Susanne Eisenmann, Kultusministerin Baden-Württemberg (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/Fabian Sommer/dpa)

Reaktionen auf Kretschmann-Kandidatur 2021 Eisenmann: "Keiner hat das Amt gepachtet"

Winfried Kretschmann will noch einmal Ministerpräsident werden. Seine Herausforderin, CDU-Spitzenkandidatin Eisenmann, reagierte gelassen auf die Entscheidung. Skeptisch äußerten sich Vertreter der Opposition.

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19:30 Uhr
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SWR Fernsehen BW

Sie freue sich auf einen fairen und in der Sache harten Wettbewerb mit Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne), sagte Susanne Eisenmann, CDU-Spitzenkandidatin für die baden-württembergische Landtagswahl 2021. "Ich habe zu keinem Zeitpunkt mit einem anderen Gegenkandidaten als Winfried Kretschmann gerechnet", reagierte die Kultusministerin auf Kretschmanns Bekanntgabe, noch einmal antreten zu wollen. "Klar ist: Keiner hat in einer Demokratie das Amt gepachtet", so Eisenmann. Im SWR sagte sie: "Das Land Baden-Württemberg verträgt keinen dauerhaften Stillstand." Kretschmanns Zukunftskonzept "Das Neue ist das Alte" greife zu kurz. Man brauche Beständigkeit, aber auch Antworten auf die Herausforderungen der Zukunft. Kretschmann selbst hatte nach Bekanntgabe seiner Entscheidung am Donnerstag Eisenmann als "respektable Gegnerin" bezeichnet, die er sehr schätze.

Strobl: "So aufregend ist das alles gar nicht"

Baden-Württembergs CDU-Landesvorsitzender und Vize-Ministerpräsident Thomas Strobl sagte: "Der Ministerpräsident hat über den Sommer eine Entscheidung getroffen und diese heute verkündet. Das ist alles - und so aufregend ist das alles gar nicht." Man könne sich jetzt endlich wieder den Sachthemen widmen. Die Bürger erwarteten zu Recht, dass man jetzt nicht in den Wahlkampfmodus verfalle. Für die Landtagswahl im Frühjahr 2021 habe man ein klares Ziel: "Eine CDU-geführte Landesregierung mit einer CDU-Ministerpräsidentin an der Spitze."

Innenminister Thomas Strobl (CDU) neben Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) im Landtag (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/Marijan Murat/dpa (Archiv))
Thomas Strobl (l.) und Winfried Kretschmann regieren seit 2016 gemeinsam das Land. picture alliance/Marijan Murat/dpa (Archiv)

CDU-Generalsekretär: "Schlafwagen-Wahlkampf" wird es nicht geben

Wenig überrascht zeigte sich auch der baden-württembergische CDU-Generalsekretär Manuel Hagel. Die grüne Alternativlosigkeit habe am Ende den Ausschlag gegeben und über die Vernunft gesiegt. "Die Grünen wollen Herrn Kretschmann offenbar im Amt zu seinem eigenen Denkmal erstarren lassen - und er ist bereit dazu", so Hagel. Den Schlafwagen-Wahlkampf, den sich der Ministerpräsident derzeit vorstelle, werde es mit der CDU definitiv nicht geben, sagte der CDU-Generalsekretär.

Entscheidung spielt für AfD keine große Rolle


Die AfD in Baden-Württemberg fasste die Kandidatur Kretschmanns nach eigenen Worten "emotionslos" auf. Bernd Gögel, AfD-Fraktionsvorsitzender im Landtag, sagte im SWR: "Für uns spielt es jetzt keine Rolle, wer die aus unserer Sicht falsche Politik für Baden-Württemberg weiterführt."

Stoch: "BW braucht keinen Chefphilosophen"

Der SPD-Landesvorsitzende Andreas Stoch bezeichnete die Ankündigung Kretschmanns als "wenig überraschend, aber auch wenig überzeugend". Die Kandidatur sei sicher ein Stück weit aus der Not geboren, sagte er im SWR. "Die Grünen haben schlicht und einfach keinen Ersatz."

