jobbörse der Bundesagentur für Arbeit aufgedeckt – nun hat die Arbeitsagentur tausende Stellenangebote gelöscht.

Ein Tablet, auf dem eine womöglich gefälschte Stellenanzeige bei der Jobbörse der Bundesagentur für Arbeit zu sehen ist (Foto: SWR)
Rund 3.000 womöglich gefälschte Stellenanzeigen hatte Johann S. bei der Jobbörse der BA inseriert

Der Berliner Geschäftsmann Johann S. stellte am Tag bis zu 3.000 Stellen in die Online-Jobbörse der Bundesagentur für Arbeit. Dann verkaufte er die erhaltenen Daten weiter, etwa an Zeitarbeitsfirmen - auch aus Baden-Württemberg. Reporter des SWR deckten den Datenhandel auf. Bei ihren Recherchen bewarben sie sich auf Stellenausschreibungen von Johann S. und wurden von einer Zeitarbeitsfirma aus Stuttgart kontaktiert. Als fingiertes Unternehmen kauften sie außerdem Bewerber-Daten von S.

Elf Unternehmen gesperrt

S. war nicht der einzige, der Missbrauch mit der Jobbörse betrieb. Die Bundesagentur für Arbeit hat deswegen nun Konsequenzen gezogen und nach eigenen Angaben elf Unternehmen in ihrer Jobbörse gesperrt. Rund 32.000 Stellen sind damit rausgefallen. Weil die dubiosen Anbieter oft mehrere Orte für ein und dieselbe Stellenbezeichnung erstellt hatten, wurden insgesamt etwa 120.000 vermeintliche Stellenanzeigen gelöscht.

In einer schriftlichen Stellungnahme begründet eine Sprecherin der Bundesagentur für Arbeit den Schritt so: "Die bisherigen Prüfmechanismen konnten hier nicht vollständig greifen. Der Schwerpunkt der Prüfungen lag bisher auf inhaltlichen Anforderungen." Erst die SWR-Recherchen hätten den Beweis geliefert, dass einige Anbieter über die Jobbörse erhaltene Bewerberdaten weiterverkauften. Daher habe die Arbeitsagentur nun alle Firmen gesperrt, bei denen sie ein ähnliches "Tatmuster" erkannte.

Dauer
Sendedatum
Sendezeit
18:00 Uhr
Sender
SWR Fernsehen BW

Aus Sicherheitsgründen: keine Angaben zu Tatmuster

Wie genau die Bundesagentur für Arbeit dieses Tatmuster definiert, dazu will die Sprecherin derzeit nichts sagen. Zu groß ist die Angst, die Datenhändler könnten auch diesen Kontrollmechanismus durchschauen. Ziel sei es in jedem Fall, möglichen Missbrauch der Jobbörse in Zukunft schneller zu erkennen. Außerdem teilte sie dem SWR in Bezug auf verdächtige Job-Vermittler mit: "Wir haben mögliche rechtliche Schritte geprüft und auch eingeleitet." Mehr wollte sie aus rechtlichen Gründen auch hierzu nicht sagen.

Keine Auswirkung auf Arbeitsmarktstatistik

Dass in der Jobbörse nach der Löschaktion der Bundesagentur für Arbeit etwa 120.000 Stellen weniger ausgeschrieben sind, wirke sich jedoch nicht auf die Statistik der offenen Stellen in Deutschland aus, teilt die Agentur weiter mit. Denn in die monatliche Arbeitsmarktstatistik fließen nach Angaben der Agentur ausschließlich "betreute Stellenangebote" ein – hier erteile der Arbeitgeber einen konkreten Vermittlungsauftrag. Bei den nun gesperrten Firmen habe es sich jedoch ausschließlich um unbetreute Stellenangebote gehandelt.

Am Mittwoch hat sich in Berlin der Ausschuss für Arbeit und Soziales im Bundestag mit dem Thema Datenhändler in der Jobbörse befasst. Die Linken-Abgeordnete Jessica Tatti aus dem Wahlkreis Reutlingen hatte von der Bundesregierung Auskunft über den Kenntnisstand der Regierung und eingeleitete Gegenmaßnahmen beantragt.

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