Ein Obdachloser liegt unter einer Decke. (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/Paul Zinken/dpa (Symbolbild))

Zahlen der Wohlfahrtsorganisationen Mehr Wohnungslose durch steigende Mieten in Baden-Württemberg

Besonders in Baden-Württemberg steigen die Mieten stark an - es gibt zu wenig Wohnraum. Das kann auch dazu führen, dass Menschen auf der Straße landen. Die Zahl der Wohnungslosen steigt kontinuierlich, warnen Wohlfahrtsorganisationen.

"In Ballungsräumen sind günstige Wohnungen insbesondere für die Zielgruppe der wohnungslosen Menschen so gut wie nicht vorhanden", beklagten Sprecher der Liga der freien Wohlfahrtspflege am Freitag in Stuttgart. Dabei sei bezahlbarer Wohnraum das wirksamste Mittel gegen Wohnungslosigkeit. Betroffene konkurrierten mit anderen benachteiligten Gruppen um die restlichen bezahlbaren Wohnungen. "Und sie werden in der Regel keinen Wohnraum finden", warnt die Liga, in der sich Organisationen wie die Arbeiterwohlfahrt und die Caritas zusammengeschlossen haben.

Ein "Ulmer Nest" wurde am Alten Friedhof in Ulm aufgestellt. Im Vordergrund steht eine Parkbank. Das "Ulmer Nest" ist ein Erfrierungsschutz, in den sich Obdachlose im Winter legen können, um sich vor der Kälte zu schützen. (Foto: dpa Bildfunk, Tom Weller)
Obdachlose können in Ulm testweise eine neu entwickelte, mobile Schlafunterkunft nutzen. Ein solches "Ulmer Nest" wurde am Freitag (27.12.) am Alten Friedhof in Ulm aufgestellt. Die Konstruktion ist ein Erfrierungsschutz, in den sich Obdachlose im Winter legen können, um sich vor der Kälte zu schützen. Tom Weller

Zahl der Menschen in Wohnungsnot nimmt kontinuierlich zu

Die Zahl der Menschen in Wohnungsnot nehme in Baden-Württemberg seit zehn Jahren kontinuierlich zu, sie sei auch im vergangenen Jahr wieder gestiegen, kritisierte der Dachverband der Wohlfahrtsverbände. Die Dienste und Einrichtungen der öffentlichen und der freien Wohlfahrtspflege seien im Jahr 2019 von 12.270 Menschen um Hilfe gebeten worden - rund 120 mehr.

Genaue Statistiken gibt es allerdings nicht. Weder ist bekannt, wie groß die Gruppe der Wohnungslosen ist oder in welchen Umständen Betroffene leben, noch wissen die Behörden, wie viel Betreuung oder Wohnraum tatsächlich gebraucht wird, so Heiner Heizmann vom Caritasverband der Diözese Rottenburg-Stuttgart.

Keine aktuellen Statistiken

Konkretere Zahlen zu den Betroffenen lägen seit sechs Jahren nicht mehr vor und seien mit bundesweitem Fokus erst für das Jahr 2022 geplant, bemängelt die Liga der freien Wohlfahrtspflege, in der sich auch die Caritas engagiert. Der Dachverband der baden-württembergischen Sozial- und Wohlfahrtsverbände rechnet damit, dass die Zahl der Menschen in Wohnungsnot deutlich gestiegen ist. Der Bedarf liege geschätzt bei rund 500.000 Wohnungen.

Nach der jüngsten landesweiten Erhebung waren 2014 zudem rund 22.000 Menschen in sogenannter ordnungsrechtlicher Unterbringung durch den Staat. Denn Kommunen sind gesetzlich verpflichtet, unfreiwillig obdachlose Menschen unterzubringen. Sie bieten eine Bandbreite an von normalen Wohnungen bis zum Mehrbettzimmer in Sammelunterkünften. Außerdem leben nach Schätzungen der Liga Tausende auf der Straße, manche schlafen bei Verwandten, Freunden oder im Wohnwagen.

Bericht: Höchste Mieten in Stuttgart und Leinfelden-Echterdingen

Die Bestandsmieten sind in einigen baden-württembergischen Städten in den vergangenen fünf Jahren besonders stark gestiegen, wie aus einer Auswertung von Mietspiegeldaten im Auftrag der Linksfraktion im Bundestag hervorgeht.

Besonders hoch war die durchschnittliche Kaltmiete pro Quadratmeter der Untersuchung zufolge 2018 in Stuttgart und Leinfelden-Echterdingen (jeweils 9,96 Euro). Unter den zehn teuersten Städten finden sich außerdem Tübingen (9,48 Euro), Ditzingen, Ludwigsburg (jeweils 8,86 Euro) und Fellbach (8,65 Euro). Esslingen, Leonberg (beide 8,58 Euro) und Konstanz (8,51 Euro) sind unter den 20 Städten mit den höchsten Bestandsmieten. Bundesweit liegt der Durchschnitt bei 6,92 Euro je Quadratmeter.

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