Langzeitstudie zu Insektensterben Forscher warnen vor Schmetterlingssterben in Baden-Württemberg

Eine Studie belegt das Schmetterlingssterben speziell in Baden-Württemberg. Karlsruher Wissenschaftler haben dafür Daten bis ins 18. Jahrhundert zurückverfolgt.

Wissenschaftler des Staatlichen Museums für Naturkunde Karlsruhe haben die Daten im Magazin "Scientific Reports" veröffentlicht. Die Forscher haben Aufzeichnungen über Schmetterlinge seit dem Jahr 1750 ausgewertet. Die für die Studie genutzten Daten stammen vor allem aus der zentralen Landesdatenbank Schmetterlinge am Staatlichen Museum für Naturkunde Karlsruhe (SMNK). Dort werden historische Nachweise aus den vergangenen zwei Jahrhunderten und aktuelle Meldungen vereinigt. Sie werden hauptsächlich von ehrenamtlichen Mitarbeiter gesammelt.

Wolfgang Hörter war im Karlsruher Naturkundemuseum:

Dauer

6 von 163 Schmetterlingsarten ausgestorben

Schmetterlinge sind eine der größten Insektengruppen. In ihrer Studie stellen die Forscher fest, dass die Zahl der Arten zwar weitgehend gleichgeblieben ist – nur sechs von 163 sind wirklich ausgestorben – dass aber die Häufigkeit drastisch abgenommen hat. Insbesondere seit den 1950er Jahren sei das der Fall, nach der Umstellung der Landnutzung nach dem Krieg. In den vergangenen beiden Jahrzehnten habe sich der Prozess noch einmal verschärft.

Zwei Schmetterlinge in der Wilhelma in Stuttgart (Foto: dpa Bildfunk, Picture Alliance)
Zwei Schmetterlinge in der Wilhelma in Stuttgart (Archiv) Picture Alliance

Es seien immer weniger Schmetterlingsarten zu sehen und zu finden. "Einst flächendeckende Arten wie der Apollofalter sind nicht mehr an zum Beispiel 50 Stellen zu finden wie früher, sondern im ganzen Südwesten nur noch an einem Ort", sagte Robert Trusch, Mitautor der Studie. Er betreut am Naturkundemuseum Karlsruhe eine der größten Schmetterlingssammlungen Deutschlands.

Lebensräume für Schmetterlinge fehlen

Arten mit höheren Ansprüchen an ein spezielles Umfeld sind besonders betroffen. Den Forschern zufolge fehlen Lebensräume wie Magerrasen, Feuchtwiesen und Moore. Die intensive Landwirtschaft, die Versiegelung von Flächen, Düngung und Pflanzenschutzmittel verschlechtern die Lebensbedingungen der Tiere. Auch in den Wäldern, wie in dunklen Fichten-Monokulturen, finden Schmetterlinge keinen geeigneten Lebensraum.

Robert Trusch, Forscher am Staatlichen Museum für Naturkunde Karlsruhe (Foto: SWR)
Es seien immer weniger Schmetterlingsarten zu sehen und zu finden, so Robert Trusch, Forscher am Staatlichen Museum für Naturkunde Karlsruhe
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