Ein Schild "Wegen Lehrermangel geschlossen" hängt am Eingang eine Schule. (Foto: dpa Bildfunk, Hendrick Schnmidt)

Eisenmann weist Kritik zurück Zum Schulstart fehlen knapp 800 Lehrer in Baden-Württemberg

Auch für das Schuljahr 2019/20 gibt es einen Lehrermangel in Baden-Württemberg. Das hat Kultusministerin Eisenmann am Donnerstag bekannt gegeben und damit die Kritik gegen sie weiter angeheizt.

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19:30 Uhr
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SWR Fernsehen BW

Der Unterricht an den Schulen in Baden-Württemberg beginnt mit etwa 790 unbesetzten Lehrerstellen. Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU) erwarte jedoch, dass diese Zahl bis Ende September noch auf rund 500 offene Stellen sinken wird. Aber die Situation sei nicht zufriedenstellend, räumte die Ministerin am Donnerstag in Stuttgart ein.

Grundschulen kämpfen um jeden Lehrer

Mit knapp 400 unbesetzten Stellen fehlen die meisten Lehrer im Grundschulbereich, gefolgt von den Realschulen. Bei den Gymnasien ist die Situation etwas entspannter. Bis auf Ausnahmen in den Fächern Physik und Informatik konnten dort alle Stellen besetzt werden. Auch bei den beruflichen Schulen sind nur wenige Stellen offen. Insgesamt galt es laut Eisenmann, zum neuen Schuljahr in Baden-Württemberg rund 5.800 Stellen neu zu besetzen - vor allem deswegen, weil Lehrer in Pension gingen.

In ländlichen Bereichen ist der Lehrermangel größer als in den Ballungsräumen, betonte die Kultusministerin. Allerdings wurden einige Stellen auch mit nicht voll ausgebildeten Lehrkräften wie Quereinsteigern aus anderen Berufen besetzt. Außerdem arbeiten auch pensionierte Lehrkräfte wieder Teilzeit, so Eisenmann.

Einige Landkreise besonders stark vom Lehrermangel betroffen

Einen besonders großen Mangel an Lehrern für Grund-, Werkreal-, Haupt- und Realschulen gibt es nach Angaben des Ministeriums in Regionen wie Esslingen, Rems-Murr, Konstanz, Tuttlingen, Rottweil, Schwarzwald-Baar und Waldshut.

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Für den Lehrermangel macht Kultusministerin Eisenmann Planungsfehler in den vergangenen Jahren verantwortlich. Sie beklagte aber auch eine mangelnde Bereitschaft von Junglehrern, in Regionen zu ziehen, die nicht zu ihren Wunschzielen gehörten.

Für rund 1,5 Millionen Schüler an den öffentlichen und privaten, den allgemeinbildenden und beruflichen Schulen beginnt am kommenden Mittwoch der Unterricht wieder. Nach ersten Zahlen sind darunter rund 94.000 Schulanfänger. In Baden-Württemberg arbeiten rund 136.000 Lehrer.

Ministerin scharf von der GEW kritisiert

In der Vergangenheit wurde Ministerin Eisenmann wegen ihrer Schulpolitik bereits mehrmals kritisiert. So hat die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) in Baden-Württemberg am Mittwoch Eisenmann scharf angegriffen. Landeschefin Doro Moritz warf Eisenmann Versagen in der Schulpolitik vor und betonte: "Ich möchte keine Ministerpräsidentin Eisenmann."

Eisenmann, die auch Spitzenkandidatin der CDU bei der Landtagswahl 2021 ist, reagierte am Donnerstag auf diese Vorwürfe und konterte: "Ich bin auch gegen Frau Moritz als künftige Ministerpräsidentin." Eisenmann dürfte das im übertragenen Sinne gemeint haben, denn Moritz kandidiert nicht zur Wahl 2021.

Landeselternbeirat Rees: "Ich würde der Landespolitik eine 5 geben"

Der Vorsitzende des Landeselternbeirats in Baden-Württemberg, Carsten Rees, bezeichnet den Unterrichtsausfall im Land als "Desaster". Rees sagte im SWR-Interview am Donnerstag: "Wir haben in den letzten fünfzehn Jahren in Baden-Württemberg unser Schulsystem an den Rand des Bankrotts gespart." In der Kritik um Eisenmann betonte Rees in einem Interview mit der Deutschen Presseagentur vom Dienstag jedoch, dass die Ministerin unschuldig am Lehrermangel sei, sie mache unter den gegebenen Umständen einen guten Job. Auf die Frage, welche Note Rees der Schulpolitik im Land geben würde, antwortete der Landeselternbeirats-Vorsitzende: "Ich würde der Landespolitik eine 5 geben und der Schulpolitik eine 2 bis 3."

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