Wienfried Kretschmann beim Empfang zu seinem Geburtstgag. (Foto: picture-alliance / dpa)

Empfang zum 70. des Ministerpräsidenten Großer Bahnhof für den grünen "Dickschädel"

Er ist Grünen-Gründungsmitglied und seit 2011 Ministerpräsident in Baden-Württemberg: Winfried Kretschmann hat am Donnerstag seinen 70. Geburtstag gefeiert.

Rund 300 Vertreter aus Politik, Wirtschaft, Kirchen und Gesellschaft haben am Donnerstag in Stuttgart bei einem Staatsempfang Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) zum 70. Geburtstag gratuliert. Darunter waren einige Prominente, wie etwa der Tatort-Schauspieler Richy Müller, die früheren Ministerpräsidenten Erwin Teufel und Günther Oettinger (beide CDU).

"Manchmal denke ich, du bist konservativer als ich jemals werden will."

Günther Oettinger, früherer Ministerpräsident

Oettinger war neben Vizeregierungschef Thomas Strobl (CDU), Finanzministerin Edith Sitzmann (Grüne) und Ex-Bundesaußenminister Joschka Fischer (Grüne) einer der Festredner.  

Der frühere Bundesaußenminister Joschka Fischer (Grüne), der selbst vor drei Wochen 70 geworden ist, erinnerte an den gemeinsamen politischen Kampf von der Atomkatastrophe in Tschernobyl bis zum Atomausstieg. Kretschmann habe mit seinem "Dickschädel" die Partei auf einen guten Weg mitgenommen.

Innenminister Strobl wünschte seinem Kabinettschef Gottes Segen und sagte, Kretschmann sei "aus einem besonderen Holz geschnitzt".

"Bei so viel Lob kann man froh sein, dass man katholisch und in Demut geübt ist", antwortete Kretschmann auf die Reden zu seinem 70. Geburtstag.

Kritik an Geburtstagsfeier von der AfD

Kritik an den Feierlichkeiten gab es vorab von der AfD. Die Kosten in Höhe von rund 35.000 Euro nennt sie Vergeudung von Steuergeldern. Sie wollte deshalb den Geburtstags-Empfang boykottieren.

Der ehemalige baden-württembergische Ministerpräsident und jetzige EU-Haushaltskommissar Oettinger hält die Kosten für den Empfang und das Symposium zum 70. Geburtstag von Ministerpräsident Winfried Kretschmann für gerechtfertigt. Dem SWR sagte er am Donnerstagmorgen: "Ich glaube, dass der Regierungschef es verdient hat, dass er eine öffentliche Würdigung bekommt und dass man auch diese Gelegenheit nutzt, um über die Lage Baden-Württembergs, aber auch über seinen Lebensweg und sein Lebenswerk zu sprechen."

Empfang am Vorabend des Geburtstags

Bereits am Mittwochabend gab es zu Ehren Kretschmanns ein Symposium zum Thema Demokratie. Gäste waren unter anderem Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble (CDU) und Grünen-Bundeschef Robert Habeck. Reichlich Geburtstagswünsche und Würdigungen gab es bereits im Vorfeld. Finanzministerin Edith Sitzmann sagte, sie hoffe, dass Kretschmann vor allem Freude dran habe, Baden-Württemberg gut zu regieren.

"Nicht zu seinem eigenen Denkmal erstarren"

Die Oppositionsparteien im Landtag spielten bei ihren Glückwünschen auf das Alter des 70-Jährigen an. Sie meinen, es sei Zeit, dass er in den Ruhestand gehe. So sagte Andreas Stoch, SPD-Fraktionsvorsitzende, er wünsche Kretschmann, dass er nicht als erster Ministerpräsident zu seinem eigenen Denkmal erstarre. Und Hans UIrich-Rülke, FDP-Fraktionsvorsitzender, wünschte Kretschmann, dass er es schaffe, den Zeitpunkt seines Ausstiegs aus der Politik frei und selbstbestimmt zu wählen, so dass er nicht, wie viele andere, am Ende mit Schimpf und Schande vom Hof gejagt werde.

"Vielleicht der ungewöhnlichste Politiker Deutschlands"

Robert Habeck, Grünen-Chef

Grünen-Chef Robert Habeck hat den baden-württembergischen Ministerpräsidenten Winfried Kretschmann zu dessen 70. Geburtstag als Vorbild und Ausnahmepolitiker gewürdigt. Der erste grüne Landesregierungschef sei "vielleicht der ungewöhnlichste Politiker Deutschlands", sagte Habeck am Mittwoch. Er passe in keines der marktgängigen Formate, gehe kaum in Talkshows und twittere nicht. "Er macht sein Ding. Und das macht ihn besonders und auch für mich persönlich zu einem Vorbild." Habeck sagte: "Von ganzem Herzen: Alles Gute und Danke, Kretsch!"

In der eigenen Partei umstritten

Kretschmann wurde am 17. Mai 1948 in Spaichingen (Kreis Tuttlingen) geboren. Der Grüne ist seit 2011 Ministerpräsident. In seiner Partei ist er umstritten. Vor allem der linke Flügel der Grünen arbeitet sich gern an dem Realpolitiker ab und wirft ihm vor, der CDU politisch zu nahe zu stehen. Kretschmann regierte in Stuttgart erst mit der SPD, jetzt führt er eine grün-schwarze Landesregierung.

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