Es nütze nichts, die weltpolitischen Herausforderungen beim Klima und für die Wirtschaft zu beschwören, wenn man die Antworten im eigenen Land schuldig bleibe, sagte Stoch mit Blick auf Kretschmanns Pressekonferenz am Donnerstagvormittag. "Baden-Württemberg braucht aber einen tatkräftigen Regierungschef und keinen Chefphilosophen", sagte Stoch.

FDP kann sich Koalition mit Grünen vorstellen

Auch die FDP im Land blickt bereits auf die Landtagswahl 2021. "Mit klaren Trendwenden könnten die Grünen unter Kretschmann auch Partner für die FDP sein - als Reformmotor einer ökologischen Marktwirtschaft der Zukunft", sagte Landeschef Michael Theurer. Er bekräftigte damit seine Bereitschaft zu einer grün-gelben Koalition unter Führung Kretschmanns. Bei allem Respekt vor seiner Lebensleistung brauche es aber in wesentlichen Kernthemen wie der Bildungs- und Wirtschaftspolitik dringend deutliche Kurswechsel.

Der FDP-Fraktionsvorsitzende im badeb-württembergischen Landtag Rülke (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/Fabian Albrecht/dpa)
FDP-Fraktionschef Hans-Ulrich Rülke: "Auf fünf weitere Jahre Kretschmann kann sich niemand verlassen." picture alliance/Fabian Albrecht/dpa

Der FDP-Fraktionsvorsitzende im Landtag, Hans-Ulrich Rülke, steht Kretschmanns Absicht, für fünf weitere Jahre zu amtieren, skeptisch gegenüber. Das bedeute, dass er am Ende einer weiteren vollen Amtszeit 78 Jahre alt sei. "Ich zweifle, dass er das wirklich so lange bleibt. Auf fünf weitere Jahre Kretschmann kann sich niemand verlassen", so Rülke. Die Herausforderungen in Bildung, Wirtschaft und Infrastruktur bräuchten Willensstärke und Kontinuität. Kretschmann könne das nicht garantieren.

Freude bei den Grünen

Die Grünen in Baden-Württemberg freuen sich über Kretschmanns Entscheidung. "In Zeiten tiefer Umbrüche wollen wir das Vertrauen der Menschen in unsere Demokratie und den gesellschaftlichen Zusammenhalt stärken. Wir freuen uns, dass wir das weiter gemeinsam mit Winfried Kretschmann tun", sagte der Landesvorsitzende der Grünen, Oliver Hildenbrand.

Auch die Grünen auf Bundesebene fassten die Kandidatur positiv auf. Zuspruch kam etwa von Cem Özdemir. "Ein guter Tag für uns im Ländle", twitterte der Bundestagsabgeordnete (Wahlkreis Stuttgart).

Lieber Winfried, mit Dir ist Baden-Württemberg ökologischer, sozialer und weltoffener geworden. Du bist Deutschlands beliebtester Ministerpräsident. Super, dass Du weitermachen willst! Ein guter Tag für unser Ländle. #Kretschmann

Auch Grünen-Spitze steht hinter Kretschmann

Die Bundesvorsitzenden Annalena Baerbock und Robert Habeck betonten, Kretschmann schaffe es, Bindekraft für die breite Gesellschaft zu entfalten. "Gerade in Zeiten, in denen nationalistische und populistische Tendenzen in ganz Deutschland einen Aufschwung erfahren, schafft er mit seinem klaren Wertekompass Orientierung und Halt."

Die Grünen-Fraktionsvorsitzende im Bundestag, Katrin Göring-Eckardt, findet: "Winfried Kretschmann und Baden-Württemberg - das passt. Jetzt heißt es: Aller guten Dinge sind drei!"

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